Wartezeiten für Prostituierte Osnabrücker Bordellbetreiber: „Das ist auf Deutsch gesagt scheiße!“

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Nur wenige der Prostituierten in Stadt und Landkreis Osnabrück sind bislang ihrer Anmeldepflicht nachgekommen. Das sei aber auch gar nicht so einfach, sagt ein Bordellbetreiber im Gespräch mit unserer Redaktion. Foto: dpa/Andreas ArnoldNur wenige der Prostituierten in Stadt und Landkreis Osnabrück sind bislang ihrer Anmeldepflicht nachgekommen. Das sei aber auch gar nicht so einfach, sagt ein Bordellbetreiber im Gespräch mit unserer Redaktion. Foto: dpa/Andreas Arnold

Osnabrück. Nur wenige der Prostituierten in Stadt und Landkreis Osnabrück sind bislang ihrer Anmeldepflicht nachgekommen. Ein Bordellbetreiber beklagt im Gespräch mit unserer Redaktion die Wartezeiten für die vorgeschriebene Gesundheitsberatung.

Seit dem 1. Juli 2017 müssen Prostituierte eine Gesundheitsberatung in Anspruch nehmen und sich anschließend bei den Kommunen anmelden. Von den geschätzten 400 Prostituierten in Stadt und Landkreis Osnabrück meldeten sich erst 45 Prostituierte im Landkreis und 26 in der Stadt Osnabrück an.

Bordellbetreiber: Lange Wartezeit für Termine

Im Anschluss an unsere Berichterstattung meldete sich ein Bordellbetreiber bei unserer Redaktion. Er hatte jüngst zwei Frauen bei der Stadt anmelden wollen und um einen Termin für die Gesundheitsberatung gebeten. Den bekam er – etwa fünf Wochen nach seiner Bitte um einen Termin. „Dann sind die Mädels vielleicht schon wieder woanders. Das ist auf Deutsch gesagt scheiße!“

Denn „scheiße“ ist für ihn: Ohne die Anmeldebescheinigung dürfen die Frauen nicht arbeiten, und er sie nicht bei oder für sich arbeiten lassen. Manche Frauen würden aber gar nicht lange bleiben und weiterziehen. Daher könne er nicht wochenlang auf einen Termin warten.

Eine Anmeldebescheinigung gilt für zwei Jahre, bei unter 21-Jährige für ein Jahr.

Stadt: Nachfrage anfangs gering

Auf erneute Nachfrage bei der Stadt sagt Pressesprecher Gerhard Meyering, derzeit dauere es etwa vier Wochen, um einen Termin zu bekommen. „Da die Anfrage nach Beratungsterminen gestiegen ist, werden bereits, wenn es personell und räumlich möglich ist, zusätzliche Beratungstermine eingerichtet.“ Anfangs, nach Inkrafttreten des Gesetzes, sei die Nachfrage gering gewesen. „Hinzu kommt, dass trotz Anmeldung Termine nicht wahrgenommen worden sind“, ergänzt Meyering.

Nachfrage steigt – mehr Termine

Erst seit Anfang dieses Jahres sei die Nachfrage deutlich gestiegen. Daraufhin habe der Gesundheitsdienst, zuständig für Beratungen in Stadt und Landkreis, sein Beratungsangebot von einem Nachmittag pro Woche auf drei Vor- oder Nachmittage aufgestockt. Am Tag kann der Gesundheitsdienst bei einer Dauer von 30 bis 60 Minuten pro Beratung bis zu sechs Frauen beraten.

Die Prostituierten aus dem Landkreis können ihre Anmeldebescheinigung unmittelbar nach der Gesundheitsberatung erhalten. Die in der Stadt tätigen Prostituierten können sich nach der Beratung ebenfalls sofort bei der Stadt anmelden. „In der Regel können die Frauen ihre Anmeldung auch sofort mitnehmen. Die Stadt Osnabrück ermöglicht die Anmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten“, sagt Meyering.

Anmeldung zwingend erforderlich

Meyering bekräftigt für die Stadt: „Ohne die Anmeldung besteht de facto ein Arbeits- und Beschäftigungsverbot. Da hilft auch keine Terminvereinbarung.“ Zahlreiche Prostituierte arbeiten derzeit folglich ohne Genehmigung, Bordellbetreiber lassen zahlreiche Frauen ohne Genehmigung bei oder für sich arbeiten. Bislang sanktionierte die Stadt aber keine Frau wegen einer fehlenden Beratung oder Anmeldebescheinigung. Sie zur Anmeldung zu bewegen stehe der Strafe zuvor. So woll es auch das Prostituiertenschutzgesetz. Allerdings erwischte das Ordnungsamt bei bislang einer Kontrolle einen Bordellbetreiber, der Frauen ohne die nötige Anmeldung für sich arbeiten ließ.


Kontaktdaten

Stadt Osnabrück,Fachbereich Bürger und Ordnung, Fachdienst Ordnung und Gewerbe,Tel.: 0541/323-3243, Internet: http://buerger.osnabrueck.de/public/index.php?l=226&mr=20&smr=20&p=2983

Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück, Amtsärztlicher Dienst, Tel.: 0541/323-8104

Informationen zum Prostituiertenschutzgesetz gibt es auf www.prostituiertenschutzgesetz.info

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