Wegen Einsturzgefahr gesperrt Lüstringer Sporthalle wird durch Neubau ersetzt

Von Wilfried Hinrichs


Osnabrück. In Osnabrück-Lüstringen entsteht eine neue Turnhalle für rund vier Millionen Euro. Sie wird die über 60 Jahre alte Sporthalle an der Waldschule ersetzen, die seit August 2017 wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt ist.

Die zuständigen Ratsausschüsse für Immobilien und Finanzen signalisierten am Dienstagabend volle Zustimmung zu dem Vorschlag der Bauverwaltung, den alten Bau abzureißen und durch eine Zweifeldhalle mit Tribüne zu ersetzen. Die Kosten werden auf 3,9 Millionen Euro geschätzt. Die günstigeren Varianten –eine Grundsanierung des Altbaus für 2,3 Millionen Euro oder der Neubau einer Einfeldhalle mit Mehrzweckraum für 2,8 Millionen Euro –würden die Probleme nicht lösen, so die Meinung aller Fraktionen.

Die alte Sporthalle diente dem Sportunterricht der Waldschule und der Bergschule sowie den Sportvereinen. Bei der routinemäßigen Kontrolle der Statik von Sporthallendächern im vergangenen Jahr stellten die Experten gravierende Verwerfungen im Tragwerk fest. Die Halle wurde wegen akuter Einsturzgefahr sofort gesperrt.

Bald mit Ganztagsbetrieb

Der Eigenbetrieb Immobilien schlägt den Neubau eine Zweifeldhalle nach dem Muster der Hallen in Voxtrup und Sutthausen vor. Drei Flächen standen den Kindern und Vereinssportlern in der Lüstringer Sporthalle zur Verfügung, die normale Sporthalle, ein Gymnastikraum und ein Ballettraum. Um den Grundbedarf der Schulen und Vereine zu erfüllen, würde eine Einfachhalle mit angegliedertem Gymnastikraum genügen. Allerdings könnten in dieser kleineren Halle einige Sportarten wie Handball, Fußball oder Hockey nicht regelkonform ausgeübt werden.

Wichtiger war den Politikern bei ihrer Entscheidung aber ein anderer Aspekt: Beide Schulen sollen in Ganztagsschulen umgewandelt werden, die für das nachmittägliche Sport-AG-Angebot Hallenkapazitäten brauchen. Um die große Halle „dann auch dauerhaft vollwertig nutzen zu können, ist der Bau einer kleinen Tribünenanlage trotz der Mehrkosten von rd. 400.000 Euro zwingend notwendig“, heißt es in der Vorlage für den Rat.

Zu wenig Hallenfläche

Auch nach dem Sportentwicklungsplan steht Lüstringen eine große Sporthalle zu. Wie der Eigenbetrieb Immobilien in der Ratsvorlage darlegt, herrscht in den östlichen Stadtteilen (Darum, Gretesch, Lüstringen, Voxtrup) rechnerisch schon heute ein Defizit an Hallenfläche von knapp 1800 Quadratmetern. Auch in den Nachbarstadtteilen fehlen insgesamt 2000 Quadratmeter überdachte Sportfläche.

Das Geld ist da

„Wir stehen hinter dem Vorschlag der Verwaltung“, sagte CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde in der Sitzung des Immobilienausschusses. Vor allem mit Blick auf die künftigen Ganztagsangebote sei eine Zweifeldhalle mit Tribüne nötig. Brickwedde mahnte: Wenn Lüstringen nun aufgrund der akuten Gefährdungslage in der Prioritätenliste an die Spitze rücke, dürfe das keine Folgen für die anderen Projekte haben. „In Nahne zum Beispiel“, sagte der CDU-Chef, „da haben wir mehrfach, auch in Bürgerforen, Abhilfe versprochen.“ Auf der Prioritätenliste standen bisher die Hallen der Franz-Hecker-Schule in Nahne, der Rosenplatzschule und der Diesterwegschule vorne. „Sie werden alle neu gemacht“, sicherte Finanzchef Thomas Fillep zu. Das Geld stehe dafür zur Verfügung.

Nicht das Geld, sondern die Herkunft des Geldes ist der einzige strittige Punkt in der politischen Debatte. CDU und SPD werfen sich beide in die Brust und reklamieren für sich, die Mittel für die Hallensanierungen an allen vier Standorten locker gemacht zu haben. Tatsache ist: 8,1 Millionen Euro fließen aus dem Bundestopf KIP II (Kommunalinvestitionsförderungsgesetz II) von 2015/16 über das Land an die Stadt Osnabrück. Im September vergangenen ging die SPD mit dem Vorschlag in die Öffentlichkeit, mit diesen KIP-Mitteln alle vier Krisen-Hallen zugleich zu sanieren oder neu zu bauen.

SPD-Fraktionschef Frank Henning wirft seinem CDU-Kollegen Fritz Brickwedde vor, sich „mit fremden Federn geschmückt“ zu haben. Brickwedde hatte in einer Pressemitteilung zuvor erklärt, die Hallensanierungen seien möglich, weil sich die CDU für eine Aufstockung der städtischen Schulinvestitionsmittel auf 80 Millionen Euro eingesetzt hatte. Diese Mittel stünden noch gar nicht zur Verfügung, weil der Haushalt noch nicht genehmigt sei, so Henning. „Das ist schon ein bisschen befremdlich und zeigt wenig Souveränität in der Sache“, sagte der SPD-Fraktionschef. Und weiter: „Bei dem Thema der Schul- und Sporthallensanierung ist eines doch viel wichtiger als persönliche Lobhudelei: Wir müssen gemeinsam – jenseits von Parteigrenzen – so schnell wie möglich den Investitionsstau abbauen und beste Lernbedingungen für unsere Kinder in Osnabrück schaffen.“