„Ene Mene Mopel“-Tour Helge Schneider in Osnabrück: Unsinn ernst genommen

Von Ralf Döring


Osnabrück. Helge Schneider hält Osnabrück die Treue. Am Dienstag hat er in der ausverkauften Osnabrückhalle sein Programm „Ene Mene Mopel“ vorgestellt.

Natürlich steigt Helge Schneider auf die Leiter. Sonst würde sie ja nicht im Halbdunkel des Bühnenhintergrunds herumstehen. Zwischen „As Times Goes By“ und seiner Eigenkomposition „Es gibt Reis (Schüttel dein Haar für mich)“ geht er nach hinten, setzt sich, fürs Publikum unsichtbar, eine dieser weißen Theatermasken auf; wie sich herausstellen wird, bedeckt sie nur die Hälfte seines Gesichts. Er steigt ein paar Sprossen die Leiter hoch, wendet sich zum Publikum, steigt wieder herab, geht zurück zum Klavier. Warum er das getan hat? Vermutlich, weil die Leiter da stand und die Maske im Klavier versteckt lag. Und warum stand die Leiter da? Um hochzusteigen, ganz einfach. Weiterlesen: Helge Schneiders Gastspiel vor zwei Jahren

Ein Swingabend mit Helge Schneider?

Es ist dies eines der Elemente in Helge Schneiders aktuellem Programm, das genauso sinnbefreit ist, wie der Titel der Show: „Ene Mene Mopel“. Auf große Entourage verzichtet der Musiker und Komödiant diesmal, weder Butler Bodo noch Tanzgnom Sergej sind dabei. Nein, diesmal rührt Peter Thoms am Schlagzeug die Jazzbesen und Rudi Olbrich lässt die Basslinien laufen. Dazu spielt Helge Schneider Klavier: swingend, mal im Stil der 20er-Jahre, mal mit fülligen Akkorden und rasanten Soli. Würde der Abend bleiben, wie er beginnt, es wäre ein feiner Swingabend für drei Herren und Publikum.

Dazu passen Schneiders Ansagen: Ganz unironisch, ganz klassisch stellt er seine Band vor. Nur: Ein großer Teil seines Publikums nimmt Schneider das Unironische nicht ab. Wenn Helge Schneider von links nach rechts geht, sehen die Fans darin einen Gag. Allerdings besteht darin das Wesen der Figur Helge Schneider: Er verwischt die Grenzen zwischen Sinn und Unsinn, zwischen Ernst und Blödelei, zwischen Tiefgang und Flachwitz. Er improvisiert sich da, wie in der letzten Zugabe, von einer kleinen „Katzenklo“-Anspielung zur Oma und deren Oberschenkelhalsbruch bis zum Finale mit Frikandel. Weiterlesen: Für zuhause: Helge Schneider auf DVD

Helge Schneider und Duke Ellington

Eine Geschichte über Duke Ellington hingegen dürfte präzise wie eine Jazz-Suite von Ellington komponiert sein: Zwei getrennte Handlungsstränge verschränken sich da; hier die Ruhrpott-Omma, da das Jazzfest Berlin, und am Ende stellt er einen Blumenstrauß aus Vibraphon-Klöppeln zusammen und spielt Duke Ellingtons „Mood Indigo“ am Vibraphon. Und trotz aller Grimassen und Posen ist Schneider hier auch ernsthafter und ernst zu nehmender Musiker.

Klar macht das Multitalent seine Witze über Osnabrück und über Peter Maffay, und die unvermeidliche Udo-Lindenberg-Parodie streut er gleich am Anfang ein. Tatsächlich nimmt die Musik viel Raum ein –„As Times Goes By“ interpretiert er an der Panflöte, zu „Autumn Leaves“ singt er ein wirres Fantasie-Französisch und zur Gitarre ein ebenso irres Spanisch. Er legt eine Steppnummer ein, und die Klassikabteilung betritt er mit Beethovens „Mondschein“-Sonate auch. Nonsens hebelt dabei den tieferen Sinn nachhaltig aus; wenn er aber als erste Zugabe „My One And Only Love“ am Tenorsaxofon spielt, dann ist das vor allem schön und hoch musikalisch. Und von diesen Momenten gibt es bei „Ene Mene Mopel“ eine ganze Menge. Man muss halt auch den Unsinn mit dem nötigen Ernst betreiben.