Osnabrück sucht dringend Wohnungen Halb so viele Flüchtlinge wie im Landkreis Osnabrück erwartet

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Auch die Plätze in dieser Gemeinschaftsunterkunft in Georgsmarienhütte sollen wegen der rückläufigen Flüchtlingszahlen im Landkreis Osnabrück abgebaut werden. Foto: GründelAuch die Plätze in dieser Gemeinschaftsunterkunft in Georgsmarienhütte sollen wegen der rückläufigen Flüchtlingszahlen im Landkreis Osnabrück abgebaut werden. Foto: Gründel

Osnabrück. Nur die Hälfte der prognostizierten 1200 Flüchtlinge sind seit Ende 2016 in den Landkreis gekommen. Auch die Flüchtlingszahlen in der Landesaufnahmestelle Bramsche-Hesepe sind rückläufig. In der Stadt Osnabrück hingegen wird dringend neuer Wohnraum für Flüchtlinge gesucht.

Bis Ende 2017 kamen 615 und bis Ende Februar rund 650 Schutzsuchende ins Osnabrücker Land. Nach der vom Land vorgegebenen Aufnahmequote hätten die kreisangehörigen Kommunen dabei eigentlich 1210 Geflüchtete aufnehmen sollen. Der Landkreis sparte dadurch nach eigenen Angaben 5,5 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr sanken die im Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes notwendigen Aufwendungen dadurch von 16,9 Millionen Euro auf 11,4 Millionene Euro, wie Iris Beckmann, beim Landkreis für die Koordination im Bereich Integration zuständig, erläutert. „In Folge des deutlich geringer als angekündigten Zuzugs von Schutzsuchenden mussten im Jahr 2017 nicht alle dafür vorgesehenen Wohnungen genutzt werden“, sagt Beckmann.

296 freie Wohnplätze für Flüchtlinge im Landkreis

Ende 2017 standen demnach im gesamten Landkreis insgesamt 296 freie Wohnplätze für Schutzsuchende zur Verfügung, davon 147 in Gemeinschaftsunterkünften. Sie sieht daher „insgesamt einen ausreichenden Handlungsspielraum bei der Erstunterbringung Schutzsuchender nach deren Zuweisung“.

Plätze in Gemeinschaftsunterkünften werden abgebaut

Gemeinschaftsunterkünfte würden derzeit noch in Bissendorf, Georgsmarienhütte, Hagen, Hasbergen, Melle und Wallenhorst mit insgesamt noch 354 Plätzen – davon 210 Plätze in Melle und Georgsmarienhütte – genutzt. 73 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis würden kurzfristig abgebaut oder zukünftig anders genutzt. Erst wenn genug Wohnungen zur Verfügung stehen, könnten auch die übrigen Gemeinschaftsunterkünfte anders genutzt werden. Eine Neufestsetzung der Verteilkontingente wird laut Landkreis voraussichtlich erst mit Beginn des dritten Quartals erforderlich.

Stadt Osnabrück rechnet mit 400 weiteren Flüchtlingen

Während sich die Situation im Landkreis wegen der rückläufigen Flüchtlingszahlen entspannt, bleibt sie in Osnabrück angespannt. Laut Klaus Rußwinkel, Fachdienstleiter Integration, sind sogar mehr Geflüchtete als vom Land Ende 2016 prognostiziert nach Osnabrück gekommen. Seither hat die Stadt fast 500 Schutzsuchende aufgenommen, obwohl die Quote des Landes nur 467 vorsah. Die Stadt rechnet in diesem Jahr mit 400 weiteren Geflüchteten und prognostiziert, an die „sozialverträglichen Unterbringungsgrenzen zu kommen“. Rußwinkel appelliert an die Osnabrücker Bevölkerung, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Das Angebot von Privatwohnungen speziell für Flüchtlinge sei in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen.

Stadt Osnabrück appelliert an Vermieter: Wohnungen dringend benötigt

„Falls es bei Vermietern die Vermutung gibt, dass keine Flüchtlinge mehr ankommen und damit auch kein Wohnraum mehr erforderlich ist, dann ist das falsch.“ Russwinkel ist es dabei wichtig zu betonen, dass Geflüchtete bei der Wohnungssuche nicht bevorzugt werden: „Die Stadt unterstützt Flüchtlinge bei der Wohnungssuche genauso wie sie etwa deutsche Geringverdiener unterstützt.“ Rußwinkel fordert: „Wir brauchen unbedingt eine Wohnsitzauflage für Flüchtlinge, um den Wohnungsmarkt zu entspannen. Aktuell haben wir das Problem, dass Flüchtlinge aus den ländlichen Gebieten versuchen, Wohnraum in Osnabrück zu finden. Das verschärft die Situation, denn wir haben ohnehin schon eine extreme Wohnungsnot.“ Ein weiteres Problem: Je länger die Schutzsuchenden in einer Gemeinschaftsunterkunft blieben, desto schwieriger gestalte sich die Integration.

Nach Osnabrück zieht es mehr alleinreisende Männer

Der Leiter der Landesaufnahmebehörde in Bramsche-Hesepe, Klaus Dierker, konstatiert, dass die Flüchtlingszahlen seit 2017 leicht rückläufig sind. Aktuell sind knapp 700 Schutzsuchende in der Erstaufnahmeeinrichtung. Damit ist die Landesaufnahmebehörde fast zur Hälfte ausgelastet, weil die Kapazitätsgrenze mittlerweile auf 1200 Personen festgelegt wurde. Dierker erklärt: „Die Stadt Osnabrück konnte ihre Quote erfüllen, weil es mehr alleinreisende Menschen in die Stadt zieht, die einfacher unterzubringen sind.“ In das Osnabrücker Land ziehe es mehr Familien. Es sei aber schwieriger, diese unterzubringen, weshalb der Kreis seine Quote nur zur Hälfte erfüllen konnte.


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