Kabarett und Frei-Kölsch Jürgen Becker gastiert mit „Volksbegehren“ in der Lagerhalle

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Wissensvermittlung auf die lustige Art bietet Jürgen Becker bei seinem Auftritt in der Lagerhalle. Foto: Michael GründelWissensvermittlung auf die lustige Art bietet Jürgen Becker bei seinem Auftritt in der Lagerhalle. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Kölner Kabarettist gastierte einmal mehr in der Lagerhalle, in der die „Die Kulturgeschichte der Fortpflanzung“ auf dem Stundenplan stand.

Die aktuelle Politik wird nur am Rande behandelt. „Jetzt hat die CDU eine Generalsekretärin aus dem Saarland. Wissen sie, aus dieser Ecke kommen auch Oskar Lafontaine und Erich Honecker“, sagt Jürgen Becker mit bedeutungsvollem Gesichtsausdruck. Durch die Erwähnung von Annegret Kramp-Karrenbauers Herkunft flechtet er ein bisschen Tagespolitik in sein Programm ein. Die Bemerkung, dass man die CDU nur durch Tod oder das Schreiben einer Doktorarbeit verlassen kann, ist da schon ein bisschen älter. Aber in dem Programm „Volksbegehren – Die Kulturgeschichte der Fortpflanzung“ geht es ja auch nicht vorrangig um Politik, sondern hauptsächlich um Sex, um Erotik - und um Religion.

Seit 2016 ist Becker mit dem Programm in Deutschland unterwegs. Als es noch ganz frisch war, stellte der Kölner Kabarettist es bereits in der Lagerhalle vor. Schon damals waren die Zuschauer begeistert von seiner Lehrstunde in Sachen Fortpflanzung. Mithilfe von Abbildungen, die er auf eine Leinwand projiziert, verdeutlicht er die Beziehung zwischen Sex, Biologie, Psychologie, Religion und Konsum. Da zeigt er Beispiele für die Folgen von Lust und Begierde in der griechischen Mythologie, er beweist mit Rubens barocken Frauen, dass unser heutiges Schönheitsideal ein anderes ist, und er demonstriert anhand von Wahlplakaten, dass das Prinzip „Sex sells“ sogar von Politikern praktiziert wird.

Von der Erbsünde über die Urzeit bis hin zu heutigen Perversionen und Obsessionen führen seine Ausführungen, die er im Stil einer Schulstunde vorträgt. „Das ist Schule, wie ich sie mir früher gewünscht hätte“, hat das ehemalige 3 Gestirn Köln einmal gesagt. Wissensvermittlung auf lustige Art ist das, die gerne mal unter die Gürtellinie geht. Und an manchen Stellen kann sich die rheinische Frohnatur einen Seitenhieb auf Politiker dann doch nicht verkneifen: „Ein türkischer Politiker hat gefordert, Frauen das Lachen zu verbieten, weil das sexuell stimulierend wirken könnte“, sagt Becker. Bevor es zu solch einer Vorschrift käme, solle man aber dafür sorgen, dass keine Witzfigur das Land regiere. Auch wenn der Kabarettist damit die Person Erdoğans verharmlost, untermauert er die Zielrichtung seines Programms: Sein verbaler Feldzug richtet sich gegen Einschränkung von Freiheiten, beispielsweise durch die Kirche, gegen Fremdenhass und Diskriminierung. Schließlich kommt, was kommen muss: Freibier. Nein, Frei-Kölsch. Traditionell lädt Jürgen Becker seine Fans nach dem Auftritt zu einem Fläschchen Bier aus seiner Heimat ein.


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