Hilfsprojekt vorläufig gerettet Osnabrücker Kleiderlager zieht ins Landwehrviertel um

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Osnabrück. Das wegen Raumnot von der Schließung bedrohte Kleiderlager, größtes Freiwilligenprojekt zur kostenlosen Versorgung von Bedürftigen in Osnabrück, ist vorläufig gerettet. Es kann von der Melanchthonkirche ins Landwehrviertel umziehen. Ungelöst bleiben derweil Probleme mit dem Flüchtlingshaus als einstigem Hauptabnehmer.

Wochenlang stand die Zukunft des Kleiderlagers auf der Kippe. Nach anderthalb Jahren in der entwidmeten Melanchthonkirche war es im Januar von der Südstadtkirchengemeinde aufgefordert worden, das Provisorium auf dem Kalkhügel aus Brandschutzgründen schnellstmöglich zu verlassen. Ein Ausweichquartier schien jedoch in der Kürze der Zeit nicht verfügbar. Dem Hilfsprojekt, 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle in Osnabrück gegründet, drohte das Aus.

Jetzt können die Ehrenamtlichen aufatmen: Mit Unterstützung des Oberbürgermeisters Wolfgang Griesert hat das von den Bürgervereinen Nordwest und Eversburg getragene Kleiderlager einen neuen Sitz gefunden.

Neue Bleibe bis 2020

Auf dem früheren Kasernengelände an der Landwehrstraße in Atter überlässt die Energieservice Osnabrück GmbH (Esos), eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke, den Freiwilligen vorübergehend ein Nebengebäude des alten Unteroffizierskasinos. Dort darf sich das Kleiderlager bis 2020 auf mehreren hundert Quadratmetern im Erdgeschoss ausbreiten. Danach soll das Haus abgerissen werden. „Das Wunder ist geschehen“, jubelt Elisabeth Michel, Vorsitzende des Bürgervereins Nordwest, „wir haben eine neue Gnadenfrist.“

Kostenlose Unterstützung

Besonders erfreulich: Die Hilfe für die Helfer kommt gratis. Wie die Südstadtkirchengemeinde verzichtet die Esos auf eine Miete. Nebenkosten können bis auf Weiteres mit Geldern beglichen werden, die Caritas und Diakonie gewähren. Nicht einmal Umzugskosten fallen an. Denn einmal mehr greift auch der Osnabrücker Mode-Logistiker Meyer & Meyer dem Kleiderlager ohne Bezahlung unter die Arme. Die Firma regelt nicht nur den für Donnerstag, 8. März, geplanten Transport, sondern lagert auch einen Teil des Equipments ein. Michel: „Diese Großzügigkeit ist einfach überwältigend!“

Kleiderausgabe ab Mai

Gleichwohl werde es einige Wochen dauern, ehe das Kleiderlager am Standort Landwehrviertel zu voller Leistungsfähigkeit zurückkehren kann. Zunächst müsse die dortige Bleibe wieder ans Gas- und Wassernetz angeschlossen werden. Außerdem stünden nicht auf Anhieb alle Räume zur Verfügung. Ausgaben an nachweislich bedürftige Einzelpersonen seien deshalb nicht vor Mai möglich. Kleiderspenden würden jedoch weiterhin angenommen, vorzugsweise für Babys und Kleinkinder. Ein Sammelcontainer befinde sich an der Melanchthonkirche (Bergerskamp 40).

Stress mit dem Flüchtlingshaus

Ungelöst bleiben derweil Probleme des Kleiderlagers mit dem Osnabrücker Flüchtlingshaus am Natruper Holz. Noch bis vor Kurzem belieferte das Hilfsprojekt dort eine Kleiderkammer, in der sich erwachsene Flüchtlinge kostenlos eindecken konnten. Diese wurde jedoch Ende 2017 geschlossen – sehr zum Entsetzen der Ehrenamtlichen. Allein Kinderkleidung bis Größe 104 darf das Kleiderlager weiterhin bringen.

Kleiderkammer für Erwachsene geschlossen

Die Freiwilligen befürchten jetzt nicht nur eine Unterversorgung von Flüchtlingen mit jahreszeitlich angepasster Bekleidung. Vor allem beklagen sie die Art und Weise, wie seitens der niedersächsischen Landesaufnahmebehörde (LAB) und der Diakonie als Betreiberin des Flüchtlingshauses mit dem Hilfsprojekt umgegangen werde. „Wir sind alle ziemlich wütend“, gesteht Michel. „Es kommt einer fristlosen Entlassung gleich. Nach dem Motto: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.“

LAB und Diakonie sehen keinen Bedarf mehr

Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte die LAB am Freitag, das Angebot für Erwachsene sei bis auf Weiteres eingestellt worden, weil es keinen Bedarf mehr gebe. Die Entscheidung sei in enger Absprache zwischen Standortleitung und Diakonie gefallen.

Die „stark rückläufige Nachfrage“ habe sich unter anderem darin gezeigt, dass von der Kleiderkammer ausgegebene Bekleidung „oftmals ungenutzt auf dem Gelände verstreut lag“. Auch von der seit 2018 bestehenden Möglichkeit, sich durch Mitarbeiter der Diakonie zum Kleiderlager in der Melanchthonkirche fahren zu lassen, hätten die Bewohner nie Gebrauch gemacht. Zudem nehme der LAB-Standort Osnabrück in der Regel Personen auf, die bereits in den Ankunftszentren mit ausreichend Kleidung und Bekleidungsgutscheinen versorgt worden seien.

Runder Tisch geplant

„Wir schätzen das Engagement der Ehrenamtlichen und das damit verbundene Angebot sehr“, betonte LAB-Sprecherin Hannah Hintze. An einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Kleiderlager sei den Verantwortlichen auch künftig gelegen. Bereits in den nächsten Tagen solle es deshalb ein klärendes Gespräch zwischen allen Beteiligten geben.


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