1000 Plätze fehlen Betreuungsloch für Grundschulkinder bleibt ein Problem in Osnabrück

Von Sandra Dorn

Mehr als fünf Millionen Euro steckt die Stadt jetzt in den Umbau zweier weiterer Grundschulen. Für den Ganztag muss die Versorgung mit Mittagessen stehen – so wie in dieser Mensa einer Grundschule in Baden-Württemberg. Foto: imago/Horst RudelMehr als fünf Millionen Euro steckt die Stadt jetzt in den Umbau zweier weiterer Grundschulen. Für den Ganztag muss die Versorgung mit Mittagessen stehen – so wie in dieser Mensa einer Grundschule in Baden-Württemberg. Foto: imago/Horst Rudel

Osnabrück. Auch zum Beginn des Schuljahres 2018/19 werden viele Osnabrücker Erstklässler nachmittags in ein Betreuungsloch fallen. Nach wie vor gibt es in der Stadt zu wenige Ganztagsgrundschulen und zu wenige Hortplätze für Kinder, die im Kindergarten noch problemlos ganztägig betreut waren.

„An diesem Betreuungsloch hat sich eigentlich nichts dramatisch zum Positiven verändert“, sagt Helmut Tolsdorf, Leiter des Fachdienstes Kinder bei der Stadt. Zwar hat der Osnabrücker Rat im Januar dem Umbau der beiden Grundschulen Schölerberg sowie Albert-Schweitzer/Heilig-Geist zu Ganztagsschulen für mehr als fünf Millionen Euro zugestimmt, aber in der Zwischenzeit klafft immer noch eine große Lücke zwischen Angebot und Bedarf.

Bedarf: 80 Prozent – Angebot: 57 Prozent

Etwa 80 Prozent aller Kinder im letzten Kindergartenjahr seien in Osnabrück zurzeit bis etwa 15.30 Uhr betreut, erläutert Tolsdorf. Alle diese Mädchen und Jungen benötigen auch in der Grundschule eine Nachmittagsbetreuung – davon geht die Stadt grundsätzlich aus. Plätze gibt es aber nur für etwa 57 Prozent.

38,8 Prozent aller 5390 Grundschulkinder besuchen derzeit eine Ganztagsgrundschule, hinzu kommen noch etwa 1000 Hortplätze. Alle sind belegt, für alle gibt es Wartelisten.

Die Zahl der Hortplätze stagniert trotzdem. Dass die Stadt seit sechs Jahren ihr Hortangebot nicht weiter ausbaut, ist eine politische Entscheidung, die im Mai 2012 im Rat fiel. „Es wird darauf hingewirkt, dass der darüber hinausgehende Bedarf sukzessive über schulische Ganztagsangebote gedeckt wird“, hieß es in dem Beschluss. Doch die Schulen müssen sich selbst auf den Weg in den Ganztag machen – und nicht allen gefällt das. Zwingen kann die Stadt sie nicht. Ergebnis: Der Ausbau geht nur langsam voran..

Nur 8 von 26 Grundschulen sind Ganztagsschulen

Von den 26 Grundschulen in Osnabrück sind lediglich acht Ganztagsschulen. 2014 nahm der Rat sich noch vor, „mindestens jährlich eine Grundschule zu einer Ganztagsgrundschule mit ergänzendem Betreuungsangebot umzuwandeln“, wie es in dem Beschluss formuliert war. Aber reicht so eine Absichtsbekundung aus? Diese Frage werfen die Verantwortlichen aus der Verwaltung jetzt in einer ausführlichen Mitteilungsvorlage in den Raum. Den Sachstand bei den Ganztagsgrundschulen wollen sie am Mittwoch, 28. Februar, in einer gemeinsamen Sitzung von Schul- und Jugendhilfeausschuss im Ratssaal ab 17 Uhr vorstellen.

Die Umwandlung in eine Ganztagsschule bedeutet noch lange nicht, dass die Kinder dort automatisch den ganzen Tag betreut sind. Je nach Schule ist um 15 oder 15.30 Uhr Schluss, freitags sogar schon um 13 Uhr. Mehr als 71 Prozent der Kindergartenkinder im letzten Kita-Jahr sind jedoch länger als bis 15.30 Uhr im Kindergarten, das heißt, auch hier besteht Betreuungsbedarf, dasselbe gilt für die Ferien. Die Stadt schließt die Lücken mit sogenannten kooperativen Horten an den meisten Ganztagsschulstandorten. Dafür müssen die Eltern dann allerdings wieder Beiträge zahlen, während der Besuch der Ganztagsschule kostenlos ist.

1000 Plätze fehlen

Den Bedarf an Ganztagsplätzen beziffert Fachdienstleiter Tolsdorf mit rund 1000. Ab dem Schuljahr 2019/20 sollen die Grundschulen Hellern und Schölerberg Ganztagsschulen sein und 400 bis 500 weitere Plätze bieten. Dadurch werde sich die Situation „erheblich verbessern“, meint Tolsdorf. „Zwischen Voxtrup und Rosenplatz haben wir dann noch ein weiteres Quartier versorgt.“ Doch zu glauben, mit zwei weiteren Ganztagsschulen wäre der Bedarf dann gedeckt, wäre ein Trugschluss. Schließlich gibt es in Osnabrück Schuleinzugsbereiche. Die Ganztagsplätze müssen vor Ort zur Verfügung stehen. Tolsdorf: „In der Wüste ist keinem damit geholfen, wenn in Eversburg ein Ganztagsgrundschulplatz frei ist.“