Angeklagte zeigen keine Reue Urteil nach tödlichem Unfall in Osnabrück bestätigt

Von Julian Krauskopf

Die Unfallstelle im Osnabrücker Stadtteil Schinkel am Morgen nach dem Unfall. Foto: Archiv/Swaantje HehmannDie Unfallstelle im Osnabrücker Stadtteil Schinkel am Morgen nach dem Unfall. Foto: Archiv/Swaantje Hehmann

Osnabrück. Die juristische Aufarbeitung eines schweren Unfalls im Osnabrücker Stadtteil Schinkel ist abgeschlossen. Das Landgericht Osnabrück hat die Berufung der beiden Angeklagten gegen ein Urteil des Amtsgerichts verworfen. Am 18. September 2016 war eine junge Frau an der Kreuzung Tannenburgstraße/Heiligenweg tödlich verunglückt.

Die 27-jährige Frau war mit ihrem Renault Twingo in den Nachtstunden auf dem Heiligenweg in Richtung Belm unterwegs gewesen, als sie beim Kreuzen der Tannenburgstraße mit einem BMW zusammenstieß. Dessen Fahrer hatte zwar Vorfahrt, war aber deutlich zu schnell gefahren.

Das Landgericht hat jetzt das Urteil des Amtsgerichts Osnabrück gegen den 19-jährigen BMW-Fahrer bestätigt: Unter anderem wegen fahrlässiger Tötung muss er einen zweiwöchigen Dauerarrest absitzen und darüber hinaus 250 Sozialstunden ableisten. Sein Beifahrer muss 500 Euro Geldstrafe bezahlen. Für beide Angeklagte wurde Jugendstrafrecht angewendet.

„Verschulden erheblich“

„Es ist ein erhebliches Verschulden bei dem Angeklagten zu sehen“, stellte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung fest, „hätten Sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Kilometern pro Stunde gehalten, wäre der Unfall vermeidbar gewesen.“

Die Kammer folgte in ihrer Argumentation im wesentlichen der Urteilsbegründung des Amtsgerichts sowie den Erörterungen eines Sachverständigen. Dieser hatte in der Beweisaufnahme erneut dargestellt, dass der BMW des Angeklagten mit einer Geschwindigkeit von mindestens 75 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen sein musste.

Es sei zwar zu beachten, dass die Verstorbene die Vorfahrt des BMW missachtet habe, dennoch sei davon auszugehen, dass sie dessen Geschwindigkeit vollkommen falsch eingeschätzt habe. Wäre der BMW wie erlaubt nur höchstens 50 Kilometer pro Stunde gefahren, hätte sie die Kreuzung problemlos noch verlassen können, führte die Richterin weiter aus.

Unter anderem befragte das Gericht während der Berufungsverhandlung die Schwester der Verstorbenen. Diese hatte kurz vor dem Unfall noch im Auto gesessen, war dann aber etwa 200 Meter von der Unfallstelle entfernt abgesetzt worden. Im Vordergrund stand die Frage, ob das Licht des Twingos angeschaltet gewesen war. „Das Licht war an, das weiß ich noch genau“, sagte sie nun aus, „etwas später habe ich noch den Knall gehört.“ Sowohl beim Autofahren als auch generell sei ihre Schwester ein sehr vorsichtiger und umsichtiger Mensch gewesen.

Falschaussage

Neben dem eigentlichen Unfallhergang wurde auch das Nachtatverhalten der beiden Angeklagten beleuchtet. Vorwürfe der falschen Verdächtigung, der versuchten Strafvereitelung und des Vortäuschens einer Straftat rührten daher, dass die beiden aus Bulgarien stammenden Männer den Polizeibeamten am Unfallort gegenüber falsche Angaben darüber gemacht hatten, wer von beiden am Steuer gesessen hatte. Das Motiv dafür konnte nicht geklärt werden.

Der Verteidiger des Beifahrers plädierte im Hinblick auf diese Anklagepunkte auf Freispruch. Es habe sich um ein Missverständnis aufgrund von Sprachproblemen gehandelt. Für das Gericht stand schließlich aber fest, dass „Gründe für eine Verwechslung und ein Missverständnis seitens der Polizeibeamten schlicht nicht ersichtlich“ seien.

„Geradezu entsetzt“ zeigte sich insbesondere der Staatsanwalt darüber, dass beide Männer unmittelbar nach dem Unfall dem Opfer nicht halfen oder einen Notruf absetzten, sondern stattdessen Freunde und Familienmitglieder anriefen.

Auch eine Entschuldigung an die Adresse der Eltern oder irgendein Anzeichen von Reue habe es nicht gegeben. In der Tat wirkten beide Angeklagten während der Berufungsverhandlung relativ teilnahmslos und nutzten auch das einem Angeklagten grundsätzlich zustehende „letzte Wort“ nicht für eine nachträgliche Entschuldigung.

Das Urteil ist der Abschluss eines langwierigen Prozesses über zwei Instanzen, den die Eltern der Verstorbenen als Nebenkläger stets begleitet hatten. „Sie haben mit Ihrem Verhalten das Leben einer jungen Frau ausgelöscht, die ihr ganzes Leben noch vor sich hatte“, sagte die Richterin mit Nachdruck, „es ist dringend erforderlich, dass Sie Verantwortung übernehmen.“