Schriftsteller mit Wortfindungsstörung Autor Sparschuh eröffnet in Osnabrück Littera-Saison

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Jens Sparschuh signiert nach der Littera-Lesung im Blue Note noch Bücher. Foto: Gert WestdörpJens Sparschuh signiert nach der Littera-Lesung im Blue Note noch Bücher. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Mit Jens Sparschuh startete die Lesereihe „Littera“ am Dienstag in Osnabrück in ihre neue Saison. Er präsentierte seinen Roman „Das Leben kostet viel Zeit“.

Wortfindungsstörung? „Klar“, antwortet Jens Sparschuh auf die Frage, ob er die kenne. Den Eindruck macht der sympathische und selbstsicher wirkende Autor bei seiner Lesung im Blue Note zwar nicht. Beim Schreiben suche er aber oft sehr lang nach einem richtigen Wort, sagt er, nachdem er noch Bücher signiert hat.

Wortfindungsstörungen hat auch Wanda in Sparschuhs Buch „Das Leben kostet viel Zeit“, das Sparschuh in der Reihe „Littera“ präsentiert. Sie ist eine alte Frau, die in einer Berliner Seniorenresidenz lebt und bei der Agentur Lebenslauf ihre Biografie in Auftrag gegeben.

Romanheld befasst sich mit Dichter der Romantik

Nun sitzt Schreiber Titus Brose vor ihr und präsentiert ihr sein Ergebnis. Und Wanda erklärt ihm, dass auch ein Schriftsteller Wortfindungsprobleme haben müsse. Sonst habe er „seinen Beruf verfehlt“.

Dieser Titus Brose sieht sich selbst nicht als Schriftsteller, auch wenn er seinem Kollegen bei der Agentur Lebenslauf gern mal boshaft dessen floskelhafte Formulierungen um die Ohren haut. Er ist ehemaliger Journalist, der sich einen neuen Job suchen musste, nachdem seine Zeitung eingestellt wurde.

Kaum zur Sprache bei der Lesung kommt, dass der Romanheld sich mit dem romantischen Dichter Adelbert von Chamisso befasst, der seine eigene Auffassung vom biografischen Schreiben hatte. Chamisso beschrieb Ereignisse, bevor sie passierten. Mit seinem Gedicht „Das Dampfroß“ nahm er etwa das schnelle Reisen vorweg, bevor die Eisenbahn erfunden wurde.

Verhältnis von Wahrheit und Dichtung

Das Schreiben von Biografien und ihr Verhältnis von Wahrheit und Dichtung ist das eigentliche Thema in „Das Leben kostet viel Zeit“. Humorvoll ist das Buch, genau wie schon der Wenderoman „Der Zimmerspringbrunnen“, mit dem der in Chemnitz geborene Sparschuh 1995 bekannt wurde.

Wüsste Jens Sparschuh eigentlich, wie er seine eigene Biografie schreiben würde? „Ja“, sagt er. Da könnte er sich vorstellen, über einen alternativen Lebensentwurf zu schreiben, in dem er Wissenschaftler statt Schriftsteller wird. Schließlich hat er in den 70ern im heutigen St. Petersburg Philosophie und Logik studiert und später in Berlin seinen Doktor gemacht.

(Weiterlesen: Littera-Lesungen im ersten Halbjahr 2018)


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