Kosten von 1,65 Millionen Euro Heinz-Fitschen-Haus in Schinkel soll teils neu gebaut werden

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Etwa 5000 Besucher nutzen monatlich die Angebote des Heinz-Fitschen-Hauses in Schinkel – und gerade im Kinder- und Jugendbereich des Stadtteiltreffs wird es langsam eng. Deshalb soll die Einrichtung nun für rund 1,65 Millionen Euro saniert und erweitert werden.

Wer alles bezahlt:

Das Geld soll aus dem Förderprogramm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“ kommen. Der Antrag an das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung wurde bereits gestellt, im Sommer wird mit einem Ergebnis gerechnet. Für das Programm ist allerdings noch ein Ratsbeschluss nötig, da die Stadt zehn Prozent der Kosten, also 165.000 Euro, übernehmen muss. Der Rat kommt am kommenden Dienstag, 6. März, zusammen.

Wie alles begann:

Seinen Ursprung hat das Heinz-Fitschen-Haus eigentlich nicht am Heiligenweg, sondern in einer Wohnung am Jeggener Weg. „Projekt am Jeggener Weg 4“ war sicher nur als Arbeitstitel für den Treffpunkt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus dem Stadtteil gedacht, doch er hielt sich immerhin sechs Jahre lang. 1984 wurde der Jugendtreff „Kompass“ in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Heiligenwegschule eröffnet – der Grundstein für das Heinz-Fitschen-Haus, benannt nach dem ehemaligen Sozialdezernenten Heinz Fitschen, war damit gelegt.

Wer das alles nutzt:

„Sozialer Brennpunkt.“ Martin Niemann, Leiter des Heinz-Fitschen-Haus, mag den Begriff nicht sonderlich. Und die meisten Menschen aus Schinkel, die mögen ihn wohl auch nicht: „Der Schinkel hat ein schlechtes Image“, weiß Niemann. Aber die Menschen, die hier wohnen, würden diese Meinung über den Stadtteil so nicht teilen. Dennoch: Der Migranten-Anteil ist groß. Auch im Heinz-Fitschen-Haus, und dort vor allem in den Angeboten für Kinder und Jugendliche. Auch für Flüchtlinge wurde inzwischen ein Angebot eingerichtet: „Wir haben etwa zehn Grundschüler in unserer Flüchtlingssozialgruppe“, sagt Sozialpädagogin Sophie Bardelmeier, die im Heinz-Fitschen-Haus für den Bereich Jugend und Familie zuständig ist. Dank der guten Zusammenarbeit mit der benachbarten Schule fänden die Flüchtlingskinder zu der Gruppe des Treffs und erhielten damit die Möglichkeit, auch andere Angebote des Hauses kennenzulernen.

Zudem leben in keinem Osnabrücker Stadtteil so viele Alleinerziehende wie in Schinkel. Die Quote der Familien, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, liegt bei rund 42 Prozent und ist damit etwa doppelt so hoch wie der städtische Durchschnitt. Gerade Familien nehmen die Angebote des Stadtteiltreffs gerne an. „Als wir mit unserem Elterncafé angefangen haben, kamen vielleicht so zwei oder drei Familien. Inzwischen haben wir hier etwa 50 bis 60 Gäste“, sagt Martin Niemann. (Weiterlesen: Osnabrück-Schinkel ist bunt – und hat ein Imageproblem)

Dieser Teil soll komplett abgerissen und neu gebaut werden. Foto: Jörn Martens

Was es alles gibt – was es alles geben soll:

Einzelberatung, Mutter-Kind-Gruppen, Elterncafé, Spielgruppen, Familienausflüge, offener Jugendtreff, Kindertreff, Sommerferienhort, Frauensport, Vorlesegruppe, Trommelgruppe, Schachgruppe, Yoga, Sprachkurse und „Mäusefrühstück“ für Familien – die Vielfalt der Angebote im Heinz-Fitschen-Haus ist enorm. Und sie soll noch weiter wachsen. Wenn es mit der Förderung klappt, soll beispielsweise noch eine Werkstatt für Kreativangebote an den Stadtteiltreff angegliedert werden. Gerade für Familien und Kinder sollen noch weitere Angebote hinzukommen, zum Beispiel Tanz- und Bewegungskurse.

Was alles gebaut werden soll:

Teile des Heinz-Fitschen-Hauses sind mittlerweile stark sanierungsbedürftig. Stadtjugendpfleger Hans-Georg Weisleder, Einrichtungsleiter Martin Niemann und Mitarbeiterin Sophie Bardelmeier führen einmal kurz durchs Haus, zeigen die Schimmelflecken in der Küche und auf den Toiletten, die Risse in der Hausfassade und die vollgestellten Büros. Durch die Sanierung sollen die Feuchtschäden beseitigt und die Sanitäranlagen erneuert werden. Der geplanten Bauarbeiten beziehen sich im Wesentlichen auf den Jugendtreff „Kompass“: Der vordere Teil des einstöckigen Trakts soll komplett abgerissen werden. Der neue Anbau wird dann nicht nur größer sein, sondern auch zweigeschossig. Für das neue Obergeschoss sind neue Gruppenräume und Büros vorgesehen. Ebenfalls im Förderantrag enthalten: ein sogenannter „Integrationsmanager“, der städtebauliche Konzepte für den Stadtteil begleiten soll. Parallel zu dem Förderprogramm für das Heinz-Fitschen-Haus hat die Stadt Osnabrück nämlich einen weiteren Antrag gestellt: für das Städtebauprogramm „Soziale Stadt“. Dieses bezieht sich allerdings nicht nur eine einzelne Einrichtung, sondern hat ein 88 Hektar großes Sanierungsgebiet in Schinkel im Blick. Ob es mit diesem Antrag klappt, wird sich ebenfalls im Sommer entscheiden. (Weiterlesen: Osnabrücker Stadtteil Schinkel soll schöner werden)

Wann soll das alles passieren?

Wenn der Stadtrat am Dienstag grünes Licht gibt und der Förderantrag Erfolg hat, soll das laufende Jahr für die Planungen genutzt werden. Abgerissen und neu gebaut wird dann 2019. „Wir hoffen, dass wir im September oder Oktober 2019 mit den Bauarbeiten fertig sein können“, sagt Weisleder und betont noch einmal, welche Chance diese Förderung birgt. Denn der städtische Investitionsstau bei Osnabrücker Schulen, Turnhallen und sozialen Einrichtungen sei enorm. Eine finanzielle Hilfe in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro wäre da ein wahrer Segen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN