Fröhliche Flöten zum Feste Folkrock-Band Schandmaul feiert Jubiläum im Hyde Park

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Osnabrück. Für mittelalterlich angehauchte Partystimmung sorgten die sechs Münchner Folkrocker von „Schandmaul“ am Freitagabend im gut gefüllten Hyde Park.

Einen Anlass zum Feiern gab es dabei allemal, denn die Chartsstürmer blicken in diesem Jahr auf 20 Jahre Bandgeschichte zurück. Angeheizt durch den über einen Facebook-Aufruf rekrutierten lokalen Support-Act Mythemia begann der rund zweistündige Ritt durch das nach eigenen Angaben „vielleicht Beste“ aus zwei Jahrzehnten, zurückreichend bis zum allerersten Lied „Teufelsweib“, mit Donnerhall, Gewitterblitzen und dem „Herr der Ringe“-Tribut „Vor der Schlacht“.

Nicht immer drang die Stimme von Sänger, Gitarrist und Frontmann Thomas Lindner richtig gut durch. Ausnahmen bildeten die Geschichte von der „goldenen Kette“ mit ihrem sanft wogenden Refrain und die anrührende Ballade „Euch zum Geleit“, deren Text auf der Grundlage eines Briefes einer älteren Dame im Angesicht ihres Todes verfasst wurde. Politisch wurde es gar, als in Form von „Bunt und nicht braun“ ein Plädoyer für gesellschaftliche Vielfalt entzündet wurde, das seine Zielgruppe allerdings verfehlte: „Die kommen nicht auf unsere Konzerte“ bedauerte der engagierte Schandmaul-Chef nicht ernsthaft. Denn seiner Combo geht es vornehmlich darum, Spaß und gute Laune zu verbreiten.

Das gelang mit Trinkliedern wie „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“, aber auch und vor allem durch die stets fröhlich flötende Birgit Muggenthaler-Schmack, deren Instrumentarium sich von der Rausch- und Schäferpfeife über die Schalmei bis hin zum Dudelsack erstreckte. Aber auch die als Ersatz für die jüngst ausgestiegene Anna Katharina Kränzlein eingesprungene und ganz im Gegensatz zum Frontmann sehr langhaarige Violinistin Ally „The Fiddle“ Storch prägte den überwiegend mehr poppigen als rockigen Folksound der Schandmäuler. Dass sie zwischendurch auch zur Drehleier griff, war eine der wenigen Referenzen ans Mittelalter, von dem sich die Band zumindest musikalisch entfernt zu haben scheint. Textlich werden nach wie vor märchen- und sagenhafte Geschichten gereicht wie etwa bei der melodieverliebten „Sigfrid Trilogie“, der treibenden „Mitgift“ oder der fröhlich hüpfenden „Walpurgisnacht“. Kompositorisch ist manches nah am Schlager, darunter auch das strahlende „Leuchtfeuer“, Titelstück des noch aktuellen Albums, das im vorletzten Jahr die Spitzenposition der Verkaufscharts erreicht hat und zu dem das Publikum im Hyde Park mit Armen und Händen Meereswellen simulierte.

Eines Lichtermeeres aus Feuerzeugen und Handy-Taschenlampen ansichtig wurde das Sextett zum fast schon kitschigen Liebeslied „Dein Anblick“, dessen Refrain am Ende nur noch der Fan-Chor sang. Zum Höhepunkt der Handvoll Zugaben geriet indes der mit einem vergleichsweise differenzierten Spannungsaufbau gesegnete „Feuertanz“, der auch optisch schön in Rotlicht-Szene gesetzt wurde und die beiden den Sänger flankierenden und musikalisch tragenden weiblichen Rollen an Fiddel und Flöten auch buchstäblich überhöhte. Geradezu romantisch entließen Schandmaul ihre Fans mit dem gesungenen Heiratsantrag „Willst Du“. Dazu erklangen feierlich letzte dunkle Bassflötentöne.


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