Das schrille und das stille Japan Dennis Gastmann mit „Der vorletzte Samurei“ in der Lagerhalle Osnabrück

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Hier ist Japan eher schrill: Dennis Gastmann hat bei seiner Lesung in der Lagerhalle Osnabrück auch kurze Filme gezeigt. Foto: Swaantje HehmannHier ist Japan eher schrill: Dennis Gastmann hat bei seiner Lesung in der Lagerhalle Osnabrück auch kurze Filme gezeigt. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Dennis Gastmann hat am Freitagabend in der Lagerhalle Osnabrück aus seinem Buch „Der vorletzte Samurei“ in der Lagerhalle gelesen. Der Titel steht derzeit auf Platz 17 der Spiegel-Bestsellerliste.

Münster und Bielefeld hat Dennis Gastmann nach eigenem Bekunden schon in „Schutt und Asche gelesen“. Dabei wollte er nur Komplimente machen, die aber nach hinten losgegangen sind. Das soll ihm in seiner Heimatstadt nicht passieren. „Ich liebe Osnabrück!“ ruft er. Und das war ein ziemlich guter Anfang für seine Lesung am Freitagabend in der Lagerhalle.

Osnabrück, das ist die Stadt, in der Dennis Gastmann geboren wurde und sein Abitur machte. Osnabrück ist aber auch die Stadt, in der er das erste Weihnachtsgeschenk für seine Liebste kaufte, einen „knallbunten Sonnenschirm“, den er im Asialaden am Neumarkt fand. Natsumi heißt diese Frau, mit der Dennis Gastmann inzwischen verheiratet ist und auf Hochzeitsreise in Japan war. Um genau diesen Honeymoon geht es in seinem aktuellen Buch „Der vorletzte Samurei“ und seiner Lesung in der Lagerhalle.

(Weiterlesen: Interview mit Dennis Gastmann über sein Buch)

Zwischen Reizüberflutung und meditativer Ruhe

Japan ist das Land, aus dem Natsumis Mutter kommt. Was das Buch und auch die Lesung zeigen, ist es ein Land der Gegensätze, in dem „das Schrille“ auf „das Stille“ trifft, so Gastmann. Reizüberflutung pur ist etwa das Roboterrestaurant in Tokyo, wo die Gäste einem Dauerfeuer aus schrägen Figuren und Lichteffekten ausgesetzt sind. Wie meditativ dagegen geht es in dem von einem älteren Ehepaar betrieben Izakaya, einer japanischen Kneipe, zu, wo der Wirt die Kunst des japanischen Kochens in Perfektion beherrscht. Tofu mit Ingwer und Frühlingszwiebeln, Gerichte mit dem Namen „gebundene Blume“, die Lesung macht in solchen Momenten buchstäblich Hunger auf Japan.

Dennis Gastmann hat längst seinen ganz eigenen Tonfall gefunden, in dem er seine Leser und Zuhörer in ferne Länder entführt. Eine zuweilen bildreiche Sprache, die das Gefühl vermittelt, mitten drin zu sein in den Geschehnissen. Trotzdem ist es gut, dass seine Lesungen abwechslungsreich sind. Mal erzählt er einfach, auch von seinem strengen Lektor, den er „Hannibal Lektor“ nennt. Dazu kommen kurze filmische Eindrücke von mit Menschen prallvollen japanischen Bahnhöfen und Plätzen.

(Weiterlesen: Gastmann „Atlas der unentdeckten Länder“)

Dieses Mal keine wodkatrinkenden Russen

Seine Filme aus der Reihe „Mit 80000 Fragen um die Welt“ zeigt Dennis Gastmann zum ersten Mal nicht bei einer Lesung. Gut so. Wodkatrinkende Russen oder ein Besuch in Bollywood hätten diesen wunderbaren Ausflug nach Japan nur gestört. So ist es doch viel schöner, wenn zum Schluss sanfte japanische Musik zu einem bunten Filmbildern zu hören ist und Dennis Gastmann vorträgt, wie Natsumis Lieblingstante und ihr Mann dem Paar zum Abschied hinterherwinken und ihnen auf Deutsch eine „Gute Reise“ wünschen.

(Weiterlesen: Dennis Gastmann liest über unentdeckte Länder)


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