Treffen der Gewerkschafterinnen Osnabrückerinnen fordern Frauentag als Feiertag

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Das Improtheater „Sportfreunde Haseglück“ spielte kurze Szenen nach Vorschlägen aus dem Publikum. Foto: Elvira PartonDas Improtheater „Sportfreunde Haseglück“ spielte kurze Szenen nach Vorschlägen aus dem Publikum. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Mit überwältigender Mehrheit bei einigen Gegenstimmen haben sich die Teilnehmerinnen des 25. Frühstück der Gewerkschaftsfrauen Osnabrück einer Resolution angeschlossen: Der neue Feiertag in Niedersachsen soll der Internationale Frauentag werden.

Der Frauentag war zum 25. mal Anlass zu dem Frauenfrühstück. Rund 250 Gewerkschafterinnen waren der Einladung in einem besonderen Jahr gefolgt: Vor 100 Jahren war das aktive und passive Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt worden.

„Verminderte Intelligenz“

Das war keine Selbstverständlichkeit, wie Sigrun Müller, Vorsitzende des Kreisfrauenausschusses, bei ihrer Begrüßung feststellte: Wurde den Frauen damals noch „verminderte Intelligenz“ unterstellt. Marie Juchacz, eine der 37 ersten Frauen in der Weimarer Nationalversammlung habe dazu in ihrer ersten Rede klare Worte gefunden, erinnerte Petra Tiesmeyer, Vorsitzende des DGB-Kreisverbandes Osnabrück: Die Frauen müssten nicht dankbar sein, habe Juchacz damals festgestellt, das Frauenwahlrecht sei einer Selbstverständlichkeit.

Gleichheit im Grundgesetz

Das Jubiläum nutzten die Gewerkschafterinnen, um einige bedeutende Persönlichkeiten vorzustellen, die für die Gleichheit der Frauen gekämpft haben und noch immer kämpfen. Darunter war natürlich Clara Zetkin, die prägende Initiatorin des Internationalen Frauentages.

Die Juristin Elisabeth Selbert setzte sich bei der Verabschiedung des Grundgesetzes im Jahr 1948 vehement dafür ein, dass im Artikel 3 die Formulierung „Männer und Frauen sind gleich“ aufgenommen wurde. Das war anfangs noch abgelehnt worden.

„Eine der klügsten Frauen“

Auch zwei Osnabrückerinnen waren unter den Vorgestellten: die streitbare Pädagogik-Professorin Elisabeth Siegel, der zu Ehren Osnabrück den einzigen Frauenpreis vergibt. Und Anna Siemsen, eine der ersten Professorinnen in Deutschland, die sich für ein klassenloses Schulsystem eingesetzt hatte. Kurt Tucholsky nannte Siemsen „eine der klügsten Frauen Deutschlands“. Ihre Ruhestätte auf dem Osnabrücker Hasefriedhof ist die einzige Grabstelle mit Einschusslöchern. Siemsens Einsatz war manchen Gegnern über den Tod hinaus verhasst.

Heide Simonis, erste deutsche Ministerpräsidentin, und Ramona Pisal, auf deren hartnäckigen Einsatz 2015 das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Führungspositionen verabschiedet wurde, rundeten die Vorstellung ab.

Unbedingt „wählen gehen“

Unter dem Motto „Ihr habt die Wahl“ spielte das Improvisationstheater „Sportfreunde Haseglück“ der Lagerhalle Szenen nach den Vorschlägen des Publikums. Vergnügt forderten die Gewerkschafterinnen die Darstellung einer Oxfam-Chefin (der internationaler Verbund verschiedener Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, der sich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzt, ist in einen Sexskandal verwickelt) und einer Päpstin. Auch die Erfindung eines Gerätes, das Wehenschmerzen an die Väter überträgt, musste eine ahnungslose Mitspielerin erraten.

Mit „Wählen gehen“ verabschiedete das DGB-Team die rund 210 Frauen im Gasthaus Thies – damit der zuletzt so gesunkene Anteil von Frauen im Bundestag wieder deutlich ansteigen möge.


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