Führerschein behalten 20-jähriger Bad Laerer fuhr mit 1,5 Promille

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Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael GründelLandgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Ein heute 20-Jähriger brach bei der Fahrt mit einem geliehenen Quadbike durch einen Weidezaun und erlitt schwere Kopfverletzungen. Weitere Probleme verursachte der Umstand, dass der Mann dabei gut 1,5 Promille Alkohol im Blut hatte.

Der 20-Jährige aus Bad Laer war am 12.5.2017 zum Grillen bei einem Bekannten. Nach dem Konsum von Bier und Schnaps machte er eine Testfahrt mit dem neuen Quad des Gastgebers. „Ich habe gefragt, ob ich mal fahren darf, und ab da kann ich mich an nichts erinnern. Ich bin dann am nächsten Morgen im Krankenhaus aufgewacht.“ Was passiert ist, ließ sich trotz der fehlenden Erinnerung leicht rekonstruieren: Er fuhr etwa 100 Meter weit, krachte durch einen Weidezaun und verlor beim Sturz das Bewusstsein.

In erster Instanz verurteilte das Amtsgericht Bad Iburg ihn zwar wegen fahrlässiger Trunkenheit am Steuer, sah aber von einer Strafe ab und ließ ihm sogar den Führerschein. Die Staatsanwaltschaft ging in die Berufung. In der Verhandlung vor dem Landgericht erklärte der Richter, warum: die charakterliche Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeugs sei fraglich, wenn man sich mit 1,5 Promille ans Steuer setze. Es handle sich kaum um fahrlässige, sondern vielmehr um vorsätzliche Trunkenheit im Straßenverkehr.

Unvermeidlicher Führerscheinentzug

Der Gesetzgeber sehe in solchen Fällen Führerscheinentzug vor, Auslegungssache sei das nicht. „Wer einmal an einem entsprechenden Test der DEKRA teilgenommen hat, weiß: bei 1,5 Promille ist ein Unfall eigentlich so sicher wie das Amen in der Kirche“, so der Richter - vorausgesetzt natürlich, man sei an solche Pegel nicht gewöhnt. Wenn das aber der Fall ist, dann ist es erst recht zweifelhaft, ob der Täter charakterlich geeignet ist zum Führen eines Kraftfahrzeugs. Zur Klärung dieser und angrenzender Fragen gehöre dann auch eine medizinisch-psychologische Prüfung (MPU) zum Prozedere, um den Lappen wiederzubekommen, erklärte der Richter.

Streng genommen hätte man dem 20-jährigen den Führerschein also entziehen müssen. Streng nehmen wollte das Gericht es aber gerade nicht, wie sich zeigte, und zwar aus mehreren Gründen. Erstens arbeitet der 20-Jährige in Rheda-Wiedenbrück. Eine Busverbindung von Bad Laer dorthin gebe es nicht, er werde ohne Führerschein also seinen Job verlieren, sagte der Angeklagte. Ferner hat er schwere Kopfverletzungen davongetragen, nach dem Unfall wurde eine Metallplatte in seinen Schädel eingesetzt, er nimmt deswegen bis heute Medikamente ein. „Ich höre auf dem rechten Ohr immer noch nicht viel. Die Zähne sind in Arbeit“, so der Angeklagte. 

Urteil aus erster Instanz aufgehoben

Diese spürbaren Folgen sehen Staatsanwältin und Richter als ausreichende Bestrafung an - allerdings nur moralisch. Um ein neues Urteil komme man nicht herum, so der Richter. „Wenn einer drei rote Ampeln überfährt und seinen Führerschein abgeben muss, und Sie fahren mit 1,5 Promille, bauen einen Unfall und müssen das nicht, dann lässt sich das nicht rechtfertigen.“ Letztendlich wurde die Sache so geregelt: da der Angeklagte zwischen Tat und erster Verhandlung bereits drei Monate ohne Führerschein war, „verknackte“ der Richter ihn zu drei Monaten Fahrverbot wegen vorsätzlicher Trunkenheit am Steuer, diese Frist wird aber betrachtet als bereits abgegolten. In der Konsequenz passiert bezüglich der Fahrerlaubnis des 20-jährigen also: gar nichts. Möglicherweise trifft es ihn aber, dass er die Kosten des Verfahrens tragen muss. Auch das wäre ihm nämlich nach dem erstinstanzlichen Urteil erspart geblieben.

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