Ehemann springt für Erkrankte ein Umstrittene Referentin Bernstein ließ sich in Osnabrück vertreten

Von Susanne Haverkamp

Reiner Bernstein hält stellvertretend den Vortrag seiner Frau Judith Bernstein zum Thema: „Jerusalem - Das Herzstück des israelisch-palästinensischen Konflikts“. Foto: Swaantje HehmannReiner Bernstein hält stellvertretend den Vortrag seiner Frau Judith Bernstein zum Thema: „Jerusalem - Das Herzstück des israelisch-palästinensischen Konflikts“. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Wegen einer schweren Erkrankung musste Judith Bernstein ihren Vortrag in der Volkshochschule über die Rolle Jerusalems im israelisch-palästinensischen Konflikt absagen. Der gut besuchte Abend wurde dadurch ganz anders als geplant.

Ab fünf vor sechs mussten Stühle geschleppt werden, und als die Veranstaltung mit zehnminütiger Verspätung begann, war der Raum mit etwa 200 Zuhörern, die teils sogar stehen mussten, übervoll. Und sie mussten hören, dass sie in gewisser Weise umsonst gekommen waren: Die angekündigte Referentin Judith Bernstein ist schwer erkrankt und musste auf ärztlichen Rat hin auf Reisen verzichten. Als Ersatz sprang ihr Mann Reiner Bernstein ein – doch er konnte die Erwartungen nicht erfüllen.

Massive Angriffe im Internet

Zunächst aber erwartete die Zuhörer noch eine Überraschung: Bevor der Vortrag überhaupt begann, trat der Leiter der Volkshochschule Carl-Heinrich Bösling als Veranstalter des Abends ans Mikrofon. Sichtlich angeschlagen erzählte er von massiven Anfeindungen im Internet, die sich an der Einladung von Judith Bernstein entzündet hatten. Die Vorwürfe reichten bis zu der Behauptung, die VHS würde Referenten beschäftigen, die „einseitig und plump Israel dämonisieren und damit mindestens Antisemitismus schüren“.

Bösling wies diese Vorwürfe wortreich zurück, zitierte zahlreiche Veranstaltungen auch mit israelfreundlichen Referenten und lobte den Rückhalt, den die VHS Osnabrück für ihr kontroverses, aber ausgewogenes politisches Bildungsprogramm aus dem Rat der Stadt erhalte. „Das sieht in manch anderer Volkshochschule, beispielsweise in Düsseldorf und Neuss anders aus“, so Bösling. „Dort wird dem Druck, der von manchen Seiten ausgeübt wird, eher nachgegeben.“

Gute Gesprächskultur in der Friedensstadt

Auch Nazih Musharbash ergriff als Vorsitzender der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft und Mitveranstalter des Vortragsabends das Wort und betonte, er sei „stolz auf die lebendige Friedens- und Gesprächskultur in Osnabrück“; hier werde „sachlich und kontrovers diskutiert“. Dafür, dass mittlerweile „jegliche Kritik an Israels Regierung automatisch als antisemitisch eingestuft“ werde, fehle ihm jedes Verständnis.

Kritik am israelischen Umgang mit den Palästinensern übte zwar im Anschluss der Ersatzreferent Reiner Bernstein. Erheblich umfangreicher war hingegen das, was er über die Friedensbemühungen von ihm und seiner Frau berichtete, über Gespräche mit Israelis und Palästinensern, von Tagungen mit Friedensaktivisten aller Seiten, von Kontakten mit dem „Auswärtigen Amt“ und von Reisen durch die Region. Er hatte viel und viel Verschiedenes zu erzählen. Das angekündigte Thema, „Jerusalem - Das Herzstück des israelisch-palästinensischen Konflikts“, kam allerdings nur am Rande vor.