Zu Gast im Osnabrücker Blue Note Bohém Ragtime Jazz Band spielt ein feines Konzert

Von Ralf Döring

Beschert einen feinen Abend im Blue Note: Die Bohém Ragtime Jazz Band aus Ungarn. Foto: Swaantje HehmannBeschert einen feinen Abend im Blue Note: Die Bohém Ragtime Jazz Band aus Ungarn. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Traditioneller Jazz ist unterschätzt – zumindest beim jüngeren Publikum. Das ältere hingegen erlebt mit der Bohém Ragtime Jazz Band aus Ungarn einen feinen Abend im Blue Note.

Ein Konzert des Park Lane Jazz Club im Blue Note erweckt in aller Regel nicht Eindruck, als solle hier etwas für den Hörernachwuchs getan werden. Hier geht‘s um traditionellen Jazz, ausgesprochen „Jatz“, mit Banjo und Tuba, Trompete, Posaune, Klarinette. Musik aus dem Museum? Aber nein. Weiterlesen: Engelbert Wrobel im Blue Note

Die ersten Kapitel der Jazzgeschichte

Die Bohém Ragtime Jazz Band aus Ungarn spielt die Stücke von damals, als Marching- und Dixiebands die ersten Kapitel der Jazzgeschichte schrieben. Klassiker wie „I‘m Confessin“, „Struttin‘ With Some Barbeque“ oder „Do You Know What It Means To Miss New Orleans“ spielt die Band mit bezaubernder Leichtigkeit. Wirklich verblüffend ist aber, wie die Band die klanglichen Möglichkeiten ausschöpft: Zwei Geigen (Tamás Ittzés und Lázár Miklós) verleihen dem Klang eine Portion Gipsy Swing und würzen mit einem Hauch ungarischer Folklore. Genauso prägend für den Klang ist aber die feine Kombination von Trompete (Jószef Lebanov), Posaune (Attila Korb) und Klarinette/Saxofon (Árpád Dennert). In Duke Ellingtons „Don‘t Get Around Much Anymore“ klingen die drei nach Big Band, an anderer Stelle nach klassischem Dixie – die Arrangeure Ittzés und Korb sind Meister ihres Fachs. Weiterlesen: Die Echoes of Swing

Der „Entertainer“ hat den Blues

Besonders liebevoll behandelt die Band dabei die Ragtimes, die einen gewichtigen Teil des Programms einnehmen – das Oktett trägt den Ragtime ja auch im Namen. Scott Joplins „Maple Leaf Rag“ wird zum schillernden Kaleidoskop, in dem József Török“ die Tuba mit einer Leichtigkeit spielt, als wär‘s eine Blockflöte. Der „Entertainer“ kommt mit schwerer Blues-Schlagseite daher, schwingt sich aber kurz vor Schluss zum quirligen Swing auf, und im „Tiger Rag“ bietet die Bohém Ragtime Jazz Band noch mal die ganze Palette ihrer klanglichen Raffinesse auf: Klassisches Geigenduo trifft vierstimmigen Choral, Geigenswing trifft filigrane Bläsersätze. Ittzés steuert an Klavier oder Geige feine Soli bei und am Mikro mitreißenden Gesang. Auch Korbs Soli am Kornett lassen sich hören, und Dennerts sanft swingenden Tenorsax-Soli sind ein eleganter Genuss. Ein feiner Abend, auch fürs jüngere Publikum.