70 Jahre „Volksbühne Osnabrück“ Besucherring des Theaters feiert mit der „Distel“

Von Christine Adam

Zwei gut gelaunte „Volksbühnen“-Damen: Geschäftsführerin Birgit Landgraf (links) und die 1. Vorsitzende Eleonore Broermann in den Büroräumen. Foto: Gert WestdörpZwei gut gelaunte „Volksbühnen“-Damen: Geschäftsführerin Birgit Landgraf (links) und die 1. Vorsitzende Eleonore Broermann in den Büroräumen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Die größte Besucherorganisation in der Stadt, die „Volksbühne Osnabrück“, hat 1200 Mitglieder und feiert am 10. März ihren 70. Geburtstag mit dem Berliner Kabarett „Die Distel“.

„Volksbühne Osnabrück?“ Bei diesem Namen stutzen Viele und denken zuerst einmal an die Freie Volksbühne in Berlin, um deren Intendantenwechsel zu Chris Dercon es im letzten Jahr viel Wirbel gegeben hat. Tatsächlich hat Osnabrücks größter Besucherring einiges mit dem Theater in Berlins Osten zu tun. Denn im Zuge der Berliner Volksbühnen-Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts gründeten Theaterkritiker und Schriftsteller erst die „Freie Bühne“ und 1890 die „Freie Volksbühne“. Es ging ihnen darum, Arbeitern kostengünstigere Theaterbesuche zu ermöglichen und sie so an der Bildung des Bürgertums teilhaben zu lassen.

Bald nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1948, wurde die Volksbühne in Osnabrück gegründet – dieses Jahr feiert sie also ihren 70. Geburtstag. Karl Lang war damals Gründungsmitglied und bekleidete später die Position des Zweiten Vorsitzenden des Vereins. Seine Tochter ist Eleonore Broermann, die seit dem Tod ihres Mannes Michael Broermann 2014 erste Vorsitzende ist. „Mein Vater war Theaterliebhaber durch und durch“, sagt sie. „Deshalb war ihm wichtig, die Idee der Volksbühne auch in Osnabrück zu verbreiten, um allen Interessierten das Theatererlebnis zu ermöglichen.“

Verein steht Jedem offen

Die Betonung liegt auf „allen“: Laut Satzung steht der Verein Jedem offen „ohne Rücksicht auf Nationalität, Geschlecht, politisches oder religiöses Bekenntnis“. Auch wenn nach dem Krieg eine Gruppe der SPD die segensreiche Idee für die Volksbühne in Osnabrück hatte, so erzählte es Michael Broermann zu ihren 60. Geburtstag, so hat sie sich von der Arbeiterschaft gelöst. „Das Gros der Mitglieder heute sind Lehrer“, sagt Geschäftsführerin Birgit Landgraf schmunzelnd im Gespräch. 1200 Mitglieder zählt der Verein derzeit, bei stagnierenden Zahlen. 1800 waren es noch rund ums Jahr 2000. Als 45 plus bezeichnet Landgraf den aktuellen Altersdurchschnitt und räumt ein, dass „zu wenige ganz Junge“ dabei seien.

„Deshalb bieten wir neue Abonnements, nun auch fürs ‚ Thiele-Neumann-Theater ‘ und gehen stärker in die Werbung“, so Eleonore Broermann in den freundlichen Büroräumen im Lipper Kamp 21, in denen der Verein residiert. Als Reaktionen auf Umfragen unter Theaterbesuchern richtet sich das neue „Du-und Wir“-Abo an Kulturliebhaber, die nicht allein ins Theater gehen mögen. Wer will, kann sich mit der Abo-Gruppe in der Pause treffen oder am eigens reservierten Tisch im Theater-Café „Lampenfieber“ den Abend unter Theaterliebhabern ausklingen lassen.

Auch reine Sparten-Abos

Gab es in früheren Jahren nur gemischte Abonnements, so werden heute auch reine Tanz- oder Konzertabos angeboten, bequem buchbar übers Internet. „Als Großabnehmer kann die Volksbühne ihre Abos günstig anbieten, günstiger sogar noch als Abos vom Theater“, nennt Eleonore Broermann einen wichtigen Grund, warum diese Besuchergemeinschaft nach wie vor attraktiv ist. Bis zu sechs Personen können nebeneinandersitzen, allerdings nicht jedes Mal auf festen Sitzplätzen. Ein großes, gemischtes Theater-Abo umfasst zehn Vorstellungen, falls es terminlich mal klemmt, dürfen bis zu dreimal im Jahr Vorstellungen getauscht werden. Dann muss man allerdings damit rechnen, am Domhof auch mal im Zweiten Rang zu sitzen.

Feier mit der Berliner „Distel“

Und wie feiert die Volksbühne ihren 70. Geburtstag? Am Samstag, 10. März im Alando-Palais mit dem bekannten und ebenfalls traditionsreichen Berliner Kabarett „ Die Distel “. Es zeigt sein politisch-satirisches Stück „Zwei Zimmer, Küche: Staat!“. Die Veranstaltung ist allerdings seit vielen Wochen komplett ausverkauft. Wer eine Karte ergattert hat, darf mit einem Glässchen Sekt auf den Siebzigsten der in Würde gereiften Dame Volksbühne anstoßen.


„Volksbühne Osnabrück“, Lipper Kamp 21, 49078 Osnabrück-Hellern. Tel.: 0541 6090222; volksbuehne-os@gmx.de