Kaffeeklatsch mit Katze Tiercafés – ein Trend schwappt nach Deutschland

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St. Petersburg/Bielefeld. Eine Katze auf dem Kaffeetisch? Was vor wenigen Jahren noch für empörte Anrufe beim Gesundheitsamt gesorgt hätte, ist mittlerweile ein echter Publikumsmagnet. In Deutschland eröffnen mehr und mehr Katzencafés.

Wundgelaufene Füße von Stadtbummel und Sightseeing, eiskalte Hände von der schneidenden russischen Winterluft, da ist der Wunsch nach einem Heißgetränk in gemütlicher Atmosphäre groß. Die Tür der „Cats Republic“ in der St. Petersburger Uliza Jakubovica im Admiralitätsviertel öffnet sich genau im richtigen Moment. Katzengleich hinein gehuscht befindet man sich in Russlands und Europas erstem Katzencafé.

„Bitte mit diesem Katzen-Visum in die „Cats Republic“ einchecken“, weisen die jungen Damen des Café-Teams hin. In einen kleinen Ausweis trägt man Name, Herkunftsland, sowie Alter in Katzenjahren (d.h. geteilt durch sieben) ein. Der Visa-Kontroll-Stempel wird hinein gedrückt, dann kann man Platz nehmen und aufwärmen. In zwei gemütlichen Räumen, die Wände bunt bemalt mit Katzenmotiven, tummeln sich Katzenfans aus aller Welt. Sie bestellen „Catuccino“ und „Cats-Cake“ und bezahlen anschließend anstatt mit russischen Rubeln, mit getauschten Katzentalern.

Alle halbe Stunde macht eine Mitarbeiterin einen Aufruf. Gäste die eben noch Kaffee schlürfend im Schaukelstuhl lehnten, streifen Plastikhüllen über ihre Schuhe und reihen sich in die Schlange vor dem Waschbecken ein. Hände waschen zum Schutz der Katzen, die man nun in einem separaten Teil des Cafés treffen kann. Wie im Märchen gelangt man durch einen begehbaren Holzschrank in die wahre Katzenrepublik, aber nur, wenn man dreimal laut „Miau“ gerufen hat.

Die Katze macht den ersten Schritt

Das runzlige Gesicht einer Nacktkatze blickt den ersten Besuchern entgegen, die nach und nach Bekanntschaft mit 27 weiteren Stubentigern aus 19 verschiedenen Rassen machen. Wichtigste Regel der Katzenrepublik: Nur die Katzen streicheln, die Interesse zeigen. Es gibt Katzenspielzeug, Kratzbäume, Kletterlandschaften, ja sogar Betten und Sofas in Katzengröße. Das Team der „Cats Republic“ informiert über den richtigen Umgang mit den Samtpfoten und berichtet über deren Herkunft und jeweilige Vorgeschichte. Die Begeisterung für Katzen hat in Russland eine lange Tradition. So ließ Zarin Elisabeth bereits 1745 zahlreiche Katzen an den Petersburger Hof bringen, um der Mäuseplage Herr zu werden. Bis heute haben Katzen deswegen lebenslanges Wohnrecht in den Gewölben des weltberühmten Eremitage-Palasts in St. Petersburg.

Auch in Japan und China ist die Katzenliebe groß. Nicht nur die winkende Glückskatze Maneki-neko und die „Hello Kitty“-Figur, sondern auch die Erfindung der Katzencafés stammt von hier. Das weltweit erste Katzencafé eröffnete 1988 in der Millionenstadt Taipeh in Taiwan. Aufgrund der beengten Wohnsituation in den Großstädten können viele Asiaten keine Haustiere halten und nehmen deswegen gerne den angebotenen Tierkontakt im Café an. Neben Katzen- haben sich Hunde-, Kaninchen-, oder Waschbärencafés, etabliert - sehr zum Missfallen von Tierschützern. Die Cafébetreiber argumentieren dagegen, Streuner und Tierheiminsassen aufzunehmen, über Tierarten aufzuklären und Tierschutzprojekte zu unterstützen.

Treffpunkt in Bielefeld

Wer gerne ein Katzencafé besuchen möchte, muss dafür inzwischen nicht mehr bis Asien oder Russland reisen. 2013 eröffnete in München das erste Katzencafé Deutschlands. Heute gibt es zehn an der Zahl, eines der jüngst eröffneten im ostwestfälischen Bielefeld. Hier laufen fünf anstatt 27 Stubentiger zwischen Besucher- und Stuhlbeinen. „In Deutschland sind höhere Auflagen sowohl im Bezug auf das Tierwohl als auch auf die Lebensmittelhygiene einzuhalten. Unser Café bietet nach Ausrechnung des Veterinäramts Platz für fünf Katzen“, erklärt Anja Krückemeyer, die das Bielefelder „Miezhaus“ Anfang September 2017 von Christian Schwarte übernahm. Er hatte das Katzencafé im Mai gegründet.

Schlendert man vom Bielefelder Oberntorwall in das „Miezhaus“ hinein, blicken einem hunderte Katzenaugen entgegen. Auch wenn man die eigentlichen Stars des Cafés, die echten Katzen, nicht direkt antrifft, haben Katzenfans ihre Freude an der gemütlichen Einrichtung mit Katzenbildern an den Wänden, Katzenbezügen auf Sitzbänken, Stühlen und Kissen, Katzen-Zeitschriften im Regal. In der Mitte des Cafés steht ein riesiger Kratzbaum, auf jedem Tisch die Hausregeln: „Wir müssen dich erst kennen lernen! Lass uns bitte erst an Deiner Hand schnuppern, dann darfst Du uns vielleicht streicheln“, lautet eine von ihnen.

Student Julian Zimmermann braucht die Regeln nicht mehr zu lesen, denn als Stammgast ist er beinahe jeden zweiten Tag im „Miezhaus“. „Ich liebe Katzen, kann derzeit aber leider selbst keine halten. So komme ich gerne hierher um in Gesellschaft der Tiere Kaffe zu trinken und am Computer zu arbeiten“. Julian kennt die Katzen inzwischen und die Katzen kennen ihn. Die getigerte Kalina, die sich nur von vertrauten Personen auf dem Arm nehmen lässt, kuschelt sich neben ihn auf das Sofa.

Heim für Straßenkatzen

Die fünf tierischen Miezhausbewohner sind Geschwister und stammen vom Katzenschutzverein Fellnasen e.V. aus Hannover, ein Verein, der sich hauptsächlich um Straßenkatzen kümmert. Die drei weißen Kater sind anhand ihrer Augenfarben zu unterscheiden. Kater Professor hat ein gelbes und ein blaues Auge und ist laut Miezhaus-Team der selbsternannte Chef des Lokals. Der verschmuste Waiki hat blaue Augen, der schüchterne Felix hingegen gelbe. „Ist viel Betrieb, liegt Felix am liebsten auf einem erhöhten Platz um die Gäste aus sicherer Entfernung zu beobachten“, erzählt Anja Krückemeyer während sie die gefleckte Katze Leo krault. „Leos Hinterbeine sind aufgrund einer Behinderung etwas länger, was sie nicht beeinträchtigt aber etwas tapselig aussehen lässt“.

Über eine Katzenklappe, sowie eine Treppe können die fünf Miezen stets ihren Privatraum mit Futterstellen und Katzenklo erreichen und sich somit vor den Gästen zurück ziehen. Diese hätten laut Miezhaus-Team, zumeist ein großes Herz für Tiere und somit Verständnis dafür, wenn sie im Katzencafé ausnahmsweise mal „tierisch leer ausgehen“. Sind die Stubentiger allerdings in Kuschel-Laune, sorgen sie für Freude, Entspannung und Stressabbau bei den Gästen. Ihr Schnurren soll laut wissenschaftlicher Studien sogar den Blutdruck senken, sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken.

Da im Miezhaus Tierschutz groß geschrieben wird, finden Gäste auf der Speisekarte Vegetarisches und Veganes: Suppen und Eintöpfe, Sandwiches sowie selbst gemachte Kuchen und Torten, plus „Specials“ wie im Winter den „Kätzchen-Punsch“. Einmal pro Monat findet ein „Katerfrühstück“ statt, das Nächste am Sonntag, 11. März, um 10:30 Uhr. Dazu gibt es die Lesung „Schlüsselreiz - Kater Socke ermittelt“ von Katzenkrimi-Autorin Heike Wolpert. Anmeldung unter 0521/94975839 oder info@katzencafe-miezhaus.de


Katzencafés in Deutschland

- in Bielefeld: Katzencafé Miezhaus (www.katzencafe-miezhaus.de)

- in Hannover: Stubentiger Café (www.stubentigercafe.de)

- in Bremen: Katzen-Café (www.katzen-café.de)

- in Hamburg, Nürnberg und München: Katzentempel   (www.katzentempel.de)

- in Köln: Cafe Schnurrke (www.cafeschnurrke.de)

- in Karlsruhe: Cats Café Karlsruhe (www.cafecatskralsruhe.eatbu.com)

- in Berlin: Pee Pee’s Katzencafé (www.peepeeskatzencafe.de), Barista Cats (www.katzencafe-berlin.de)

Tiercafés weltweit

Haus- und Wildtiere in Cafés zu halten sorgt für Faszination bei den Einen, aber auch für viel Kritik auf anderer Seite. In Tokio gibt es neben Katzen auch Hunde-, Kaninchen-, Igel-, Falken-, Pinguin- und Schlangen-Cafés. Im südkoreanischen Seoul kann man beim Kaffeeklatsch Waschbären streicheln, im „Little Zoo Café“ in Bangkok/Thailand zudem Füchse und Erdmännchen. Ein aus Japan imitiertes Eulen-Café namens „Annie the Owl“ rief in London starken Protest von Tierrechts-Aktivisten hervor. Im „Rat Cafe“ des San Francisco Dungeon streifen zahlreiche Nager umher damit die Besucher am eigenen Leib die Rattenplage der Stadt von Anfang des 20. Jahrhunderts erfahren können.

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