Deutlich zu wenig CO2 eingespart Region Osnabrück droht Klimaziel zu verpassen

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Osnabrück. Die Region Osnabrück droht ihre Klimaschutzziele zu verpassen. Nach der letzten CO2-Bilanz kommt die Stadt Osnabrück nur auf eine Einsparung von 27 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 und der Landkreis nur auf eine Einsparung von 22 Prozent gegenüber 1990. Somit muss die Region ihre Anstrengungen deutlich verstärken, um das Ziel zu erreichen, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 95 Prozent zu reduzieren.

Zu diesem Ziel hatten sich Stadt und Landkreis sowie der Kreis Steinfurt und die Stadt Rheine als Masterplanregion im Rahmen des Projekts „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ verpflichtet. Wegen der Gefahr, an den selbst gesteckten Zielen zu scheitern, fordert der Vorsitzende des KIimabeirats, Markus Große Ophoff, nun Stadt und Landkreis auf, besser zusammenzuarbeiten und auch stärker mit dem Kreis Steinfurt sowie der Stadt Rheine zu kooperieren: „Die Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis ist in diesem Bereich besonders wichtig. Dies betrifft insbesondere den öffentlichen Nahverkehr, der nicht an Gemeindegrenzen orientiert werden darf und den Ausbau der erneuerbaren Energien.“ In der Stadt würden sich nur noch wenige Windkraftstandorte finden. Diese sollten laut Große Ophoff durch Anlagen auf in den benachbarten Landkreisen ausgeglichen werden. Auch im Bereich der Gebäudesanierung sei es wichtig, an einem Strang zu ziehen. Handwerke, die die Maßnahmen umsetzen, würden sich auch nicht an Gemeindegrenzen orientieren — „die Kommunikation im Internet schon gar nicht“, fügt der Chef des Osnabrücker Klimabeirats hinzu. „Gerade die Informationsangebote sollten abgestimmt und gebündelt werden, um alle Menschen in der Region zu erreichen.“

Kein reduzierter CO2-Ausstoß gegenüber 1990 im Bereich Verkehr

Ein großes Potenzial sieht der Leiter des Zentrums für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zudem in der Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen im Bereich Verkehr, weil sich da nichts getan habe. „Ziel sollte es insbesondere sein, den Radverkehr und den ÖPNV deutlich attraktiver zu gestalten und so Verkehr zu vermeiden. Weiterhin sollte der verbleibende motorisierte Verkehr auf regenerative Energie, beispielsweise durch Elektromobile umgestellt werden.“

Die Stadt Osnabrück räumt ein, dass zu Beginn 2017 erst 91 reine Elektroautos in der Stadt angemeldet waren. Auch der Landkreis konstatiert, „im Bereich der Elektromobilität mit weniger als 200 angemeldeten Fahrzeugen weit hinter dem Zielpfad“ zurückzuliegen. Die Osnabrücker Managerin des Masterplans „100 Prozent Klimaschutz“, Birgit Rademacher, betont aber, dass Elektrofahrräder in der Stadt boomen. Daher sei es wichtig, Radschnellwege wie den zwischen Osnabrück und Belm zu schaffen, damit Pedelecs und E-Bikes zügig und sicher vorankommen können und auch ein sicheres Überholen möglich ist. So werde ein Umstieg von Pendlern vom Auto aufs Rad angestrebt. Um Elektro-Autos zu fördern, sei etwa eine Schnellladesäule errichtet, die Beschaffungsrichtlinie der Stadt angepasst und Car-Sharing mit E-Autos innerhalb der Stadtverwaltung ermöglicht worden. Auch kostenfreie Parkplätze und Ladestationen würden die Elektromobilität in der Stadt unterstützen. Darüber hinaus verwies Rademacher darauf, dass zusammen mit den Stadtwerken Osnabrück der Einsatz von 60 E-Bussen bis 2022 und die Schaffung der entsprechenden Infrastruktur forciert werden.

Forschungsprojekt zur Elektromobilität initiiert

Der Landkreis verweist darauf, dass die nächste Generation der E-Autos gerade erst auf den Markt kommen. Mit Reichweiten von bis zu 300 Kilometern oder mehr werden sich die Vorteile der Technologie laut Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff nach und nach durchsetzen. Der Landkreis habe ein eigenes Forschungsprojekt zum Thema initiiert, aus dem gerade Projekte abgeleitet werden. So arbeite man an einer Informationskampagne für Autokäufer, der Vorstellung von Best-Practice-Beispielen in den Kommunen und bei großen Arbeitgebern.

„Motivation der Unternehmen zu Effizienzsteigerungen gestaltet sich schwierig“

In Osnabrück muss der Anteil erneuerbarer Energien laut Rademacher deutlich gesteigert und die Energieeffizienz deutlich verbessert werden. Dabei kritisiert die Masterplan-Managerin, dass sich die Motivation der Wirtschaftsunternehmen zu Effizienzsteigerungen „schwierig gestaltet“. Sie bemängelt, dass nur wenige Osnabrücker Unternehmen sich am Projekt zur besseren Energie- und Kosteneffizienz „Ökoprofit“ beteiligen. Auch die Teilnahme am regionalen Netzwerk für Energieeffizienz der IHK sei gering. Das bedeute aber nicht, dass die Firmen sich nicht mit Fragen der Effizienz und Erneuerbaren Energien auseinandersetzen und in ihren Betrieben nach Lösungen suchen. Rademacher stellt fest: „Die hauptsächlichen Effizienzpotentiale liegen im Sektor der Wirtschaft sowie im Sektor Gebäude — durch Sanierungen von Bestandsgebäuden.“

Zum Gesamt-CO²-Ausstoß trägt die Wirtschaft 41 Prozent bei

Zum Gesamt-CO²-Ausstoß trägt die Wirtschaft laut Rademacher mit einem Anteil von knapp 41 Prozent bei. So ist bekannt, dass das Stahlwerk Georgsmarienhütte in einem Jahr genauso viel Strom verbraucht wie die gesamte Stadt Osnabrück. Auch die Hälfte der industriellen Abwärme im Osnabrücker Land stammt vom Stahlwerk. Zum Vergleich: Der Verkehr in der Stadt Osnabrück ist nach Angaben von Rademacher mit 29,5 Prozent, die Haushalte mit 28 Prozent, die kommunalen Gebäude und Infrastruktur mit 1,8 Prozent am Gesamt-CO2-Ausstoß beteiligt. Die meisten Potenziale zur Reduzierung der CO2-Emissionen mit einem entsprechenden Einflussbereich der Stadt sieht Rademacher in den Bereichen Mobilität und Gebäude — „hier insbesondere bei Senkung des Raumwärmebedarfs durch energetische Sanierung“, erläutert die Masterplan-Managerin. Um die Masterplanziele zu erreichen, müsse die jährliche Sanierungsrate verdreifacht werden. Durch Fotovoltaik könne bis 2050 auf allen gut geeigneten Dachflächen das Sechzehnfache der aktuell durch Fotovoltaik erzeugten Strommenge produziert werden: „Um diese Potenziale zu heben, ist eine Motivation der Stadtgesellschaft unerlässlich.“

Zur Zusammenarbeit mit dem Landkreis sagt Rademacher, „dass Maßnahmen in den kommunikativen Bereichen leichter umsetzbar sind als andere“. Der Radschnellweg von Osnabrück nach Belm zeige aber, dass es auch andere Projekte gebe, die bereits umgesetzt werden.

Landkreis: Wir können das Klimaschutzziel bis 2050 immer noch erreichen

Rademacher resümiert, dass die Stadt von 1990 bis 2014 insgesamt 27 Prozent gegenüber 1990 an CO2 eingespart hat und damit genau im bundesweiten Schnitt liegt. Die Masterplanziele bis zum Jahr 2014 seien aber insgesamt dennoch nicht erreicht worden. „Es ergibt sich zu den Masterplanzielen eine Abweichung von zwölf Prozent“, erklärt sie. Um die Ziele bis zum Jahr 2050 zu erreichen, müsse ab 2015 pro Jahr rund drei Prozent CO2 eingespart werden.

Landkreis-Sprecher Riepenhoff weist darauf hin, dass die letzte Bilanz, wonach der Landkreis auf eine CO2-Einsparung von nur 22 Prozent gegenüber 1990 kommt, von 2012 stammt. Eine aktuelle Bilanz soll in diesem Jahr erstellt werden. Weil Schlüsseltechnologien erst in der Entwicklung sind, ist Riepenhoff der Ansicht, dass es immer noch möglich ist, das Klimaschutzziel bis 2050 zu erreichen. Dabei hält er auch den Ausbau von Windenergie für sehr wichtig. Der Beitrag der Windenergie habe sich seit 2013 mehr als verdoppelt und solle weiter ansteigen.


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