Kompositionen aus dem Exil Bläserphilharmonie mit Gaststar Asya Fateyeva

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Dialog mit Orchester
              
              
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               Weltklasse Saxofonistin Asya Fateyeva und die Bläserphilharmonie unter der Leitung von Jens Schröer im Graf-Stauffenberg-Gymnasium. Foto: Michael GründelDialog mit Orchester : Weltklasse Saxofonistin Asya Fateyeva und die Bläserphilharmonie unter der Leitung von Jens Schröer im Graf-Stauffenberg-Gymnasium. Foto: Michael Gründel

OSNABRÜCK. Ausgewählte Werke von vier unterschiedlichen Komponisten, denen ihre Heimat fremd geworden ist und die ins Exil fliehen mussten, sowie als Solistin Asya Fateyeva präsentierte die Bläserphilharmonie in der Aula des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums.

Unter dem Motto „Fremde Heimat“ begann das anspruchsvolle Mittagskonzert mit einem Marsch von Paul Hindemith, der von den Nationalsozialisten als „atonaler Geräuschgemacher“ vertrieben wurde, aber in den USA schnell eine neue Heimat fand, mit deren Idealen er sich identifizieren konnte. In dem Werk von 1943 übernimmt er als Referenz an seine alte Heimat im Kern zwar romantische musikalische Motive von Carl Maria von Weber, transferiert diese aber in eine eigene, ungleich opulentere, schroffere und somit „amerikanischere“ Tonsprache. Der vor sieben Jahren gegründeten Bläserphilharmonie gelang es prächtig, diese Metamorphosen mit all ihren Ecken und Kanten, aber auch mit viel Liebe zum Detail auf die Bühne zu bringen.

Anpassung an die „Neue Welt“

Auch der bereits in den 1920er-Jahren dem erstarkenden Antisemitismus ausgesetzte Arnold Schönberg passte sich nach anfänglichem „Fremdeln“ mit der amerikanischen „Amüsierwelt“ letztlich auch kompositorisch an, indem er von der Zwölfton- zu tonalen Musik zurückkehrte. Mit seinen zunächst für ein Blas- und erst später für ein Sinfonieorchester komponierten, so verkopften wie detailverliebt verspielten Charakter-„Variationen“ eines Themas, die von Melancholie über die Anmutung eines Walzers und einen kammermusikalisch klingenden Kanon bis hin zur Fuge reichten, wusste das Ensemble diese Entwicklung vielfältig und prägnant zu illustrieren.

Ironische Zwischentöne

Nicht physisch emigriert, wohl aber in ein inneres Exil geflohen ist Dmitrij Schostakowitsch, der sich im sozialistischen Realismus der stalinistischen Sowjetunion als Freischreiber künstlerisch eingeschränkt fühlte. Wie klug er mit der Ambivalenz von Ablehnung und Abhängigkeit umgegangen ist, zeigt seine Neunte „Sieger“-Sinfonie, die er als Auftragswerk nutzte, um mit ironischem Tonfall einen Militär- als buchstäblich aus dem letzten Loch pfeifenden Zirkusmarsch zu verballhornen, Bass-lastig zu klagen, nach einem clownesken Zwischenspiel sich selbst eingeleitet von pompös tieftönigen Posaunenphrasen sarkastisch vor Gericht zu stellen und schließlich Fagott-getrieben und Beethoven-artig seine Freude über das Kriegsende in eine musikalische Form zu gießen.

Wiederbelebung des Saxofons

Die Befreiung des Saxofons als Instrument, das in Nazi-Deutschland als „entartet“ und eines „für Negermusik und Jazz“ galt und verboten war, wurde schließlich mit Ingolf Dahls unmittelbar nach Kriegsende im amerikanischen Exil entstandenem Konzert für Altsaxofon und Bläserensemble gewürdigt. Die vielfach preisgekrönte Ausnahmesaxofonistin Asya Fateyeva harmonierte dabei brillant mit den Bläsern, mit denen sie zunächst im lamentierenden Tonfall in eine Art Dialog trat, dann in barocker Form einer Passacaglia virtuos die Melodie von Horn und Posaune paraphrasierte und sich im filigranen, durch ein klassisches Rondo strukturierten dritten Satz fein mit dem Orchester die Bälle zuspielte.


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