Bastian Sick im Rosenhof Irrungen und Wirrungen der deutschen Sprache

Von Christoph Beyer

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Von Ananässern und beleckten Brötchen: Bastian Sick liest auf der Bühne im Rosenhof aus „Schlagen sie dem Teufel ein Schnäppchen“. Foto: Hermann PentermannVon Ananässern und beleckten Brötchen: Bastian Sick liest auf der Bühne im Rosenhof aus „Schlagen sie dem Teufel ein Schnäppchen“. Foto: Hermann Pentermann

cby Osnabrück. Die Fallstricke der deutschen Sprache sind sein Markenkern. 2004 erschien Bastian Sicks Taschenbuch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ und erreichte ein Millionenpublikum. Mit einen „Best off“ seines mittlerweile 13 Titel umfassenden Werks unterhielt der Orthografie-Fachmann nun sein Publikum im Rosenhof.

„Es besteht immer noch ein erhöhter Aufklärungsbedarf in Sachen Grammatik“ konstatierte Sick gleich zu Beginn. Eine oberlehrerhafte Attitüde ist seine Sache allerdings nicht, verträgt sich diese doch kaum mit jenem skurrilen Humor, den der ehemalige Spiegel-Kolumnist auch an diesem Abend genussvoll zelebrierte. Die passenden Steilvorlagen dafür liefern ihm die Leser selbst, deren Einsendungen Sick auch für sein aktuellstes Buch „Schlagen Sie dem Teufel ein Schnäppchen“ nutzte.

„Ananässer“, „Hohes Zeh“ und „Russschiss Brot“

Vor allem die Fotos von zweifelhaften Supermarktangeboten, Speisekarten und Außenwerbung haben es ihm angetan. Wer diese auf der riesigen Leinwand las, wusste warum. Sprachverirrungen wie „Ananässer“, „Hohes Zeh“ und „Russschiss Brot“ waren dort zu finden, und das „Handwerker-Frühstück mit belecktem Brötchen“ dürfte selbst rustikaleren Naturen den Appetit verdorben haben. Ein gefundenes Fressen für Sick, der die Fotofundstücke mit kleinen Geschichten garnierte, die ganz neue, die Lachmuskeln arg strapazierende Deutungsmöglichkeiten zuließen. Dass es beim beworbenen „Rentnerschlachtfest“ angeblich noch freie Plätze gäbe, war nur eine davon. Die Werbeschrift einer Pizzeria „eine bestellen, zwei bezahlen“ klang da zumindest nur ungewöhnlich statt übelerregend.

Mit seiner Einführung des fünften Falls, des „Vonitiv“, welcher den Genitiv zunehmend ersetze, illustrierte Sick zudem Stilblüten, deren irreführender Aussagekraft etwa bei der Zeitungsschlagzeile „Sicherheitsbeamter von Gauck beklaut“ deutlich wurde. Eine Prise Kulturpessimismus ließ Sick erkennen, als er beklagte, dass kaum noch Gedichte auswendig gelernt würden. Auch das um sich greifende Ersetzen des Wörtchens „bitte“ durch „gerne“ fand nicht sein Wohlgefallen. „Bitte nicht gernen“ lautete seine Empfehlung. Smartphone-Nutzung und Social Media watschte er allerdings nicht kollektiv ab, sondern billigte diesen auch kreativitätsfördernde Potentiale zu. Weniger tolerant zeigte sich der Deutschexperte allerdings bei der kreativen Nutzung von Anglizismen, etwa der fotografisch dokumentierten Warenauszeichnung „Damen-tischirrt.“

Umdichtung des Bee Gees-Klassikers

Dass sich Sick als ehemaliger Chorsänger auch aufs „trällern“ verstand, stellte er mit dem melodisch eher seichten Stück „Würde Goethe heut` noch leben“ unter Beweis. Origineller geriet da die finale Umdichtung des Bee Gees-Klassikers „How deep is your Love“ in „Wie gut ist dein Deutsch?“ Eine Frage, an deren Berechtigung an diesem Abend wohl kaum jemand Zweifel gehabt haben dürfte.


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