Folgen für Osnabrück? Wieder Chefwechsel bei Centerinvestor Unibail Rodamco

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Dr. Michael Hartung. Der bisherige Entwicklungschef von Unibail Rodamco hat den Konzern verlassen, meldet das „Hamburger Abendblatt“. Foto: Oliver BlobelDr. Michael Hartung. Der bisherige Entwicklungschef von Unibail Rodamco hat den Konzern verlassen, meldet das „Hamburger Abendblatt“. Foto: Oliver Blobel

Osnabrück/Hamburg. Centerinvestor Unibail Rodamco hat sich überraschend von Geschäftsführer Michael Hartung getrennt. Damit verliert die Stadt Osnabrück erneut einen wichtigen Ansprechpartner beim Projekt am Neumarkt.

Wie das „Hamburger Abendblatt“ am Donnerstag berichtete, haben sich der französische Konzern und Michael Hartung mit sofortiger Wirkung getrennt. Der Schritt kommt überraschend, denn Hartung, Entwicklungschef (Chief Developement Officer) von Unibail Rodamco Germany, sollte noch am Mittwoch die jüngsten Pläne für das milliardenschwere Überseequartier in Hamburg vorstellen. Zu den Hintergründen der Trennung hätten sich beide Seiten nicht äußern wollen, schreibt das Abendblatt.

Erst ein Jahr im Amt

Hartung hatte erst vor genau einem Jahr den Job am Deutschland-Sitz von Unibail Rodamco in Düsseldorf angetreten. Er hatte bislang das Hamburger Projekt nach außen vertreten und auch die Federführung für das geplante Einkaufszentrum am Neumarkt in Osnabrück übernommen. In einem NOZ-Gespräch im September 2017 verhehlte Hartung nicht, dass das Projekt „Oskar“ (so der Arbeitstitel für das Center am Neumarkt) im Konzern keine große Priorität genoss. „Oskar“ wurde überlagert von den Arbeiten am Überseequartier in Hamburg, wo Unibail Rodamco auf über 80000 Quadratmetern ein neues Viertel mit 200 Geschäften, 650 Wohnungen, drei Hotels und 64000 Quadratmeter Bürofläche baut. Der französische Konzern investiert dort rund eine Milliarde Euro.

Dagegen erscheint das Osnabrücker Einkaufszentrum mit geplanten 16500 Quadratmetern Verkaufsfläche und einem Investitionsvolumen von 130 Millionen Euro wie ein Zwerg. Gleichwohl hängt für Osnabrück eine Menge dran, denn die leerstehenden Immobilien an diesem zentralen Platz verkommen zusehends.

Die Uhr tickt

Welche Folgen der Weggang von Michael Hartung für „Oskar“ konkret haben wird, ist noch nicht abzusehen. Hartungs Nachfolger wird sich zunächst einarbeiten müssen, was erneut Zeit kosten dürfte. Und die Zeit könnte für den Investor bald knapp werden, denn seit dem Entscheid des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Lüneburg vom 15. Januar 2018 tickt die Uhr. Das OVG hatte vier Normenkontrollklagen gegen die Bebauungspläne 525 (Neumarkt) und 600 (Einkaufszentrum) abgewiesen. Sobald die Urteile rechtskräftig sind, läuft die im Durchführungsvertrag vereinbarte Frist. Das heißt: Unibail Rodamaco muss binnen 128 Tagen einen Bauantrag stellen. Die unterlegenden Kläger haben noch bis kommende Woche Zeit, Rechtsmittel einzulegen.

Der dritte Wechsel

Es ist das dritte Mal, dass sich die Stadt Osnabrück auf einen neuen Gesprächspartner einstellen muss. Im Februar 2017 nahm Chefentwickler Ulrich Wölfer plötzlich Abschied, der zusammen mit dem damaligen Projektmanager Björn Reineking wichtigster Ansprechpartner für die Stadt war. Drei Monate später, im Mai 2017, wurde auch Reineking von „Oskar“ abgezogen, und der neue Entwicklungschef, Michael Hartung, erklärte Osnabrück zur Chefsache. Hartung verbreitete Optimismus: „Das Projekt Oskar ist in Bewegung“, versicherte er im September 2017 in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Er erwarte im Herbst das „finanzielle Go“ aus der Zentrale von Unibail Rodamco in Paris, so Hartung. Anfang 2018 wollte er weitere Mieter vorstellen. Das ist bislang ausgeblieben.


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