Von Schwarzlichttheater bis Krimi Vielseitiger Vorentscheid zum niedersächsischen Schülertheatertreffen

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Osnabrück . Im Juni findet in Osnabrück das 20. Niedersächsische Schülertheatertreffen (NiST) statt. Die teilnehmenden Gruppen werden bei regionalen Treffen in ganz Niedersachsen ausgewählt. Auch sieben Gruppen aus der Stadt und dem Landkreis Osnabrück bewerben sich. Sie traten nun zum Auswahlverfahren an.

Nicht nur beim Fußball wärmen sich die Spieler auf. Auch vor dem Theaterauftritt gibt es ein Warm-up. Und so bringt Lehrerin Stefanie Westphal die Schüler und Schülerinnen in der Heinrich-Schüren-Grundschule erst mal in Bewegung, lässt sie schnell und dann ganz langsam gehen und steigert schließlich den Schwierigkeitsgrad. „Macht jetzt das Gegenteil von dem, was ich sage“, fordert Westphal die Kinder und Jugendlichen auf. Also sollen sie (nicht) vorwärts gehen, sich (nicht) hinlegen und (nicht) die Arme hochheben. Kreuz und quer bewegen sich die Mädchen und Jungen durch die Schulaula, die jüngeren kichern hin und wieder.

Anlass ist das Regionale Schülertheatertreffen in Osnabrück. Denn bevor das 20. Niedersächsische Schülertheatertreffen (NiST) vom 4. bis 8. Juni Gruppen aus dem ganzen Bundesland in Osnabrück versammelt, werden die Teilnehmer in insgesamt 13 regionalen Treffen ausgewählt. 56 Gruppen mit insgesamt 1050 Schülern haben sich dieses Mal beworben; etwa zehn von ihnen werden letztlich dabei sein. Unter anderem in Göttingen, Wolfsburg, Oldenburg, Lüneburg und Aurich finden weitere regionale Schülertheatertreffen statt.

(Weiterlesen: 20. Schülertheatertreffen in Osnabrück)

Es geht nicht um Sieger

Stefanie Westphal ist Vorsitzendes des veranstaltenden „Fachverbandes Schultheater – Darstellendes Spiel Niedersachsen“ und unterrichtet Deutsch, Französisch und Darstellendes Spiel am Artland-Gymnasium Quakenbrück. „Es geht nicht darum, am Ende einen Sieger zu küren“, erklärt sie. Vielmehr gilt sowohl für das Abschlusstreffen im Juni als auch für die regionalen Treffen, dass die Schüler einander ihre Produktionen zeigen und sich darüber austauschen. Und natürlich geht es um den Spaß am Theaterspielen. 

„Unser Ziel ist, dass wir schöne Vorstellungen geben und mit Neugierde zuschauen“, sagt Stefanie Westphal denn auch bei der Begrüßung der drei Gruppen in der Grundschule. Dort findet der eine Teil des Osnabrücker Regionaltreffens mit drei Gruppen statt. Parallel dazu treffen sich vier weitere Schülertheatergruppen aus Osnabrück, Bramsche und Bad Essen im drei Kilometer entfernten Ratsgymnasium. Beobachtet werden die Theatergruppen von Vertretern des 20-köpfigen Beratungsgremiums, das am 9. März entscheidet, welche Gruppen beim Treffen im Juni dabei sind. In der Heinrich-Schüren-Schule sind Stefanie Westphal und ihr Kolleg Oliver Kleinsorge für das Gremium da. 

(Weiterlesen: Artland-Gymnasium Quakenbrück beim NiST 2014)

Lehrer als Schildkröten

Auch für Lehrer gibt es Angebote beim Schülertheatertreffen. Eine Woche vor dem Regionalen Schülertheatertreffen ist in der Gesamtschule Schinkel (GS) zu erleben, wie 13 Lehrer sich als Schildkröten, Affen und Pferde durch den Theaterprobenraum bewegen. „Gegen den Strich gebürstet“ heißt der Workshop mit Theaterpädagogin Iris Hörtzsch. Sie vermittelt den Lehrkräften, wie sie ihre Schüler dazu bringen, Bühnencharakteren ungewöhnliche Akzente zu verleihen. Da kann es etwa helfen, einer Figur tierähnliche Bewegungen zu verleihen. Oder einen Tic, bei dem sie grundsätzlich im rechten Winkel nach rechts oder links abbiegen. Auch das ist eine Übung, die die Lehrer an diesem Vormittag kennenlernen.

„Schüler haben noch nicht so viel Lebenserfahrung, auf die sie für eine Figur zurückgreifen können“, erklärt Iris Hörtzsch. Deshalb ist es für sie noch schwieriger, eine Figur nur im Kopf zu entwickeln. Die Übungen helfen ihnen, andere Zugänge zu ihren Bühnencharakteren zu finden. Aber auch für die Lehrer ist der Workshop eine wichtige Erfahrung. „Es ist immer wieder gut, auch mal wieder selbst zu spielen“, erklärt Wolfgang Gerdes, Geschäftsführer des niedersächsischen Schultheater-Fachverbandes und Theaterpädagoge an der Oberschule Bad Laer. Denn so rufe er sich in Erinnerung, wie es ist, auf der Bühne zu stehen, anstatt immer nur die Schüler anzuleiten. 

Gerdes gehört neben Stefanie Westphal und Rebekka Möller zum Organisationsteam des NiST. Letztere ist Lehrerin für Darstellendes Spiel an der Gesamtschule Schinkel. Beim NiST gehe es auch darum, „die kulturelle Bildung im Flächenland Niedersachsen“ zu fördern, erklärt Möller. Bei der Entscheidung darum, welche Gruppe im Juni in Osnabrück dabei sei, zähle aber nicht nur die Qualität. „Es sollen auch alle Schulformen und Regionen dabei sein“, sagt sie. 

(Weiterlesen: Premiere von „Ja, ich will!“ im Zimmertheater)

Vielfalt des Schultheaters

In der Heinrich-Schüren-Schule gibt es einen kleinen Einblick in diese Vielfalt das Schultheaters. Die Grundschule selbst bewirbt sich mit der aktuellen Eigenproduktion ihrer Schwarzlicht-AG beim NiST. In der Aufwärmphase verschwinden die in Schwarz gekleideten Grundschüler sofort hinter der Bühne, wo sie sich noch ihre dunklen Strumpfmasken überziehen. Nur so ist die Illusion im Schwarzlicht perfekt. Nur so sieht es so aus, als ob die Akrobaten hoch in den Lüften schweben würden. Und nur so kann der Dompteur einen Schneemann dazu bringen, sich selbst auf- und abzubauen. „Manege frei!“ heißt das Stück, in dem ein Zirkusdirektor und der dumme August das Publikum vor der Bühne begrüßen und zudem eine eigenwillige Version vom Umgang mit Bambusrohren für viele Lacher sorgt.

Den Grundschülern folgt die Theaterklasse 7g der Gesamtschule Schinkel mit ihrem selbst entwickelten Krimi „Mord unter der Discokugel“. Die Auflösung der Geschichte ist an diesem Vormittag nicht zu erfahren. Die Gruppe zeigt nur einen Ausschnitt und beendet ihren Auftritt mit der neckischen Aufforderung: „Wenn Sie wissen wollen, wie es weitergeht, muss die Jury uns weiterbringen.“ Eine Chance auf die Teilnahme an der Abschlussrunde erhofft sich auch die Theater-AG des Gymnasiums in der Wüste mit ihrer Eigenproduktion „Ja, ich will!“, einem Stück über die Suche nach dem Traumpartner, aber auch über Zwangsheirat, das entsprechend seiner Themen zwischen ernst und lustig changiert. 

Und hat Stefanie Westphal schon eine Ahnung, ob und wer in die Abschlussrunde einzieht? „Eine Ahnung hat man“, sagt sie lächelnd. Mehr verrät sie nicht.


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