Mit Gast-Kritikerin Iris Radisch Unterhaltsames „Literaturquartett“ bei Wenner in Osnabrück

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Verrissen und gelobt haben Mario Schwegmann vom Stadtblatt, „Zeit“-Kritikerin Iris Radisch und NOZ-Redakteur Stefan Lüddemann (von rechts) beim „Literaturquartett“ bei Bücher Wenner.Verrissen und gelobt haben Mario Schwegmann vom Stadtblatt, „Zeit“-Kritikerin Iris Radisch und NOZ-Redakteur Stefan Lüddemann (von rechts) beim „Literaturquartett“ bei Bücher Wenner.

Osnabrück. Bei Bücher Wenner fand am Mittwoch wieder „Literaturquartett“ statt. Überregionale Gast-Kritikerin war Iris Radisch“, die schon mit Marcel Reich-Ranicki im legendären „Literarischen Quartett“ gesessen hat.

Und schon sind sie sich uneins. Kaum ist das erste Buch im Ring, nämlich Kent Harufs „Lied der Weite“, beginnen die Kritiker des „Literaturquartetts“ bei Bücher Wenner aufs Schönste zu diskutieren. Wobei das Quartett zum Trio geschrumpft ist, weil der freie Literaturkritiker Oliver Schmidt wegen Krankheit absagen musste.

So bleiben Stefan Lüddemann, Kulturredakteur der NOZ, Mario Schwegmann vom „Stadtblatt“, der zum ersten Mal mitdiskutiert, und als überregionale Gast-Kritikerin Iris Radisch von der Wochenzeitung „Die Zeit“. Und die sorgen zusammen für einen unterhaltsamen, humorvollen und hochlehrsamen Abend.

(Weiterlesen: Literaturquartett mit Sandra Kegel)

Ein Buch, das nicht stört

Die Aufgabe, Kent Harufs Titel vorzustellen, übernimmt in Vertretung für Schmidt Wenner-Mitarbeiterin Michaela Nienhüser, die das „Literaturquartett“ vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat. „Besonders schön“ findet Nienhüser das Buch. Die Kritiker sehen das nicht alle so. Vom kopfwiegenden Stefan Lüddemann gibt es für Haruf „ein klares Jein“. Er habe zunächst gar nichts mit dem Buch anfangen können, kann seiner Langsamkeit aber etwas abgewinnen. Noch weniger für den Titel erwärmen kann sich Iris Radisch. „Das ist ein Buch, das nicht stört“, stellt sie fest. Was kein Kompliment ist. Mario Schwegmann dagegen verteidigt es: „Das ist eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.“

Das Buch, das an diesem Abend regelrecht vernichtet wird, ist Bernhard Schlinks Verkaufserfolg „Olga“. Vorgestellt wird es von Mario Schwegmann. Schon er findet nicht nur lobende Worte. Doch ihm gefällt die Titelfigur, die im deutschen Kaiserreich geborene Olga, die sich gegen Widerstände ihren Beruf als Lehrerin erkämpfen muss und fast ein ganzes Jahrhundert erlebt.

(Weiterlesen: Littera-Lesungen im Frühjahr 2018)

Einseitiger Schlink-Roman

Radisch hält dagegen. Denn was müsse Literatur unbedingt haben? „Sie muss gut geschrieben sein“, so die Kritikerin. Bei Schlink komme aber alles im selben Tonfall daher. Selbst wenn Olga Briefe an ihren Geliebten Herbert schreibe, „alles klingt wie Bernhard Schlink“. Auch von Stefan Lüddemann gibt es Kritikerschelte. Er stört sich am testosterongeschwängerten Herbert, der einfach überall unterwegs ist, in der Wüste wie in der Arktis.

Alle Daumem hoch gehen für Hans Joachim Schädlichs „Felix und Felka“ über den Maler Felix Nussbaum und seine Frau Felka Platek, vorgestellt von Stefan Lüddemann. Der lobt die „radikale Reduktion“ der Sprache, die auch Iris Radisch gefällt. Das sei die passende Sprache, um über den Holocaust zu schreiben, lobt sie das Buch, das von 1933 bis 1944 zum Tod von Nussbaum in Auschwitz erzählt. Mario Schwegmann findet es gut, dass auch schwierige Themen angesprochen werden, etwa die Abneigung von Nussbaums Eltern gegen seine Frau.

Durchweg gut beurteilt wird auch Arno Geigers „Unter der Drachenwand“, das Iris Radisch mitgebracht hat. Hier findet sie, was sie bei Schlink vermisst: sprachliche Vielfalt.

(Weiterlesen: Rezension von „Felix und Felka“)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN