„Nur die Spitze des Eisbergs“ Zahl der Grippefälle im Landkreis Osnabrück doppelt so hoch wie 2017

Von Cornelia Achenbach

Die Grippe hat Stadt und Landkreis Osnabrück fest im Griff. Symbolfoto: dpaDie Grippe hat Stadt und Landkreis Osnabrück fest im Griff. Symbolfoto: dpa 

Osnabrück. Unterrichtsausfälle, Personalengpässe, volle Wartezimmer bei den Hausärzten: Die Grippe grassiert in Stadt und Landkreis Osnabrück. Tatsächlich ist die derzeit gemeldete Zahl von Krankheitsfällen doppelt so hoch wie die aus dem vergangenen Jahr.

245 Meldungen lagen zu diesem Zeitpunkt dem Gesundheitsdienst für Stadt und Landkreis Osnabrück damals vor. Für 2018 sind es bereits mehr als 500. „Und das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Peter Tenhaken vom Gesundheitsdienst. Diesem liegen nämlich nur die Fälle vor, in denen ein Abstrich gemacht und in einem Labor ausgewertet wurden. Diese Fälle müssen dem Gesundheitsdienst dann gemelde. Auf so einen Test wird aber meistens verzichtet – „aus der Sicht des Arztes hat er wenig Konsequenzen“, so Tenhaken. Denn außer Bettruhe, viel trinken und womöglich fiebersenkende Mittel könne man ohnehin nicht viel tun.

Die meisten Erkrankten waren nicht geimpft

In diesem Jahr kommt noch der Fall hinzu, dass rund 80 Prozent der für die Grippe verantwortlichen Erreger Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie sind. Gegen diese Viren ist der Dreifachimpfstoff, der von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird, wirkungslos. Hier hilft nur die Vierfachimpfung. „Die meisten Erkrankten, die uns gemeldet wurden, sind allerdings Personen, die überhaupt nicht geimpft wurden“, sagt Tenhaken. Außerdem seien die meisten Erkrankten älter als 55 Jahre. Doch auch bei dieser Zahl heißt es, vorsichtig zu sein: Die meisten Fälle werden nicht gemeldet. (Weiterlesen: Grippeimpfstoff deckt nur noch knapp ein Drittel der Viren ab)

Viele Fälle in den Kitas

Um zum Beispiel einen Überblick zu haben, wie viele Kinder an der Influenza erkrankt sind, gibt es ein landesweites Beobachtungssystem: Jede Woche werden bestimmte Kindertagesstätten nach Fällen von akuten Atemwegserkrankungen befragt. Diese Daten werden dann auf Landkreisebene heruntergebrochen. Ergebnis: Derzeit ist eine „sehr hohe Aktivität“ von diesen sogenannten „akuten respiratorischen Erkrankungen“, zu denen eben die Grippe gehört, in den Kitas zu verzeichnen. „In der vergangenen Woche gab es hier noch einen leichten Anstieg, wir hoffen aber, nun die Spitze erreicht zu haben“, so Tenhaken weiter.

Impfung gut verträglich

Generell gebe es übrigens keinen Grund, sein Kind nicht gegen Grippe zu impfen – die Impfung sei gut verträglich, und das Land Niedersachsen empfehle daher eine Influenza-Impfung für alle Personengruppen und gehe damit sogar über die offizielle Empfehlung der Ständigen Impfkommission hinaus. Der Grund, dass Kinder meistens nicht gegen Grippe geimpft werden, liegt vielmehr darin, dass sie die Krankheit üblicherweise gut verkraften – im Gegensatz zu älteren Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem.

So sind auch in Stadt und Landkreis Osnabrück derzeit zwei Todesfälle registriert worden, bei denen die Influenza zumindest beteiligt war. „Grippe kann bei älteren Menschen leider tödlich ausgehen“, sagt Tenhaken. Und oft sei es zu viel für das Immunsystem, wenn zum Beispiel zu einer Lungenentzündung auch noch eine Influenza hinzukäme.