Ermutigung in schwerer Zeit Eltern helfen Eltern drogenabhängiger Kinder

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Osnabrück. „Diese Selbsthilfegruppe (SHG) ist in erster Linie für die Eltern da“, erklärt Diplom-Sozialpädagogin Christiane Westerveld vom Caritasverband, die die Gruppe „Eltern helfen Eltern drogenabhängiger Kinder“ bei Bedarf mit fachlichem Rat unterstützt.

Wenn Kinder drogenabhängig werden, beginnt für Eltern eine schwere Zeit. Alles dreht sich um die Sorgen, die durch die Abhängigkeit hervorgerufen werden – Sorgen um die Gesundheit, ja, das Leben des Kindes, Sorgen um seine schulische oder berufliche Zukunft, sein Abdriften in Beschaffungskriminalität oder Obdachlosigkeit etc. „Die Eltern sind ratlos“, berichtet die Leiterin der SHG, Anette Ohlhoff: „Ihr eigenes Leben wird vollständig dominiert von den Problemen, die die Drogensucht des Kindes mit sich bringt.“

Unter dem Dach der Caritas

Deshalb entstand schon in den 80-er Jahren unter dem Dach der Caritas die SHG. Von den 15 Eltern, die mehr oder weniger regelmäßig die Gruppentreffen besuchen, haben manche, so wie Ohlhoff, ein „Happy End“ erlebt, ihre Kinder haben den Weg aus der Abhängigkeit zurück in ein „normales“ Leben gefunden. Andere Eltern hingegen haben soeben erst von der Abhängigkeit ihres Kindes erfahren; wieder andere erleben seit Jahren ein Auf und Ab aus Phasen der Zuversicht und neuen Krisen, mit Therapien, Wartezeiten, Rückfällen. Schließlich gibt es auch diejenigen, deren Kind an den Folgen der Drogensucht gestorben ist. Sie alle finden Zuspruch, Trost und Ermutigung durch die anderen Gruppenmitglieder, die ihr Schicksal teilen. Und jeder kann auf die Verschwiegenheit der anderen zählen: „Unsere Gruppe ist ein geschützter Raum, es dürfen auch Tränen fließen und alles, was hier berichtet wird, bleibt unter uns“, betont Ohlhoff. „Unser Ziel hier ist, dafür zu sorgen, dass es den Eltern wieder besser geht.“

Kein Zugang zum „Hotel Mama und Papa“

Natürlich wollen alle auch ihren Kindern helfen, aber das können sie nur, wenn sie selbst stark genug sind. „Man ist verzweifelt, ist konfrontiert mit einem Kind, das sich nicht helfen lassen will, das in sein Unglück läuft, und muss nun eine Entscheidung treffen“, berichtet ein Vater, der - wie so viele Betroffene - anonym bleiben will. „Was kann man tun?“ Er und seine Frau berieten sich in dieser schweren Zeit mit anderen betroffenen Eltern in der Gruppe, erwogen das Für und Wider und trafen schließlich die schwere Entscheidung, ihrem Kind und seinen neuen Freunden das „Hotel Mama und Papa“ zu versagen. Gleichzeitig signalisierten sie Gesprächsbereitschaft. „Diese Entscheidung ist uns damals nicht leicht gefallen, aber als deutliches Zeichen hat sie letztlich ein Umdenken bei unserem Sohn bewirkt.“

„Kiffen gilt schon als normal“

Fast alle Kinder und Jugendliche kommen heute irgendwann zwischen 14 und 16 Jahren in Kontakt mit Drogen und viele probieren sie auch aus. „Kiffen gilt schon als normal“, berichtet Westerveld. Wer dann „hängen“ bleibe und zu härteren Drogen wie Heroin, Kokain oder zu den billigen, aber sehr süchtig machenden Amphetaminen greife, stecke im Teufelskreis. Diese Drogen können zu Psychosen, Veränderungen im Gehirn und Schädigungen der Persönlichkeit führen. Auch durch Medikamente und Mittel zur Leistungssteigerung in Schule, Sport und Beruf geraten viele Jugendliche in eine Drogenabhängigkeit.

Zwar gebe es viel professionelle Anstrengungen zur Prävention, „aber wenn das Problem da ist, haben Eltern zunächst das Gefühl, vor eine Wand zu rennen“, beklagt Ohlhoff. Schulen würden das Problem zumeist verdrängen und aus Sorge um ihren Ruf nicht öffentlich machen. Sie zumindest habe sich damals sehr allein gelassen gefühlt.

Viele Hilfsangebote

Für Suchtgefährdete und Abhängige gebe es heute viele Hilfsangebote, stellt Christiane Westerveld klar, sowohl die kirchlichen Organisationen Caritas und Diakonie als auch Aids-Hilfe und andere würden schon bei Verdacht auf Drogenmissbrauch Therapiegespräche anbieten. Auch die Eltern würden mitberaten.

Denn für die mitbetroffenen Eltern und Geschwister sei die Situation ebenfalls sehr schwierig. Oft gerate die gesamte Familie in eine Art Co-Abhängigkeit: Alles drehe sich um das gefährdete Kind: „Wo ist es? Wann kommt es nach Hause - heute oder in drei Tagen? In welchem Zustand?“ Die Drogensucht sei eine Belastungsprobe für die gesamte Familie. Es könne hilfreich sein, wenn die Eltern dem drogenabhängigen Kind Grenzen setzen, ihm klar machen, dass sein Verhalten die gesamte Familie schädigt. Manchmal gelinge es, das Kind rechtzeitig zur Umkehr zu bewegen.

Aber manche „Drogen-Karrieren“ nähmen leider einen chronischen Verlauf. Wenn dann noch eine psychische Erkrankung hinzukomme, müssten die Eltern lernen, mit der Hoffnungslosigkeit zu leben. In der SHG können sie sich öffnen, finden ein Ventil für den oft unerträglichen Druck ihrer Sorgen. Hier ist elterliche Ohnmacht ein nur zu gut bekanntes Phänomen, aber man hat Strategien entwickelt, trotz allem ein irgendwie normales Leben zu führen und nicht immer die Sucht des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen. Sondern hin und wieder auch einfach mal das eigene Leben zu leben, zu lachen und sich an Schönem zu erfreuen.

„Wir sind viele, und wir kennen die Probleme

„Wir sind viele, und wir kennen die Probleme“, unterstreicht Anette Ohlhoff. „Die SHG ist ein stabilisierender Faktor in unserem Leben.“ Gelegentlich werden Referenten eingeladen, aber zumeist geht es in der Gruppe darum, sich bei schwierigen Entscheidungen gegenseitig zu beraten.

Die Gruppe ist offen für neue Mitglieder, die Teilnahme ist kostenlos. Man trifft sich immer am ersten Mittwoch eines Monats um 18 Uhr in den Räumen der Caritas, Johannisstraße 91, in Osnabrück. Das nächste Treffen findet am Mittwoch, 7. März statt.

Infos unter elterndrogenkinder@web.de oder 0176 8690 8091.


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