Jahresempfang in Osnabrück Feuerwehrverbandschef warnt vor Gift in Schutzkleidung

Von Wilfried Hinrichs

Respekt für die Arbeit der Feuerwehrleute: Das brachten am Sonntag alle Redner beim Neujahrsempfang des Stadtfeuerwehrverbandes im Trainungszentrum am Limberg zum Ausdruck. Das Foto entstand in der Nacht der Bombenräumung in Atter am 20. Februar. Foto: Gert WestdörpRespekt für die Arbeit der Feuerwehrleute: Das brachten am Sonntag alle Redner beim Neujahrsempfang des Stadtfeuerwehrverbandes im Trainungszentrum am Limberg zum Ausdruck. Das Foto entstand in der Nacht der Bombenräumung in Atter am 20. Februar. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Rückendeckung für die Feuerwehr von allen Seiten: Beim Neujahrsempfang des Stadtfeuerwehrverbandes Osnabrück zollten alle Redner den Einsatzkräften höchsten Respekt. Die Einsatzkräfte brauchen aber auch besseren Schutz vor Giftstoffen, mahnte Verbandschef Michael Schürmann in seinem Schlusswort.

Kommunalberater Reinhart Richter, der zu Jahresbeginn eine Debatte über angeblich übertriebenen Brandschutz in Deutschland angezettelt hatte, war zum Empfang im Trainingshaus der Feuerwehr auf dem Limberg nicht geladen. Sein Appell, die Brandrisiken und den finanziellen Aufwand für die Feuerwehren neu zu überdenken, stand aber wie der sprichwörtliche Elefant mitten im Raum, und fast alle Redner nahmen dazu Stellung. Am deutlichsten Marius Keite (CDU), Vorsitzender des Ratsausschusses für Feuerwehr und Ordnung. „Die Diskussion ging völlig an der Sache vorbei“, sagte Keite. Er sei „sehr enttäuscht“ gewesen, als er einen Tag nach dem Sturm „Frederike“, als 350 Feuerwehrleute stundenlang ehrenamtlich im Einsatz gewesen waren, von den Ratschlägen des Kommunalberaters in der Zeitung habe lesen müssen. Er sei froh, so Keite, dass nach sechsjähriger intensiver Diskussion die zweite Feuerwache endlich gebaut und die Sicherheit für die Menschen in der Stadt verbessert werde.

Neubau für die Neustadt-Feuerwehr

Erleichtert zeigte sich Keite, dass die Freiwillige Feuerwehr Neustadt ein neues Gerätehaus für 2,3 Millionen Euro erhalten wird. Die Mitglieder hätten sich mit Geduld, Ruhe und Sachlichkeit für den Neubau eingesetzt. „Mit Nachdruck, aber nie laut fordernd“, so Keite.

Auch Bürgermeisterin Birgit Strangmann (Grüne) steht zum Beschluss des Rates, möglichst noch in diesem Jahr mit dem Bau der zweiten Wache der Berufsfeuerwehr an der Nordstraße zu beginnen, auch wenn die Grünen im Rat dem Elf-Millionen-Projekt skeptisch gegenüber standen. Strangmann würdigte die Arbeit der haupt- und ehrenamtlichen Feuerwehrleute , „die für uns alle die hochstmögliche Sicherheit schaffen“.

In den sieben Freiwilligen Feuerwehren dienen zurzeit 301 Männer und Frauen, wie Stadtbrandmeister Markus Bergen berichtete. Darüber hinaus sind 114 Jugendliche in Jugendfeuerwehren und 63 Kinder in den vier Kinderfeuerwehren aktiv.

Starker Rückhalt aus der Politik

Dietrich Bettenbrock, Chef der Berufsfeuerwehr, sagte, im vergangenen Jahr sei „ungewöhnlich viel bewegt“ worden. Er dankte für den „starken Rückhalt aus der Politik“ und den „sehr konstruktiven Dialog“ mit allen Parteien. Bewegend sei auch das Einsatzgeschehen gewesen, so Bettenbrock. Die Feuerwehren wurden deutlich häufiger gebraucht als im Vorjahr: 1035 Brandeinsätze, 145 mehr als im Vorjahr, 2968 Hilfeleistungen (plus 218) und 45500 Rettungseinsätze und Krankentransporte (plus 4400). Besonders belastend sei für die Helfer ein Einsatz im Juni 2017 in der Großen Straße gewesen, wo sich ein Mann öffentlich selbst verbrannte.

Bombenräumung

Michael Schürmann, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes, lobte die gute Zusammenarbeit mit der Polizei und allen anderen Hilfsorganisationen. Das habe sich gerade erst während der doppelten Bombenräumung in der Gartlage und in Atter gezeigt, als 600 Kräfte im Einsatz waren – 80 Prozent davon ehrenamtlich. „Das klappt super, wir stehen zusammen wir eine Wand“, sagte Schürmann.

Der Verbandschef lenkte den Blick auf ein Problem, das seiner Ansicht nach unterschätzt wird: Feuerwehrleute sind im Einsatz Giften ausgesetzt, die sich in ihrer Schutzkleidung festsetzt. Die Gefahr sei groß, dass Feuerwehrleute dadurch mit krebserregenden Stoffen in Berührung kommen, sagte Schürmann. Deshalb sollte die Möglichkeit geschaffen werden, dass sich Feuerwehrleute am Einsatzort umziehen können und die verunreinigte Schutzkleidung von der Privatkleidung getrennt bleibe.

Polizeidirektor Bernhard Witthaut verneigte sich verbal vor den Feuerwehrleuten: „Ich habe Respekt vor Euch.“ Er nannte es „überhaupt nicht akzeptabel“, dass Helfer im Einsatz von pöbelnden Menschen angegriffen werden. Regierungsbrandmeister Frank Knöbler, der Ende März aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurücktreten wird, gab der Politik und dem Feuerwehrverband mit auf den Weg, die Arbeit der Führungskräfte mit mehr Wertschätzung zu begegnen und deren Ausbildung größere Aufmerksamkeit zu schenken.

Der Neujahrsempfang des Stadtfeuerwehrverbandes war ursprünglich im Januar geplant, musste aber abgesagt werden, weil sich kein Sponsor fand. Osnabrücker Gastronomen sprangen dann als Sponsoren ein.