Viele Anklagen, wenige Urteile Schlägerei, Betrug und ein mysteriöser „Tristan“

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Unter anderem wegen einer Schlägerei sind zwei junge Osnabrücker jetzt verurteilt worden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpaUnter anderem wegen einer Schlägerei sind zwei junge Osnabrücker jetzt verurteilt worden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Osnabrück. Zwei Schlägereien, einmal Widerstand gegen die Polizei, Diebstahl und mehrfacher Betrug – es waren einige Anklagepunkte gegen drei junge Männer zusammengekommen. Mit zwei verhältnismäßig geringen Jugendstrafen endete nun der Prozess vor dem Amtsgericht Osnabrück.

Den heute 21-, 23- und 33-jährigen Angeklagten wurden verschiedene Straftaten in unterschiedlichen Konstellationen vorgeworfen. Letztlich blieben nach zwei Verhandlungstagen für den jüngsten Angeklagten eine Verurteilung zu zwei Wochen Jugendarrest sowie eine Geldstrafe und für den 22-Jährigen 60 Stunden Sozialarbeit. Das Verfahren gegen den ältesten des Trios wurde eingestellt.

Schläger im McDonald‘s

Im Zentrum des Verfahrens stand eine Schlägerei am 30. August 2015 vor und in dem McDonald’s-Restaurant am Bahnhof, bei dem ein junger Mann erheblich verletzt wurde. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass dort zunächst zu späterer Stunde der jüngste Angeklagte verbal mit einem Gast aneinandergeraten war. Als dieser ihm zum Ausgang folgte, habe der Angeklagte zugeschlagen. Verwandte des Opfers nahmen daraufhin die Verfolgung auf.

Vor dem Restaurant seien sie dann auf eine größere Gruppe getroffen, die der Angeklagte zur Hilfe gerufen hatte. Zu ihnen gehörten auch die beiden anderen Angeklagten. Vor und in dem Restaurant eskalierte die Auseinandersetzung. Zunächst sei ein Aschenbecher geflogen, kurz darauf die Fäuste. Ein Mitglied der Gruppe sei dabei zu Boden geschlagen und von mehreren Männern auch dann noch mit Schlägen und Tritten malträtiert worden. Von diesem Vorfall gab es glücklicherweise ein Video der Überwachungskamera. Die geladenen Zeugen hätten den Sachverhalt nicht aufklären können. Das Geschehen lag zu lange zurück.

Ominöser Tristan

Haupttäter sei ein gewisser „Tristan“ gewesen, den viele Zeugen als „Mann im weißen Hemd“ beschrieben. Er hatte die eigentliche Schlägerei begonnen und war auch derjenige, der auf den schon am Boden Liegenden eingeschlagen und getreten habe. Wer genau dieser Tristan ist, wusste von den Angeklagten niemand. Er sei der „Freund eines Bekannten“ gewesen, den er erst an diesem Abend in der Shisha-Bar kennengelernt habe, gab der älteste Angeklagte zu Protokoll. Sein jüngerer Bruder gab zu, ebenfalls in die Schlägerei eingestiegen zu sein, nachdem besagter Tristan bereits in die gegnerische Gruppe gesprungen war.

Für die Körperverletzungen wurden beide jüngeren Angeklagten entsprechend verurteilt. Das Verfahren gegen den 33-jährigen Angeklagten wurde hingegen eingestellt. Auf dem Video war zu sehen, dass er zu Beginn der Auseinandersetzung versucht hatte, die Wogen zu glätten. Als die Schlägerei dann begann, habe er versucht, die Prügelnden auseinanderzuziehen. „Dabei habe ich sicher auch den einen oder anderen Schlag ausgeteilt“, gab er zu. Den am Boden liegenden Mann habe er aber weder geschlagen noch getreten. „So etwas mache ich niemals“, wies er die Vorwürfe empört zurück. Das glaubten ihm das Gericht und die Staatsanwaltschaft.

Holzlatten als Schlagwerkzeuge

Eine weitere Anklage wegen Körperverletzung gegen die beiden jüngeren Angeklagten wurde eingestellt. Am 19. Juni 2016 sollen sie in der Baumstraße mit einer Gruppe Männer aneinandergeraten sein. Nachdem es zunächst nur verbal zu Streit kam, folgte auch hier schnell Gewalt. Flaschen flogen, Gürtel und Holzlatten kamen als Schlagwerkzeuge zum Einsatz. Ganz so schlimm wie es sich in der Anklage las, sei es dann letztlich doch nicht gewesen. Aus welchen Gründen genau der Streit entstand, war nach der langen Zeit auch hier nicht mehr zu klären. Da auch niemand ernsthaft verletzt worden war, wurde das Verfahren eingestellt. Im Prozess hatte eines der Opfer sogar ausgesagt, dass er sich eigentlich mit dem älteren Angeklagten gut verstanden hätte.

Widerstand gegen Polizeibeamte

Darauf, dass sich der 23-Jährige nicht immer unter Kontrolle hat, ließ auch eine weitere Anklage schließen. Der Staatsanwaltschaft zur Folge hatte er am 2. April 2016 bei einer Personenkontrolle Widerstand gegen die Polizei geleistet. Grund für die Kontrolle war eine rote Ampel, die der Angeklagte zu Fuß überquert hatte. Insgesamt waren damals sechs Beamte notwendig, um den jungen Mann zu bändigen und die Personalien aufzunehmen. An diesen Vorfall könne er sich gar nicht mehr erinnern, gab der Angeklagte vor Gericht an. Besser erinnerten sich dafür einige der eingesetzten Polizeibeamten. Sie berichteten von einem zunächst verbalen Kräftemessen. Als der 23-Jährige sich fortlaufend weigerte, seine Personalien anzugeben, wollten ihn die Polizisten durchsuchen. Das wollte der Angeklagte nicht zulassen. Letztlich konnten die Beamten ihn jedoch zu Boden ringen und ohne weitere Gewalt festnehmen. Auch dafür wurde er verurteilt.

Eingestellt wurde hingegen die Anklage wegen Diebstahls. Gemeinsam mit einem Freund sollte der 23-Jährige in einem Supermarkt eine Flasche Whisky und eine Flasche Champagner gestohlen haben. Da der Freund bereits für diese Tat einen Strafbefehl bekommen hatte und der Kaufhausdetektiv bei dem Angeklagten kein Diebesgut gefunden hatte, musste hier kein Urteil gesprochen werden.

Sechsfacher Betrug

Sehr wohl verurteilt wurde der jüngste Angeklagte hingegen wegen sechsfachen Betrugs. Er hatte mehrfach unter falschem Namen bei einem Versandhaus Turnschuhe, Kleidungsstücke, Parfum und Fernseher bestellt. Im Prozess gab er die Taten zu. Da nicht alle bestellten Waren geliefert worden waren, errechnete das Gericht einen Gesamtschaden von 793,69 Euro. Diese Summe muss der Angeklagte zusätzlich zum Jugendarrest zahlen.

Gerade den Jugendarrest hatte der Angeklagte unbedingt umgehen wollen. Er habe mittlerweile eine Arbeit angenommen und fürchte, diese nun zu verlieren. In ihrer Urteilsbegründung stellte die Vorsitzende Richterin jedoch klar, dass der Arrest gerade aufgrund einer Vorstrafe wegen Betrugs nicht zu umgehen sei. Zwei Wochen seien aber durchaus im Urlaub abzuleisten. Was die Schlägerei betraf, richtete die Richterin einen klaren Appell an beide Männer. Sie sollten in Zukunft „erst denken, dann handeln“. Zudem sei es für beide an der Zeit, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Sie sollten schnellstens Schulabschlüsse und Ausbildung angehen, um endlich ein selbstständiges Leben führen zu können.

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