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25.02.2018, 09:05 Uhr KOMMENTAR ZUR LAGE DER HEBAMMEN

Es ist eine Schande, wie mit Hebammen umgegangen wird

Von Corinna Berghahn


Na, hoffentlich hat die Dame sich frühzeitig nach einer Hebamme umgeguckt. Foto: Colourbox.deNa, hoffentlich hat die Dame sich frühzeitig nach einer Hebamme umgeguckt. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Eine Osnabrücker Hebammenpraxis gibt auf. Nicht, weil es keine zu betreuenden Frauen gäbe, sondern weil die Rahmenbedingungen so schlecht sind. Eine Schande, findet unsere Kommentatorin.

Mögen die Bäuche auch runder werden, bei den Hebammen läuft es das schon lange nicht mehr. „Gehen Sie am besten schon bald nach dem positiven Schwangerschaftstest auf die Suche nach einer freiberuflichen Hebamme“, rät daher der Verein Motherhood werdenden Müttern. Denn nur so könne sicher sein, überhaupt während und vor allem nach der Schwangerschaft betreut zu werden.

Und das, obwohl jede gesetzlich versicherte Frau in Deutschland Hebammenhilfe in Anspruch nehmen darf. Doch es gibt immer weniger, die in diesem Berufsfeld freiberuflich arbeiten wollen. Und wer kann es ihnen auch verdenken, wenn rentables Arbeiten eigentlich nur möglich wäre, würden die Frauen 50 bis 60 Stunden die Woche arbeiten?

Hebammen geben auf

Die Konsequenz? Hebammen geben auf – so wie jetzt in Osnabrück. Geht es so weiter, werden immer mehr Kreißsäle geschlossen werden müssen, weil Hebammen fehlen. Einige Kliniken bieten Frauen sogar nur noch Kaiserschnittgeburten an, denn diese sind planbar, also nicht spontan und dauern meist einen gewissen Zeitraum und nicht mal eben mehrere Stunden. Familien werden nicht mehr betreut, und das gerade in der Zeit des Wochenbettes, wo junge Mütter und Väter jeden Rat zu Kind, Pflege und Babyblues gebrauchen können. Wie so etwas in Deutschland passieren kann, einem reichen Land, in dem die gesetzlichen Krankenkassen aktuell so viele Rücklagen wie lange nicht mehr haben, ist unbegreiflich. Und eine Schande.


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