Neu in der Frauenberatungsstelle Hilfe für Gewaltopfer: Syrerin berät Flüchtlingsfrauen in Osnabrück

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Najlaa Jlilati spricht Arabisch und hilft in der Osnabrücker Frauenberatungsstelle bei der Unterstützung von Flüchtlingsfrauen. Foto: Gert WestdörpNajlaa Jlilati spricht Arabisch und hilft in der Osnabrücker Frauenberatungsstelle bei der Unterstützung von Flüchtlingsfrauen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Kaum eine geflüchtete Frau vertraut sich in Osnabrück Freunden an, wenn sie Opfer von Gewalt oder sexuellem Missbrauch ist. Zu groß sei die Angst, von der Community verurteilt und ausgeschlossen zu werden, sagt Najlaa Jlilati. Die Syrerin ist für Betroffene seit Februar Ansprechpartnerin bei der Frauenberatungsstelle.

Najlaa Jlilati ist selbst nach Deutschland geflüchtet. Vor zwei Jahren und wenigen Monaten folgte die Rechtsanwältin und Englischlehrerin ihrem Mann, der Syrien schon ein Jahr zuvor verlassen hatte. „Zum Glück hatten wir Hilfe“, sagt sie über ihren Start im fremden Land, bei dem eine Familie sie unterstützte. Jlilati ist 42 Jahre alt und hat drei Kinder. Bei der Volkshochschule Osnabrück arbeitet sie als Arabischdozentin – und bei der Frauenberatungsstelle hilft sie nun geflüchteten Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, in deren Muttersprache.

Jedes Jahr 60 Flüchtlingsfrauen

Seit die Zahl der Flüchtlinge in Osnabrück gestiegen ist, wenden sich immer mehr Flüchtlingsfrauen an die Einrichtung in der Spindelstraße 41. In den Jahren 2016 und 2017 waren es nach Angaben der Frauenberatungsstelle jeweils rund 60 geflüchtete Frauen. Kaum eine von ihnen spricht Deutsch. Sie wurden entweder auf der Flucht vergewaltigt beziehungsweise Opfer anderer Formen von Gewalt oder durchlitten Ähnliches erst in Deutschland. Das Spektrum reicht von arrangierten Ehen bis hin zu häuslicher Gewalt.

„Die Frauen sind allein und ohne Hilfe“

„Die meisten Araberinnen sind benachteiligt“, sagt Jlilati. Zur sprachlichen Hürde kommen Schwierigkeiten im Umgang mit den eigenen Männern. Haushalt, Kinderbetreuung – „eigentlich müssen sie alles machen“, so Jlilati. Da bleibe kaum Zeit, um Kontakte zu Deutschen zu knüpfen. „Die Frauen sind allein und ohne Hilfe.“ Und wenn sie dann einmal Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt werden, würden sie sich in Osnabrück niemals einer Freundin anvertrauen, sagt Jlilati. „Die Frauen haben Angst, dass Geschichten verbreitet werden. Hier kennt jeder jeden.“

In Syrien sind Scheidungen unkomplizierter

In Syrien sei das ganz anders. „Die Frauen bekommen Unterstützung von Freunden und der Familie.“ Und nicht nur das: „Vor Gericht bekommen sie leicht Recht“, berichtet Jlilati. „Eine Scheidung geht in Syrien viel schneller als in Deutschland. In sechs Monaten ist das durch.“ In Deutschland jedoch kennen die Frauen das Justizsystem nicht. „Sie haben Angst, etwas falsch zu machen und das Land verlassen zu müssen, sie haben Angst, ihre Kinder zu verlieren“, zählt Jlilati auf – und diese Angst bestehe bereits beim Ausfüllen von Anträgen. „Sie haben so viele Fragen.“

Auf ein Jahr befristet

In der Frauenberatungsstelle können die geflüchteten Frauen sicher sein, dass ihre Anonymität gewahrt wird. Ende 2017 hat der Osnabrücker Rat das Geld für eine zusätzliche Zwei-Drittel-Stelle bewilligt. Als Najlan Jlilati den Bericht unserer Redaktion darüber las, bewarb sie sich sofort. Das Sprachtalent hatte zuvor schon ehrenamtlich für Freundinnen und Bekannte gedolmetscht, was wiederum den Vorteil hat, dass sie sich mit Asylverfahren gut auskennt. Sie unterstützt zusammen mit einer ihrer deutschen Kolleginnen die Frauen bei psychischer und physischer sowie sexualisierter und häuslicher Gewalt, Zwangsverheiratung und Misshandlung durch Familienangehörige – auch telefonisch (Tel. 0541/803405) – und begleitet die Frauen zu Ämtern, Anwälten, Ärzten oder zum Gericht.

Ihre Kollegin Maria Meyer rechnet damit, dass sich noch erheblich mehr geflüchtete Frauen in der Spindelstraße melden werden, sobald bekannt wird, dass es dort nun auch Hilfe in ihrer Muttersprache gibt. Offensiv Werbung machen wollen die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle nicht. Denn Jlilatis 25-Stunden-Stelle ist erst einmal auf ein Jahr befristet. Wie es danach weiter geht, weiß bislang niemand.


Neues Veranstaltungsprogramm:

In diesem Jahr gibt die Osnabrücker Frauenberatungsstelle ihre Hauszeitung „Neues in Lila“ nicht heraus. Informationen über das Veranstaltungsangebot gibt es jedoch auf der erneuerten Internetseite www.frauenberatung-os.de (Veranstaltungskalender). Der Verein setzt in diesem Jahr verstärkt auf offene und kostenfreie Angebote, die Teilnehmerinnen spontan nutzen können, sagt Mitarbeiterin Katharina Wittenbrink. Wer sich über das Kurs- und Veranstaltungsangebot informieren will, kann das alternativ auch telefonisch tun.

Kontakt

Frauenberatungsstelle

Spindelstraße 41

49074 Osnabrück

Tel.: 0541/803405

Der Frauennotruf ist unter der Nummer 0541/8601626 täglich zu folgenden Zeiten erreichbar: Montag bis Freitag 9 bis 12 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 11 Uhr.

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