Gelungener Start mit Frank Schulz „Leserampe“ im Unikeller Osnabrück lockt viele Zuhörer an

Von Anne Reinert

Frank Schulz (rechts) war Harald Kellers erster Gast bei der „Leserampe“. Die Lesereihe findet künftig einmal im Monat im Gewölbe des Unikellers statt. Foto: Swaantje HehmannFrank Schulz (rechts) war Harald Kellers erster Gast bei der „Leserampe“. Die Lesereihe findet künftig einmal im Monat im Gewölbe des Unikellers statt. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Premiere gelungen: Im Osnabrücker Unikeller ist am Freitag die erste Ausgabe der Reihe „Leserampe“ über die Bühne gegangen. Erster Gast war Autor Frank Schulz.

Frank Schulz kann sich über manches von damals nur wundern. „Die Sorgen hätte ich gern wieder“, sagt er über seine Beiträge in der Humorzeitschrift „Kowalski“. 30 Jahre alt sind die inzwischen. Die Welt ist seitdem eine andere geworden.

Wobei der ein oder andere Text auch heute noch bestehen kann. Etwa der, in dem Schulz sich launisch darüber Gedanken macht, wie Gott vom patriarchalischen zum gleichberechtigt-geschlechtslosen Wesen umbenannt werden kann. Die Pampers-Werbung von damals dagegen dürfte so einigen jüngeren Zuhörern im Unikeller kein Begriff mehr sein.

Was aber auch egal ist. Denn mit Fug und Recht lässt sich über die erste Ausgabe der neuen Reihe „Leserampe“ sagen, dass sie lustig und unterhaltsam war. Und das nicht nur dank humorigem Blödsinn aus den 80ern.

Frank Schulz und Unikeller, das passt

Eigentlich will Veranstaltungsinitiator Harald Keller, selbst Autor, Journalist und Unidozent, eher unbekannten Kollegen eine Plattform bieten. Eine „Startrampe“ also. Die braucht Frank Schulz freilich nicht mehr. Der seit einiger Zeit in Osnabrück lebende Schriftsteller, der 40 Jahre in Hamburg gelebt hat, ist erfolgreich und dazu preisgekrönt. Als „eins der besten Debüts seit langem“ bezeichnete etwa „Die Zeit“ seinen Roman „Kolks blonde Bräute“ Anfang der 90er, dem ersten Band seiner „Hagener Trilogie“.

Aus seinem Erstlingsroman sowie dem dritten Band der Trilogie und aus „Onno Viets und der Irre vom Kiez“ las der Autor bei der „Leserampe“. Und es stellt sich heraus: Frank Schulz und Unikeller, das passt. Denn wo sonst sollte er eine bierselige Szene aus der Dorfkneipe in „Kolks blonde Bräute“ vortragen? Und wo sonst als in der Studentenkneipe ist ein Zusammenprall von Hartz-VI-Empfänger und Detektivdebütant Onno Viets und dem Bünabe, wie die bürgernahen Beamten in Hamburg bezeichnet werden, so schön?

Spaß macht es, da zuzuhören. Nicht zuletzt, weil Frank Schulz seine Figuren so schön Plattdeutsch, Schwäbisch, Hamburgisch und in perfektem griechischem Akzent sprechen lässt. 

Lesung mit Werkstattgespräch

Nur vorgetragen wird bei der monatlichen „Leserampe“ nicht. Jede Ausgabe startet mit einem Werkstattgespräch, das der hervorragend vorbereitete Harald Keller mit seinen Gästen führt. Schulz befragt er nach seinem Weg zum Autor. 

Eine frühe „Spielwiese“ war die Zeitschrift „Kowalski“, für die auch Harald Keller schrieb. Er und Schulz waren mit dem 2015 verstorbenen Harry Rowohlt befreundet. In Texten über ihn erinnerten die beiden an den legendären Übersetzer, Kolumnist, Schriftsteller und grandiosen Vorleser, von dem Harald Keller schon mal einen mahnenden Anruf bekam, wenn seine Rezensionen in der „taz“ nicht nach Rowohlts Geschmack ausgefallen waren.

Für die „Leserampe“ hätte Keller sicher keinen Anruf bekommen. Denn fest nach der Premiere: Ein solches Lesungsformat, das auch jüngere Leute anzieht, hat in Osnabrück bisher gefehlt. Das hat auch Beatrice le Coutre-Bick vom Literaturbüro Westniedersachsen schon erkannt, die die Reihe unterstützt.

 

Die nächste „Leserampe“ folgt am Freitag, 23. März, um 20 Uhr mit Heike Marie Fritsch und ihrem Debüt „Blindes Blut“; Eintritt frei.