Heinz Hilgers referiert Mehr als 5000 Kinder in Osnabrück leben in Armut

Von Sandra Dorn und Wilfried Hinrichs

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Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds, spricht am 1. März in Osnabrück. Foto: dpaHeinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds, spricht am 1. März in Osnabrück. Foto: dpa

sdo/hin Osnabrück. Knapp ein Viertel der Kinder in Osnabrück wächst in armen Familien auf. Diese Zahl nennt das Veranstalterbündnis „Osnabrücker Ermutigung“, das zu einer Diskussionsveranstaltung am Donnerstag, 1. März, um 18 Uhr ins Schloss einlädt. Es spricht der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers.

Fast 5000 Kinder unter 15 Jahre lebten in Osnabrück Ende 2016 in Familien mit Hartz-IV-Bezug, das sind knapp 24 Prozent. Zählt man die 16- und 17-Jährigen hinzu, sind es 5716 Kinder und Jugendliche, die als arm betrachtet werden müssen (knapp 23 Prozent).

In den vergangenen zehn Jahren hat sich nichts an der Situation verbessert, sagt Manfred Flore, der die Osnabrücker Sozialkonferenz koordiniert, ein Netzwerk aus hiesigen Wohlfahrtsverbänden, Initiativen und Gewerkschaften, die sich im sozialen Bereich engagieren. Im September 2008 seien es in Osnabrück 4609 Kinder unter 15 Jahren gewesen, deren Eltern von Hartz-IV-lebten, so Flore. Die Zahl ist also sogar gestiegen.

Flores Kritik richtet sich in erster Linie an die Bundespolitik, aber auch die Stadt nimmt er in die Pflicht. Immerhin ist die Bekämpfung von Kinderarmut eines von acht strategischen Ziele, die sich die Stadt Osnabrück für den Zeitraum 2016 bis 2020 vorgenommen hat. Doch viel geschehen sei bislang nicht, kritisiert Flore. Dabei mangelt es nicht an Ideen. Schon 2007 hatte die Osnabrücker Sozialkonferenz eine Resolution und 2009 einen Masterplan gegen Kinderarmut verabschiedet. Darin enthalten sind Vorschläge wie die Einführung eines Notfallfonds für arme Familien, eines Bildungsfonds zur Finanzierung von Schulmaterialien oder eine Erweiterung der Leistungen des Familienpasses. Außerdem soll die Stadt sich für die Einführung einer elternunabhängigen Kindergrundsicherung einsetzen, lautete eine weitere Forderung.

Bundesweit sind nach Angaben des Kinderschutzbundes 2,7 Millionen Kinder von Armut betroffen. Ein Skandal, wie der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, meint, der am Donnerstag im Osnabrück Schloss (Raum 213) zunächst referieren und dann diskutieren wird. Seine Forderung spiegelt sich im Titel des Vortrages: „Wege aus der Kinderarmut – Warum eine Kindergrundsicherung so wichtig ist“. Das Modell soll Kindern unabhängig vom Einkommen der Eltern eine finanzielle Grundlage bieten. Acht große Verbände, darunter der Kinderschutzbund, setzen sich für einen einheitlichen Satz von mindestens 500 Euro ein. Die Grundsicherung soll alle anderen Leistungen wie Kindergeld oder Kinderfreibetrag ersetzen. Die Kindergrundsicherung ist ein Baustein einer Gesamtstrategie gegen Kinderarmut, die Heinz Hilgers in seinem Vortrag vorstellen will. „Es gibt kein Land auf der Welt, das den Kindern reicher Familien mehr gibt als den armen. Das ist nur in Deutschland so. Alle anderen machen das umgekehrt“, sagt Hilgers.

Heinz Hilgers ist seit 25 Jahren Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes. Als Bürgermeister von Dormagen setzte er ein vorbeugendes Programm zur Förderung von Kindern in sozial schwachen Familien durch. Das Konzept, als „Dormagener Modell“ später bundesweit verbreitet, sieht eine frühe Kontaktaufnahme mit jungen Familien vor. Hebammen und Sozialarbeiter suchen Familien kurz vor oder nach der Geburt eines Kindes auf und bemühen such um einen vertrauensvollen Kontakt. Anzeichen für die Gefährdung des Kindeswohles können so früh erkannt werden.

Den Abend eröffnet Ludwig Schulze vom Kinderschutzbund Osnabrück. Die Moderation übernimmt Manfred Flore, Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften.

Die „Osnabrücker Ermutigung“, die zu der Veranstaltung einlädt, ist ein Bündnis aus 20 Organisationen und Initiativen in Osnabrück, das sich während der Sozialkonferenz 2014 gebildet hat. Ziel ist es, mit einer Veranstaltungsreihe über Armut und Reichtum ein Nachdenken über Verteilung und Gerechtigkeit anzuregen.


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