Schul- und Jugendhilfeausschuss diskutieren Problem Ganztag für Grundschüler: Osnabrück setzt auf Eigendynamik

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Seit diesem Schuljahr ist die Waldschule Lüstringen eine Ganztagsschule – die Mittagszeit ist Essenszeit. Foto: Jörn MartensSeit diesem Schuljahr ist die Waldschule Lüstringen eine Ganztagsschule – die Mittagszeit ist Essenszeit. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Mit dem Tag der Einschulung ihrer Kinder werden auch in diesem Jahr etliche Osnabrücker Eltern zusehen müssen, wie sie ihren Job mit der mangelnden Nachmittagsbetreuung in Einklang bringen. Die Brisanz des Problems hat den Schul- und den Jugendhilfeausschuss jetzt zu einer gemeinsamen Sitzung veranlasst.

Die Ratsfraktionen sind sich zwar einig: Es sei richtig, komplett auf die Umwandlung von Grundschulen zu Ganztagsschulen zu setzen. Doch das dauert. Und in der Zwischenzeit fallen Hunderte Eltern ins nachmittägliche Betreuungsloch, weil es nicht genug Hortplätze gibt. Rund 1000 Plätze fehlen.

„Die Frage, ob wir Ganztagsschulen brauchen, ist durch das Nutzungsverhalten der Eltern beantwortet“, sagte Fachdienstleiter Helmut Tolsdorf: Die durchschnittliche Betreuungszeit in der Kita liegt bei 7,6 Stunden – 2007 waren es noch 5,5 Stunden, seitdem ist die Dauer kontinuierlich gestiegen. Die Zahl der Hortplätze für Grundschüler nicht. 2012 hatte der Osnabrücker Rat beschlossen, die Hortplätze nicht weiter auszubauen. Der Betreuungsbedarf soll über Ganztagsschulen gedeckt werden. Das Ziel lautet, jährlich eine Schule zur Ganztagsschule zu machen. „Dann wären wir 2036 fertig“, gab Brigitte Neumann (CDU) zu bedenken. Bislang sind nur acht der 26 Grundschulen in Osnabrück Ganztagsschulen. Neumann: „Es ist dringend nötig, dass wir über unsere gefassten Beschlüsse nachdenken.“ Thomas Klein (Grüne) zählte nicht zu den Schwarzmalern: „Wir haben schon eine ganze Menge erreicht. 2026 hätten wir immerhin die Hälfte geschafft“, so Klein.

Am Geld soll es nicht scheitern

Politischer Konsens ist: Wenn eine Schule sich auf den Weg in den Ganztag macht, stellt die Stadt die finanziellen Mittel zur Verfügung. In der Regel ist mindestens für die Mensa ein Umbau nötig und das kostet Geld. Derweil ist es an den Schulen, ein pädagogisches Konzept zu entwickeln. Zwingen kann die Stadt die Schulen jedoch nicht und nicht jede ist angetan von der Aussicht auf die Umwandlung. „Wie geht man mit Standorten um, die den Ganztag bräuchten, wo sich die Schulen aber noch nicht auf den Weg machen möchten?“, fragte der Schulausschussvorsitzende Jens Martin (SPD).

Schuldezernent Wolfgang Beckermann und Fachdienstleiter Kinder Helmut Tolsdorf setzen darauf, dass sich automatisch eine Dynamik entwickelt: „Je mehr Ganztagsschulen wir haben, desto mehr werden Eltern die anderen Schulen unter Druck setzen“, so Tolsdorf. Und Beckermann geht davon aus, dass die neuen Ganztagsschulen die anderen mitziehen werden. „Solange der Gesetzgeber nichts tut, kann man nur moralisch Druck ausüben“, so Beckermann. „Die Schulen mit den Schulvorständen sind dringend gefordert, sich auf den Weg zu machen“, betonte die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Eva-Maria Westermann (CDU). Bernhard Heinrichs vom Stadtelternrat nahm aber auch die Stadt in die Pflicht. „Laut unserer Umfragen gibt es wohl Schulen, die großes Interesse haben, wo von Ihnen aber gebremst wird.“

Eltern gehen leer aus

Und was ist mit den Familien, deren Kinder in diesem Sommer eingeschult werden? „Wir werden nicht allen Eltern etwas anbieten können“, sagte Tolsdorf bereits vor der Ausschusssitzung in einem Pressegespräch. „Zumindest an den Standorten, wo es im nächsten Jahr eine Ganztagsgrundschule geben wird, Hellern und Schölerberg, wollen wir versuchen, eine Übergangslösung zu entwickeln.“ Doch die Verwaltungslinie ist klar: Die Hortplätze sollen nicht weiter ausgebaut werden. Andernfalls würden die Schulen nicht die Notwendigkeit der Umwandlung in den Ganztag sehen. „Wir wollen nicht den Druck von den Schulen nehmen“, sagte Tolsdorf den Ausschussmitgliedern. „Diese Antwort ist faktisch alternativlos.“


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