Tag der Muttersprache Osnabrücker Lukas-Kita fördert sprachliche Vielfalt

Von Frederik Tebbe


Osnabrück . Die Muttersprache ist nicht nur ein Stück Heimat und Identität. Sie ist auch die Grundlage, auf der das Lernen weiterer Sprachen ermöglicht wird. Um das zweisprachige Aufwachsen von Kindern zu gewährleisten und wertzuschätzen, begeht die Lukas-Kindertagesstätte am Mittwoch den „Tag der Muttersprache“.

„Muttersprache ist ein warmes Gefühl. Heimat. Etwas, das uns Sicherheit gibt“, sagt Sprachförderkraft Manuela Lambers. Muttersprache sei etwas, das man nicht verlernen kann. Sie sei ein Stück Identität, die der Mensch schon vor seiner Geburt verinnerlicht. „Wir wissen aus der Entwicklungspsychologie, dass Kinder bereits im Mutterleib ihre Sprache hören, diesen Singsang, den jede Sprache inne hat. Muttersprache ist von Anfang an da.“

Aus diesem Grund initiieren Lambers und Kitaleiterin Marianne Fährmann an der Osnabrücker Lukas-Kindertagesstätte am Mittwoch erstmals den „internationalen Tag der Muttersprache“. Dazu ist ein Aktionsvormittag mit einem mehrsprachigen Vorleseangebot vorgesehen, bei dem sowohl Erzieher als auch Eltern eingeladen sind, Texte auf Deutsch aber auch in ihrer jeweiligen Muttersprache vorzutragen. Dieser Tag wird seit dem Jahr 2000 von der UNESCO zur Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt ausgerufen und in diesem Zeichen steht auch Lambers‘ Arbeit. Die Lukas-Kita ist eine von 25 Sprach-Kitas, die es in Osnabrück gibt.

Muttersprache als Fundament

„Unsere Aufgabe ist es, die Eltern zugezogener Familien zu ermutigen, zuhause ihre Muttersprache zu sprechen, während wir die Kinder in der deutschen Sprache stärken“, sagt Lambers. Früher sei es üblich gewesen, ihnen nahezulegen, zuhause mit den Kindern Deutsch zu sprechen. „Eltern, die selber in Sprachkursen sind, wollen das Gelernte natürlich auch ausprobieren. So sind sie aber nur ein unzureichendes Vorbild für die Kinder, da sie selbst noch nicht sicher in der Grammatik sind.“ Stattdessen schlägt die Sprachförderkraft vor, zuhause mit der Muttersprache ein Fundament zu legen: „Wenn Kinder darin gut beheimatet sind, dann lernen sie die deutsche Sprache ganz selbstverständlich.“ Voraussetzung dafür sei allerdings, dass sie sich in der Kita und mit Freunden mit deutscher Sprache umgeben. Auf dieser Basis sei es auch leichter, weitere Sprachen erlernen zu können.

Die Sprach-Kitas werden über das Bundesfamilienministerium finanziert und sind mit einer Sprachförderkraft wie Manuela Lambers besetzt. Die Kräfte bilden die Erzieher fort und unterstützen die Kinder in der Sprachentwicklung. „Noch vor einigen Jahren war es so, dass wir mit den Kindern einzelne Sprachtherapien außerhalb der Gruppe gemacht haben. Das war aber nicht sonderlich effektiv, weil damit Sondersituationen geschaffen wurden. Stattdessen wollen wir schauen, dass wir Sprachanlässe schaffen, damit Kinder die Sprache im Alltag üben können. Dass es zum Beispiel Bereiche in der Kita gibt, in denen sie sich miteinander unterhalten können.“

Willkommenskultur

Manuela Lambers gehe es dabei auch darum, den zugezogenen Familien ein positives Signal zu senden. „Wir wollen ihnen deutlich machen, was das für ein Schatz ist, zweisprachig aufwachsen zu können. Dass es schön ist, dass sie da sind.“ So sollen sich die Familien in der Kita willkommen und wertgeschätzt fühlen. „Die Arbeit einer Sprach-Kita macht genau diese Punkte aus: alltagsintegrierte Sprachförderung, Elternarbeit und Inklusion.“


Der Internationale Tag der Muttersprache wird seit dem 21. Februar 2000 jährlich von der UNESCO ausgerufen. Es geht dabei um die Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit. Hintergrund ist, dass etwa die Hälfte der 6000 weltweit gesprochenen Sprachen vor dem Aussterben bedroht ist. Sprache soll wieder als Kulturgut begriffen werden und es soll zum Gebrauch der Muttersprache angeregt werden.