Von Schröder bis Hoeneß Für den „Salon de la vie“ kommen Hochkaräter nach Osnabrück

Von Stefanie Hiekmann

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Osnabrück. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, Holtzbrinck-Geschäftsführer Rainer Esser, der Präsident der Europäischen Investitionsbank Werner Hoyer und der kürzlich aus der Haft entlassene Ex-Topmanager Thomas Middelhoff – was sich liest wie die Gästeliste einer TV-Talkshow, sind die Referenten, die in den kommenden Monaten im „Salon de la vie“ in Osnabrück erwartet werden.

Immer wieder kommen Größen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport ins Osnabrücker Drei-Sterne-Restaurant „la vie“ an der Krahnstraße und sprechen zu aktuellen Themen, während das Küchen- und Serviceteam ein Gourmet-Menü kredenzt. Was hat es mit dieser – mittlerweile 18 Jahre alten – Veranstaltungsreihe auf sich, die viele Osnabrücker nur vom Hörensagen kennen?

„Die Idee für den Salon kommt von Dr. Großmann“, sagt der Patron und Geschäftsführer des Restaurants, Thomas Bühner, der das „la vie“ seit 2006 führt. Gemeint ist der Top-Manager und Unternehmer Jürgen Großmann, dem nicht nur das Stahlwerk in Georgsmarienhütte gehört, sondern auch das Weltklasserestaurant in der Osnabrücker Altstadt.

Schon vor Bühners Zeit, als noch Hans-Peter Engels (der heutige Betreiber des „Tatort Engels“ im Katharinenviertel) Küchenchef des „la vie“ war, fanden im Haus Tenge in der Altstadt regelmäßig Club-Abende mit prominenten Rednern statt. Rund 60 Gäste, viele von ihnen „la vie“-Stammgäste, versammeln sich für den „Salon de la vie“ abends im Restaurant – um sich zu informieren, gut zu essen und ihr Netzwerk zu erweitern.

Kostspielig, aber offen für jedermann

Eine geschlossene, handverlesene Gesellschaft war der „Salon de la vie“ nur in der Anfangszeit. Mittlerweile kann sich jeder anmelden, der bereit ist, für einen spannenden und unterhaltsamen Abend 260 Euro pro Person inklusive Menü und Getränken zu bezahlen.

(Weiterlesen: Osnabrücker Starkoch Thomas Bühner kocht auf der Berlinale)

„Ich bin sehr dankbar für diese hochkarätige Veranstaltung“, sagt Thomas Bühner. „Es sind größtenteils aber nicht meine Kontakte, sondern die von Herrn Dr. Großmann.“ Vorstände von Dax-Unternehmen, hochkarätige Unternehmer, Spitzenpolitiker, erfolgreiche Sportler oder auch Promi-Köche wie Johann Lafer – der Blick in die Teilnehmerliste der vergangenen Jahre ist beeindruckend.

Von Wolfgang Schäuble bis Corny Littmann

Wolfgang Schäuble (CDU) kam im August 2016 als Bundesfinanzminister und trat im „la vie“ in einen Dialog mit „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) ließ sich am 1. Juli 2015 von Ulrich Wickert interviewen, und Bayern-München-Boss Uli Hoeneß diskutierte mit dem ehemaligen St.-Pauli-Präsidenten Corny Littmann über Fußball und Kommerz.

„Wir hatten bislang erst eine Absage“, erzählt Bühner leicht schmunzelnd, „das war Günther Beckstein. Und danach ist er dann nicht Ministerpräsident geworden.“

Und wer entscheidet, welche Promis, Stars, Politiker und Vorstände nach Osnabrück kommen? In erster Linie Jürgen Großmann. „Aber wir sprechen auch darüber und überlegen gemeinsam“, sagt Bühner. So kam beispielsweise der Vorschlag, für den „Salon de la vie“ am 5. Juni den gestrauchelten Topmanager Middelhoff einzuladen, von ihm selbst. „Ich habe ihn durch Zufall mal in einer Talkshow gesehen und fand es spannend, wie er von seinen Erfahrungen berichtet hat“, sagt der Drei-Sterne-Koch. Der ehemalige Chef von Bertelsmann und Arcandor war 2014 wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt worden und verbrachte eineinhalb Jahre im Gefängnis, bevor er im vergangenen November vorzeitig freigelassen wurde.

„Die Demut, mit der er gesprochen hat, das hat mich begeistert“, so Bühner. Middelhoff habe aber auch deutlich gemacht, dass er mit Verbüßen der Strafe für seine Fehler gebüßt hat und nun nach vorne schauen darf – und muss. „Ich finde das spannend, es muss nicht immer nur um Erfolg gehen, auch von solchen Erfahrungen können wir viel lernen“, findet Bühner.

(Weiterlesen: Middelhoff fordert Millionen)

Er selbst bekomme meistens allerdings gar nicht so viel mit von der Diskussion im Restaurant. „Ich lausche dem Vortrag manchmal, wenn zwischendurch Zeit ist.“ Aber für die Küche stehen in diesen Momenten andere Aufgaben an. Schließlich wollen 60 zahlende Gäste mit Spitzengängen versorgt werden.

Was im Saal besprochen wird, bleibt im Saal

„Für uns deckt der Salon den Bereich Politik, Sport und Gesellschaft sehr gut ab“, betont Bühner. Im Grunde sei die Veranstaltung wie ein amerikanischer Clubabend angelegt. Dazu gehört auch, dass Gedanken und Meinungen hinter verschlossenen Türen frei ausgetauscht werden können: Das, was im Saal besprochen wird, bleibt auch dort.

Ob kulinarisch, gesellschaftlich oder politisch – es sei wichtig, das „la vie“ immer wieder zu präsentieren, sagt Bühner. Insofern dürfe man sich auch in Zukunft auf spannende Veranstaltungsreihen freuen. Zu denen ausdrücklich nicht nur Gäste aus den Metropolen dieser Welt eingeladen sind, sondern auch die Osnabrücker.

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Die Gästeliste (Auszug)

Auszug aus der Gästeliste des „Salon de la vie“ (in Klammern die Funktion des Referenten zum Zeitpunkt des Besuchs): Hans-Olaf Henkel (Präsident der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz), Jobst Plog (Intendant Norddeutscher Rundfunk), Pater Anselm Bilgri (Prior und Cellerar Kloster Andechs), Eske Nannen (Geschäftsführerin der Stiftung Eske und Henri Nannen), Jörg Schönbohm (Innenminister von Brandenburg), Bernhard Bueb (Leiter der Privatschule Schloss Salem), Christian Wulff (niedersächsischer Ministerpräsident), Jürgen Flimm (Intendant der Staatsoper Unter den Linden), Robert Harting (Leichtathlet), Hans-Günther Winkler (Springreiter), Joachim Gauck (Theologe), Gerhard Schröder (Bundeskanzler), Wolfgang Clement (Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit), Oliver Bierhoff (Manager der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft), Götz Alsmann (Entertainer), Johann Lafer (TV- und Sternekoch), Olaf Scholz (Erster Bürgermeister Hamburg).


„12 Sterne, 12 Jahre, 12 Gänge“

Thomas Bühner leitet das Drei-Sterne-Restaurant „la vie“ mittlerweile seit zwölf Jahren. Dieser Jahrestag wird am Ostersonntag, 1. April, mit der Veranstaltung „12 Sterne, 12 Jahre, 12 Gänge“ gefeiert.

Sie ist Teil einer Veranstaltungsreihe des „la vie“, die sich dem kulinarischen Austausch von Spitzenköchen widmet. Zum Jubiläum 2016 begann Bühner mit diesen „Gastkoch-Events“: Spitzenköche aus aller Welt reisen an, um gemeinsam mit ihm am Herd zu stehen. Dann kochen Teams aus zwei oder mehreren ausgezeichneten Gourmet-Küchen im „la vie“ und servieren den Gästen ein gemeinsames Menü.

Diese kulinarisch topbesetzten Veranstaltungen sind für jedermann offen – aber oft innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, wie Bühner sagt. Und sie sind kein ganz billiges Vergnügen: Die Teilnahme an der Veranstaltung zum Zwölfjährigen kostet zum Beispiel 480 Euro pro Person – einschließlich Getränke und Aftershow-Party.

Mit dabei sind die Drei-Sterne-Köche Kevin Fehling, Heinz Beck und Jacob Jan Boerma aus Hamburg, Rom und Vaassen (Niederlande). Sie kochen gemeinsam mit Bühner ein Zwölf-Gänge-Menü. Insgesamt sind also zwölf Michelin-Sterne in Osnabrück versammelt, das sich damit am Ostersonntag vermutlich getrost als Nabel der kulinarischen Welt fühlen darf.

Man könne bei Veranstaltungen wie dieser durchaus von einem touristischen Anziehungspunkt für Osnabrück sprechen, betont Bühner. Denn die Liste der Gäste beinhalte fast immer Menschen, die auf einem anderen Kontinent lebten und extra nach Osnabrück reisten, um dabei zu sein.

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