Baustopp im Landwehrviertel Bombensprengung in Osnabrück: Hat Sondierungsfirma geschlampt?

Von Sebastian Stricker und Volker Poerschke

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Der Bombenkrater im Landwehrviertel am Morgen nach der Sprengung. Nur anderthalb Meter tief soll der Blindgänger unter der Erde gelegen haben. Die Stadt prüft nun, warum er bei Sondierungen nicht entdeckt wurde. Foto: Jörn MartensDer Bombenkrater im Landwehrviertel am Morgen nach der Sprengung. Nur anderthalb Meter tief soll der Blindgänger unter der Erde gelegen haben. Die Stadt prüft nun, warum er bei Sondierungen nicht entdeckt wurde. Foto: Jörn Martens 

sst/vpo Osnabrück/Lotte. Nach der Sprengung einer zufällig entdeckten Weltkriegsbombe sind die Bauarbeiten im Osnabrücker Landwehrviertel am Dienstag vorläufig eingestellt worden. Neue Sondierungen sollen jetzt weitere böse Überraschungen verhindern. Denn auf das Ergebnis früherer Untersuchungen scheint kein Verlass.

Möglicherweise schlummern noch mehr gefährliche Blindgänger auf dem früheren Kasernengelände in Atter. „Wo eine Bombe ist, können auch zwei sein“, sagte Ordnungsamtsleiter Jürgen Wiethäuper am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. Bevor die Erschließung des größten Baugebiets der Stadt fortgesetzt werden könne, müsse Sicherheit darüber bestehen, dass Bagger beim Ausheben von Kanalschächten kein zweites Mal auf hochexplosive Sprengkörper stoßen. Dazu sollen bereits am Mittwoch weitere Prüfungen des Erdreichs durchgeführt werden.

Bombe lag dicht unter der Oberfläche

Gleichzeitig werde nach den Gründen dafür gesucht, warum der am Montag plötzlich aufgetauchte Blindgänger bei vorherigen Sondierungen unentdeckt blieb. Das fünf Zentner schwere Weltkriegsrelikt britischer Herkunft habe nur anderthalb Meter tief im Boden gelegen, erklärte Wiethäuper. „Das hätte man eigentlich mit jeder Technik erkennen müssen.“ Gemeinsam mit der zuständigen Fachfirma sollen die damaligen Befunde jetzt erneut ausgewertet werden. Danach stehe hoffentlich fest, wie es zu der Panne kommen konnte. „Alles andere wäre sehr beunruhigend. Man muss sich auf die Ergebnisse einer Sondierung verlassen können.“ Kein Verschulden trifft angeblich die Esos Energieservice Osnabrück GmbH als Grundstückseigentümerin. Für ihre Erschließungstochter erklärten die Stadtwerke am Dienstag auf Nachfrage, bei der Vorbereitung ihrer Baustelle im Landwehrviertel fehlerfrei vorgegangen zu sein.

Knapp an Katastrophe vorbeigeschrammt

Wiethäuper betonte, wie knapp Osnabrück an einer Katastrophe vorbeigeschrammt sei. „Es war großes Glück, dass die Bombe nicht detonierte, als der Baggerfahrer darauf gestoßen ist.“ Umso wütender zeigte sich der Ordnungsamtsleiter über das Verhalten von Bürgern, die sich am Montag trotz akuter Gefahrenlage der behördlich angeordneten Evakuierung widersetzten und so eine Bombenräumung bis tief in die Nacht hinauszögerten. Erst um 0.03 Uhr habe der Blindgänger gesprengt werden können – gut drei Stunden später als geplant.

Zwei Bombenräumungen an einem Tag in Osnabrück: Der Liveticker zum Nachlesen

Insgesamt seien 8000 Menschen in Atter, Eversburg und Büren aufgefordert gewesen, Wohnungen und Häuser im Radius von einem Kilometer um den Fundort zu verlassen. Wie so oft hätten viele von ihnen aber erst mühsam von der Notwendigkeit überzeugt werden müssen. Zudem sei es diesmal vorgekommen, dass besonders uneinsichtige Bewohner die Einsatzkräfte zu täuschen versuchten, indem sie immer wieder heimlich in ihre Wohnung zurückkehrten. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, empörte sich Wiethäuper und kündigte Konsequenzen an. Bei künftigen Evakuierungen sollen derartige Zuwiderhandlungen in Osnabrück ein hohes Bußgeld zur Folge haben. „Das muss kräftig ans Portemonnaie gehen, unter 100 Euro darf da nichts laufen.“ Das Rechtsamt sei bereits damit beauftragt, Möglichkeiten für eine solche Sanktion zu prüfen.

Bürgermeister von Lotte lobt Zusammenarbeit mit Osnabrück

Vollauf zufrieden mit der Evakuierung der 4450 Einwohner aus Büren äußerte sich am Dienstag Lottes Bürgermeister Rainer Lammers. „Im Großen und Ganzen hat das alles hervorragend geklappt“, sagte er unserer Redaktion. Die Informationen aus Osnabrück und die Zusammenarbeit über die Landesgrenze hinweg seien sehr gut gewesen. Kaum Verständnis hat Lammers für diejenigen, die sich nicht evakuieren lassen wollten. „Dass einige Wenige durch ihre Verweigerung die Sprengung der Bombe verzögert haben und damit all den Helfern und Einwohnern, insbesondere auch Alten, Kranken und Kindern eine unnötig lange Nacht beschert haben, ist unfassbar.“ Seines Wissens hätten die Bürener allerdings alle kooperiert. Das bestätigt auch Ulrich Zahn, Mitarbeiter des Ordnungsamts Lotte: „Wir konnten die Evakuierung bereits viel früher als die Kollegen aus Osnabrück abschließen.“ Daher denkt Lottes Bürgermeister auch nicht über ein Bußgeld für Verweigerer nach. „Bevor wir da mit Strafen drohen, setzen wir auf die Einsicht unserer Bürger“, bekräftigt Lammers.


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