„Poetin der Zeichenfeder“ Stadtbibliothek Osnabrück zeigt Zeichnungen Else Lasker-Schülers

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Osnabrück. Else Lasker-Schüler ist überwiegend als Lyrikerin und Schriftstellerin bekannt. Sie war aber auch eine hervorragende Zeichnerin. Ab Dienstag, 27. Februar, sind Faksimile einiger ihrer Werke in der Stadtbibliothek zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung mit einem Vortrag über „Sturm-Frauen“.

Das Normale braucht keine besondere Bezeichnung. Wohl aber Dinge, die von der Norm abweichen. Deshalb wird von den „Sturm-Frauen“ gesprochen, die in der Zeitschrift von Herwarth Walden ihre Kunst zeigen konnten. „Den Begriff der Sturm-Männer gibt es nicht“, sagt Hajo Jahn. Der Vorsitzende der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft wird die Ausstellung mit Faksimiles von Zeichnungen Else Lasker-Schülers mit einem Vortrag eröffnen.

Darin wird er nicht nur auf die 1869 geborene Künstlerin eingehen, die er als „Poetin der Zeichenfeder“ beschreibt. Er wird weitere Künstlerinnen vorstellen, die ihre Werke in „Der Sturm“ veröffentlichen konnten. Die 1910 von Lasker-Schülers Mann Herwarth Walden gegründete Zeitschrift sei eine der wenigen Möglichkeiten für Frauen gewesen, ihre Werke öffentlich zu zeigen, so Jahn. In vielen Köpfen war die Vorstellung verankert, dass es Frauen an schöpferischer Kraft für ernst zu nehmende Kunst fehle. Bis 1916 war es ihnen verboten, an staatlichen Kunstschulen zu studieren. Sie mussten die Malerei bei Privatlehrern lernen.

Herwarth Walden machte das nichts: „Für ihn zählte nur, dass sie alle Talent hatten“, betont Jahn. Dabei profitierte Walden von den Kontakten seiner Ehefrau: „Else Lasker-Schüler war die Königin der Bohème, sie hat ihm die Künstlerinnen nahe gebracht.“ Sie habe auch den Namen „Der Sturm“ geprägt, den nicht nur die Zeitschrift trug, sondern auch eine Galerie in Berlin.

„Ich beziehe mich auf die Vergangenheit, weil sie wichtig ist, in die Gegenwart getragen zu werden“, sagt Hajo Jahn mit Blick auf die aktuellen Diskussionen um Metoo und Timesup. Else Lasker-Schüler sei ihrer Zeit nicht nur künstlerisch weit voraus gewesen. Aber er räumt auch mit einem Fehlurteil auf: Else Lasker-Schüler sei nicht verarmt gestorben. Sie habe in Israel monatlich eine gut dotierte Zuwendung der Jewish Agency erhalten. Aber: „Sie konnte nicht mit Geld umgehen.“


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