Was Studenten austüfteln Hochschule Osnabrück zeigt Ideen für die Welt von morgen

Von Renate Leonhard

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Ein Roboter, der kunstvoll Balance hält, ein Computerprogramm, das historische Schiffe steuern hilft: 52 Studenten der Hochschule Osnabrück haben pfiffige Ideen für die Welt von morgen vorgestellt.

Die Studenten der Studiengänge Elektrotechnik, Elektrotechnik im Praxisverbund, Medieninformatik und Technische Informatik hatten seit Oktober 2017 acht praxisnahe Projekte bearbeitet. Der Öffentlichkeit zeigten sie nun ihre Arbeitsergebnisse auf der traditionellen Projektmesse.

Computerprogramm für Schiffe

Etwa 100 Besucher informierten sich auf dem Campus Westerberg bei Vorträgen und an den einzelnen Messeständen, beispielsweise über eine Steuerungssoftware für die Traditionsschifffahrt in Deutschland. Das sogenannte „Ship Management System (SMS)“ hat das Ziel, die meist ehrenamtlichen Besatzungen auf Traditionsschiffen mithilfe neuer Technologien zu entlasten. Das erläuterte der studentische Projektleiter des Teams SMS, Julian Dreyer. Unter der Mitarbeit des Berliners Jens Schuhknecht, Maschinist auf dem 1933 gebauten Segelschiff „Thor Heyerdahl“, entwickelten die Studenten eine Software, die die Crew an Bord und an Land bei ihren regelmäßigen Sicherheitschecks und Wartungsarbeiten unterstützt.

Passagiere helfen mit

Hierbei können Checklisten und Anleitungen für verschiedene Bereiche des Schiffes angelegt, ausgearbeitet und protokolliert werden oder Logbucheinträge für die Maschinen geschrieben werden. Auch den Gästen (Trainees) des Schiffes, wie zum Beispiel chronisch kranken Kindern und deren Ärzten oder Schulklassen, wird es so ermöglicht, sich mit ihrem eigenen Smartphone in dem System anzumelden und bestimmte Aufgaben zu bearbeiten. Von diesem einfachen System, das ohne zusätzliche Endgeräte auskommt, könnten in Zukunft alle etwa 100 Mitgliedsschiffe des Dachverbands der deutschen Traditionsschifffahrt profitieren. Schuhknecht lobte besonders das Engagement und die große Motivation der Studierenden, die jeweils etwa 200 Arbeitsstunden investiert hatten.

Roboter im Gleichgewicht

Mit Begeisterung berichtete auch Nicole Seifert, eine der zehn weiblichen Projektteilnehmerinnen, von der Entwicklung eines Gleichgewichtsroboters, der eigenständig aufrecht stehen und sich auf nur zwei Rädern ausbalancieren kann. Seifert studiert wie ihre Teamkollegen im vierten Fachsemester Elektrotechnik im Praxisverbund, hat also bewusst einen ausbildungsintegrierten Studiengang gewählt. Besonderen Spaß habe es ihr und dem Team gemacht, alle Komponenten für den Roboter selbst zu beschaffen. Projektbetreuer Peter Roer zeigte sich beeindruckt von der „Eigenständigkeit der Studenten ebenso in der Planung wie auch in der Organisation“. Das Projekt fasse das gesamte bisherige Studium zusammen.

Futuristische Brillen

Wie die mitunter futuristisch wirkende virtuelle Realität für Warenwirtschaftssysteme der Gegenwart genutzt werden kann, zeigte das siebenköpfige Medieninformatik-Team um Betreuer Björn Plutka. Die Studenten entwickelten eine App, die Verwaltung und Kommissionierung in Lagersystemen vereinfachen kann. Eindrucksvoll demonstrierte Student Kai Rauer am Messestand die intuitive Anwendung des Prototyps der sogenannten Mixed-Reality-Brille. Mittels dreidimensionaler Hologramme kann ein Träger der Brille, der zum Beispiel Regalbestände erfassen muss, über Handbewegungen und Sprachbefehle die Datenerfassung steuern. Kooperationspartner des Projekts war das Unternehmen Neuro-Net aus Schleswig-Holstein, das drei „Hololens“-Brillen bereitstellte.

Professoren beeindruckt

Professor Frank Thiesing, der zusammen mit ProfessorWinfried Gehrke die Projektmesse organisiert hatte, äußerte sich erfreut, dass viele Vertreter regionaler Firmen die Messe besuchten. „Sie sind auf der Suche nach Ideen und Nachwuchstalenten oder späteren Mitarbeitern“, sagte Thiesing. Beeindruckt zeigte er sich von den Arbeitsergebnissen: „Es ist toll, dass immer mehr studentische Projekte in einen ehrenamtlichen oder sozialen Kontext gesetzt werden wie das Projekt ‚Ship Management‘ oder ‚ElectronOS‘.“ Hierbei handelt es sich um eine Informations- sowie Lehr- und Lernplattform, die auch geflüchteten Menschen die Möglichkeit gibt, Grundlagen der webbasierten Programmierung zu erlernen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN