Autobiografie „Meine Geschichte“ Guido Knopp mit kurzweiliger Lesung im Rosenhof

Von Christoph Beyer

Hat Kohl und Gorbatschow getroffen: Guido Knopp liest aus seiner Autobiografie „Meine Geschichte“. Foto: Swaantje HehmannHat Kohl und Gorbatschow getroffen: Guido Knopp liest aus seiner Autobiografie „Meine Geschichte“. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Erfolgreiche Bücher hat ZDF-Historiker Guido Knopp im Laufe seiner Karriere zahlreiche vorgelegt. Mit der im vergangenen Herbst erschienenen Autobiografie „Meine Geschichte“ breitet der bekannte Geschichtsvermittler nun zum ersten Mal seine ganz persönlichen Erlebnisse aus.

Es ist eine vertraute Stimme, die da erklingt, und tatsächlich deckt sich der seriöse Gesamteindruck mit dem bekannten Fernsehbild Guido Knopps. Zugewandt und unaufgeregt wendet sich der mittlerweile Siebzigjährige seinem Publikum im gut besuchten Rosenhof zu. Es sei bereits sein dritter Auftritt in Osnabrück, aber seine erste Lesereise, denn dafür habe er früher keine Zeit gefunden. „Ich bin ein Nachkriegskind, ein Jahr älter als die Bundesrepublik und genau so alt wie die D-Mark. Mit dem einen Unterschied: Mich gibt es noch“, trug Knopp gleich zu Beginn vor und verdeutlichte damit das zentrale Strukturmerkmal seines aktuellen Werks: Biografie und Zeitgeschichte verschränken sich darin auf vielfältige Weise.

Sein ausgeprägtes Geschichtsinteresse sei bereits in der Schulzeit deutlich geworden, betonte er. Auch wenn sich der promovierte Historiker als Teil der „letzten braven Generation vor den 68ern“ bezeichnete, zeigten einige Anekdoten, dass er sich in misslichen Lagen durchaus trickreich zu helfen wusste, etwa beim Schulwechsel kurz vor dem Abitur oder bei der Vermeidung des Wehrdienstes. Anekdotenhaftes und Bedeutsames gingen in Knopps ruhigem Erzählfluss eine kurzweilige Verbindung ein. So schilderte er Studienerlebnisse im 68er-Hotspot Frankfurt, wo er etwa Theodor W. Adornos letzte Vorlesung erlebte, sowie seinen weiteren Werdegang, der ihn 1978 zum ZDF führte. 1984 initiierte er dort die Redaktion „Zeitgeschichte“, deren Leitung er danach innehatte.

70-mal sei er seither in die Sowjetunion und das heutige Russland gereist und habe mehrfach den früheren Staatspräsidenten Michail Gorbatschow getroffen. „Gorbatschow konnte die Geister, die er selbst rief, nicht mehr bannen“, resümierte Knopp. Mit Helmut Kohl traf sich der ZDF-Historiker zum ersten Mal im November 1990. „Da hat der liebe Gott seine Hände mit im Spiel gehabt“, habe Kohl als gläubiger Christ über die Wiedervereinigung gesagt.

„Alles schien möglich in diesem romantischen Sommer 1990“, so Knopp. In der kurzen Fragerunde auf den aktuellen Ukraine-Konflikt angesprochen, betonte Knopp, dass aus seiner Sicht auch der Westen durch die Nato-Osterweiterung eine Mitverantwortung für den dortigen Konflikt habe. Gerne hätte man dem Historiker weiter gelauscht, aber nach 70 Minuten schritt dieser dann zum Signieren der Buchexemplare.