Konzert der Freunde des Morgenland Festivals Deutsch-Arabisches Quartett verbindet Jazz und Orient

Von Ralf Döring


Osnabrück. Die „Gesellschaft der Freunde Morgenland Festival Osnabrück“ lädt traditionell im Winterhalbjahr zum Konzert. Diesmal wirbt ein spannendes Quartett für den Förderverein.

Der Dialog beginnt im Westen, am westlichsten aller Musikinstrumente: Florian Weber sitzt an der Orgel der Gymnasialkirche und fächert einen schillernden Vielklang auf. Da hinein mischt sich die Ney, die arabische Flöte, gespielt von Moslem Rahal, dem begnadeten syrischen Virtuosen, der seit Jahren zum festen Stamm des Morgenland Festivals Osnabrück gehört. Anna-Lena Schnabel fügt mit dem Altsaxofon eine dritte Stimme hinzu, die den Instrumentalklang des Jazz mit dem melodischen Vokabular des Orients mischt, und schließlich kommt der Gesang des libanesischen Sänger-Komponisten Rabih Lahoud dazu. Ein packender Dialog entspinnt sich, weil sich vier Menschen mit offenen Ohren und offenen Herzen begegnen. Weiterlesen: So begann das Morgenland Festival 2017

Die Töne zwischen den Tasten

Einmal im Winterhalbjahr lädt die „Gesellschaft der Freunde Morgenland Festival Osnabrück“ zum Konzert. Diesmal hat Festivalleiter Michael Dreyer noch einmal jenes Quartett zusammengestellt, das im vergangenen Jahr mit seiner spannenden Kombination aus Jazz und Orient das Festival eröffnet hat. Das funktioniert auch in der Wiederholung; in erster Linie gestalten Eigenkompositionen der vier Musiker den Dialog der Kulturen.

Der verlangt eine gewisse Rücksichtnahme. Die arabische Musik kennt Töne, die der Westen vergessen hat, weil der Tonvorrat auf das nivelliert hat, was die Tasten des Flügels im Altarraum der Kirche hergeben. Rahal und Lahoud, aber auch Saxofonistin Schnabel aber drücken sich gern in Tönen aus, die gewissermaßen zwischen den Tasten der Klaviatur liegen. Deshalb spielt Florian Weber –er nimmt nach wenigen Minuten seinen Platz am Flügel ein – offene Klänge, die dem Sänger und den beiden Bläsern ein größtmögliches Maß an melodischer Freiheit zugestehen. Weiterlesen: Interview mit Anna-Lena Schnabel

Boogie Woogie auf arabisch

Nun sind Weber und Schnabel ausgewiesene Jazzer, und das leben sie lustvoll aus. Etwa in Webers irrwitzig rasanten Bassformeln, die zur Grundlage einer Komposition mit dem Titel „Hold on“ werden: Das klingt, als würde er Boogie Woogie auf arabisch spielen. Kleiner Wermutstropfen dabei: Das hallige Kirchenschiff schluckt viel von Webers präziser Raserei. Besser fügt sich seine Komposition „Ambivalent“ in die Raumakustik: Das klingt, als hätte Debussy die „Mondschein“-Sonate neu komponiert, und darüber umschlingen sich die Melodien von Moslem Rahal an der Ney und Anna-Lena Schnabel an der Querflöte –Ost und West in schönster Eintracht. Rabih Lahoud spricht dazu, das gesprochene Wort wird zum Gesang, und das Ende greift im schönsten Zirkelschluss den Anfang wieder auf. Dabei lassen sich die vier Musiker viel Raum zur spontanen Interaktion, die geprägt ist vom gemeinsamen Ausdruckswillen und vom ungehemmten Energiefluss. Und das ist überaus faszinierend. Hoffentlich verbringt dieses Quartett noch viel Zeit miteinander.