Waldbisons gelten als gefährdet Osnabrück ist Sitz des Deutschen Bisonzuchtverbandes

Von Harald Preuin

Winnetou und Eliza beim Fototermin mit Zooinspektor Hans-Jürgen Schröder und Tierpflegerin Tanja Boss. Foto: Harald PreuinWinnetou und Eliza beim Fototermin mit Zooinspektor Hans-Jürgen Schröder und Tierpflegerin Tanja Boss. Foto: Harald Preuin

Osnabrück. Winnetou, Eliza und Notschutschi verkörpern eine Tierart aus Nordamerika und Kanada, die als potenziell gefährdet gilt. Es sind Waldbisons, die 2017 im Zoo am Schölerberg eine neue Heimat gefunden haben. Mit dem Bullen Winnetou und den beiden Färsen Eliza und Nscho-tschi soll eine Zuchtgruppe aufgebaut werden, die den Bisonbestand in europäischen Zoos erweitern soll.

Zooinspektor Hans-Jürgen Schröder (63) sind die dunkelbraunen Großtiere ans Herz gewachsen. Vor 35 Jahren konnte er solchen Bisons erstmals direkt in die Augen sehen. Das war bei seinem einjährigen Studienaufenthalt in den USA. Der führte den damals 28-Jährigen auch in einen Safaripark mit nordamerikanischen Tierarten. In der Heimat der Dakota-Indianer, die sich traditionell von den Bisonherden ernährten, lernte er die Präriebisons und eben auch die Waldbisons näher kennen, die bis 1960 als ausgestorben galten. Heute leben wieder etwa 3000 Waldbisons in nordamerikanischen Nationalparks.

Eine Tonne Gewicht

Die emotionale Nähe Schröders zu den Bisons endet auf dem Schölerberg allerdings an Elektrozaun und dem stabilen Metallgatter. Das weiche lockere Fell, das an Kopf und Vorderkörper bis zu 50 Zentimeter lang wird, verlockt geradezu, die Tiere zu streicheln. Schröder: „Das mögen sie aber gar nicht“. Also belässt er es, sich die Hand von der rauen Zunge lecken zu lassen. „Man weiß nicht, was in deren Köpfen vor sich geht“, sagt Schröder. Gutmütigkeit kann sich in Sekunden in Aggression verwandeln. Da die Tiere bis zu 50 Kilometer pro Stunde schnell werden, kann ein Bulle mit fast einer Tonne Gewicht schnell zur tödlichen Gefahr werden.

Zucht auf eigenem Hof

Sicherheit geht vor. Hans-Jürgen Schröder ist seit 31 Jahren im Osnabrücker Zoo tätig. Erst 2017 fiel hier die Entscheidung, eine Bisongruppe in der nordamerikanischen Tierwelt „Manitoba“ aufzubauen. Dafür waren Schröders Erfahrungen und Kontakte hilfreich. Denn der Zooinspektor züchtet seit Jahren auf seinem Hof in Meinsen Waldbisons. Heute beschränkt sich die Herde auf fünf Tiere. Der Grund steckt im Veterinärrecht, dem auch landwirtschaftliche Wildtierhalter unterworfen sind. Es fordert jährliche Blutuntersuchungen. Die aber, so Schröder, sind bei Bisons aufwendig und sehr gefährlich.

Zwangsstand erworben

Auch die Zoobisons werden jährlich auf vier Krankheiten untersucht. Man könnte das Blut entnehmen, wenn die Tiere „chemisch immobilisiert“, also betäubt worden sind, erklärt Schröder, doch dieses Verfahren beinhalte Restrisiken. Deshalb hat sich der Zoo für den Erwerb eines sogenannten Zwangsstandes entschieden, der einmal im Jahr eingesetzt wird.

800 Quadratmeter großes Areal

Auf dem Schölerberg haben die Bisons ein 800 Quadratmeter großes Areal in der Manitoba-Tierwelt für sich, die in diesem Jahr eröffnet wird. „Dann könnten wir zehn Tiere halten“, freut sich Schröder. Privat hat er knapp zwei Hektar für seine kleine Herde. Sie dient weniger der Zucht, sondern dem Fleischverkauf. Schlachtreif sind die Bullen nach zweieinhalb Jahren auf der Weide. Nur zwischen November und April wird Heu zugefüttert. Im Zoo gibt es für Winnetou, Eliza und Nscho-tschi ganzjährig Heu, das zugekauft wird.

Fettarmes Fleisch

Die Waldbisons liefern fettarmes Fleisch, das reich an Eiweiß, Eisen, Selen und Zink ist. Wachstumsstoffe, Hormone oder Antibiotika werden bei Bisonzüchtern nicht eingesetzt, sagt Schröder. Er muss es wissen, schließlich ist er Vorsitzender des Deutschen Bisonzuchtverbandes, der seinen Sitz übrigens in Osnabrück hat.

Verbindung mit einem russischen Zuchtverband

Nur eine Handvoll deutscher Zoos halten Waldbisons. Zwei Tiere kamen aus Hannover, eines aus Nordhorn nach Osnabrück. Der Zoo gehört zu einer Initiative, die nicht nur für andere Zoos Waldbisons züchtet, sondern auch in Verbindung mit einem russischen Zuchtverband steht, der in den Weiten Sibiriens Bisonherden ansiedeln will. Nach archäologischen Ausgrabungen gehen Wissenschaftler davon aus, dass in Urzeiten Bisons auch in Asien gelebt haben. Sie könnten die Vorfahren aller nordamerikanischen Bisons sein.