Bauarbeiten in vollem Gang Osnabrücker Raiffeisenplatz wird umgestaltet – Szene ist dagegen

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Osnabrück. Ein Bauzaun trennte auf dem Osnabrücker Raiffeisenplatz am Donnerstag zwei Welten: Auf der einen Seite fand ein Pressetermin mit Oberbürgermeister und Vertretern der Volksbank zum Start der Umgestaltung statt – auf der anderen Seite stand die Alkohol- und Drogenszene, die von den Plänen herzlich wenig hält.

Die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, nutzten sie nicht.

Am 19. Februar war der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) mit schwerem Gerät angerückt. Der Brennpunkt Raiffeisenplatz soll schöner und übersichtlicher werden – einerseits, weil er sich auf dem Fußweg zwischen Innenstadt und Bahnhof befindet, andererseits, weil die Stadt sich davon mehr Sicherheit erhofft. Bislang bot der Platz mit Büschen und Mauern reichlich Versteckmöglichkeiten, was laut Stadtverwaltung Drogenhandel, Prostitution oder Alkoholmissbrauch begünstigte.

„Ich finde das unmöglich“

„Ich finde das unmöglich“, beschwert sich eine Frau aus der Szene. Es sind an diesem eisigen Donnerstag zehn bis 15 Leute, die im Bereich des neuen Regenunterstandes zusammenstehen, den die Stadt im Dezember 2017 für sie aufgestellt hatte. „Auf einmal kamen hier die Bagger an“, regt sich die Frau auf. „Man hat gar nicht mal mit uns gesprochen.“ Hartmut Damerow vom OSB hatte unserer Redaktion zu Beginn der Bauarbeiten etwas anderes gesagt: Mit der Gruppe sei vereinbart worden, dass sie den Platz auch während der Bauarbeiten stets nutzen könnten. Es sind allerdings auch nicht jeden Tag dieselben Leute vor Ort.

Die Büsche sind bereits verschwunden; sobald es die Witterung zulässt, will der OSB sich die Wege vornehmen und am Haseufer werden Sitzstufen installiert. Für diejenigen, die während des Pressetermins am Rand des Platzes stehen, ist klar: „Wir gehen alle weg“, wie einer von ihnen sagt. „Was sollen wir hier noch? Hier ist es nicht mehr schön.“ Seit das Grünzeug weg sei, würden ständig Leute gucken, manche würden sogar im Auto anhalten und sie beobachten. „Ich will nicht, dass mich jeder sieht“, sagt ein Mann und nimmt einen Schluck aus seiner Bierflasche. „Ich habe auch meinen Stolz.“

Stadt will Szene nicht vertreiben

Stadtbaurat Frank Otte hatte im vergangenen Jahr mehrmals versichert, dass die Szene nicht vom Raiffeisenplatz vertrieben werden soll. Die Umgestaltung soll auch ein Kompromiss sein. Denn die Anwohner rings herum hatten sich über Monate massiv bei der Stadt beschwert – über Lärm, Bedrohung, Müll, öffentliches Urinieren und Ähnliches. Zuvor hatte sich die Szene am Salzmarkt aufgehalten, bis die Stadt dort ein Alkoholverbot verhängte. Am Raiffeisenplatz soll das nicht geschehen, er soll nur übersichtlicher werden.

Für die Szene kommt aber auch das offenbar einer Vertreibung gleich. „Seien wir doch mal ehrlich“, sagt die Frau: „Glauben Sie, dass der vom Alando uns noch haben will, wenn hier sein Hotel steht?“ In Sichtweite des Platzes entsteht zurzeit neben der Diskothek Alando-Palais ein Holiday Inn mit 158 Zimmern. Aber wohin wollen die Leute dann? „Das wissen wir noch nicht“, sagt der Mann.

Volksbank spendet 50000 Euro

Dass die Stadt den Raiffeisenplatz trotz angespannter Finanzlage jetzt für 100000 Euro umgestaltet, macht eine Spende der Volksbank Osnabrück in Höhe von 50000 Euro möglich. Für die Bank, die sich dem Namen Friedrich Wilhelm Raiffeisen verpflichtet fühlt, ein sozialer Beitrag. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) bedankte sich dafür am Donnerstag vor Ort bei den Vorstandsmitgliedern Beate Jakobs und Heiko Engelhard. „Wir wollen eine Lösung für alle Nutzergruppen haben“, sagte Engelhard. „Ich glaube, dass wir zu einer deutlichen Verbesserung dieses Platzes beitragen können.“


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