Stressvermeidung als Programm Müder Auftritt von Vincent Pfäfflin im Rosenhof Foyer

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Die Ruhe selbst: 
              
              Vincent Pfäfflin vemied im Rosenhof Foyer jeden Stress. Foto: David EbenerDie Ruhe selbst: Vincent Pfäfflin vemied im Rosenhof Foyer jeden Stress. Foto: David Ebener

Osnabrück. Einen nur rund einstündigen, ambitionslosen und müden Auftritt legte der deutschamerikanische Komiker Vincent Pfäfflin im ausverkauften Rosenhof Foyer hin.

Dabei mag es zwar Methode sein, die Aufmerksamkeit des Publikums durch eine extrem verlangsamte, ja fast einschläfernde Diktion auf sich zu ziehen. Wenn aber im Unterschied etwa zum „Entdecker der Langsamkeit“ Rüdiger Hoffmann überraschende Wendungen und Pointen durchweg fehlen, bleibt nichts als Lethargie. Die allein lustig zu finden, ist indes kaum abendfüllend. Amüsiert haben sich Teile des Publikums nichtsdestotrotz, als der Enddreißiger mit seinerseits extrem gedrosseltem Tempo über verlangsamtes Internet, typisch deutsche „Brötchenbefummler“ oder Sinnsprüche auf „thematischen“ Yogi-Teebeutelschildern sinnierte. Möglicherweise wirkt es auf einige entspannend, jemanden auf der Bühne zu sehen, der das pure Gegenteil jeglicher Anspannung und Hektik, leider aber auch jedweder Ambition verkörpert – und sich vielleicht passenderweise lieber Vincent Valium nennen sollte.

Authentische Aussetzer

Denn Stressvermeidung ist im Kern das Programm des bekennenden Kiffers, der nach eigenem Bekunden aber „nicht mehr ganz so dicht“ ist. Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass er etwa das Pfandsystem als „stressiges Konzept“ empfindet, Sex als „anstrengend“ und Beziehungen als „nicht einfach“. So fragte er sich, warum er immer wieder an Schnarcherinnen gerät, kam aber nicht darauf, dass das vielleicht an der eigenen Schnarchnasigkeit liegen könnte. Toilettengänge von Zuschauern, die dafür über die Bühne gehen mussten, empfand der überentspannte Comedian bereits als „wild“ und „außer Kontrolle“. Seine zahlreichen Aussetzer zwischendurch waren zumindest gut gespielt – wenn sie denn gespielt waren. Denn Vincent Pfäfflins deprimierender Phlegmatismus wirkte durchaus authentisch. Und seine anfänglich vorgetragene Angst, das Publikum könne unzufrieden sein, erwies sich an keiner Stelle als unbegründet.


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