J.M. Coetzees „Schande“ Mitreißend lebendig: Lesereise des Theaters im Lortzinghaus

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Musikalisch umrahmt 
              
              wurde die Lesung der beiden Schauspieler Andreas Möckel und Marie Bauer von Celso Durao (rechts). Foto: Elvira PartonMusikalisch umrahmt wurde die Lesung der beiden Schauspieler Andreas Möckel und Marie Bauer von Celso Durao (rechts). Foto: Elvira Parton

OSNABRÜCK.  Die dritte Station der diesjährigen Lesereise des Theaters mit J.M. Coetzees Roman „Schande“ im Gepäck führte die Zuhörer in Kooperation mit der Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“ einmal mehr ins Lortzinghaus.

Dort staunten die Zuhörer zunächst einmal nicht schlecht, als sie neben dem gesprochenen Wort auch Musik und Gesang vernahmen. Der für die aktuelle Medea2-Produktion angeheuerte Celso Durao aus der mosambikanischen Hauptstadt Maputo umrahmte den dritten Teil der Wanderlesung mit drei Stücken, die er auf zwei selbstgebauten afrikanischen Instrumenten spielte. Zum einen eine Art Kalimba und zum anderen eine Xylophon-ähnliche Mbila aus afrikanischem Holz und Kalebassen, die mit erstaunlicher Effektivität als Resonanzkörper fungierten.

Bezug auch zur Gegenwart

Die von Literaturnobelpreisträger J.M. Coetzee in seinem Roman „Schande“ so brillant wie prägnant erzählte, vielschichtige Geschichte des Literaturprofessors David Lurie trieben die beiden Schauspieler Andreas Möckel und Marie Bauer, die für Maria Goldmann eingesprungen war, mitreißend lebendig und mitunter in Dialogform voran.

Die Hauptfigur und dessen Tochter Lucy, auf deren Farm in der südafrikanischen Provinz er nach seiner Entlassung wegen einer Affäre mit einer Studentin „in Schande“ untergekommen ist, werden Opfer eines Raubüberfalls. Daraufhin geraten die beiden in einen Konflikt darüber, dass die „Dame des Hauses“ ihre hasserfüllte Vergewaltigung durch die Täter nicht zur Anzeige bringen möchte – obwohl sie vermutet, dass dies ihr eigentliches Hauptmotiv gewesen ist. Neben dem Afrika-Bezug als Schwerpunkt der laufenden Theatersaison fühlte man sich so auch in beklemmender Art und Weise an die #MeToo-Debatte erinnert.

Opferrolle nicht hinnehmen

Weil sie nicht vor Gericht als Zeugin aussagen und die für sie „rein private Angelegenheit“ öffentlich machen möchte, scheut Lucy davor zurück, ihre Peiniger anzuklagen. Sie glaubt zwar, dass sie wiederkommen, möchte sich aber nicht unterwerfen und ihre Farm als „Gescheiterte“ verlassen. Während für sie „Schuld und Erlösung abstrakte Begriffe“ sind, appelliert ihr Vater, der seine ihm immer fremder werdende Tochter zunehmend als dem Landleben geschuldet „gleichgültig und hartherzig“ empfindet, an ihre Ehre und fordert Gerechtigkeit. Die Scham des Opfers sollten die Täter nicht als „Sieg“ empfinden.


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