BWL-Projekt der Hochschule Studenten forschen zu E-Mobilität im Raum Osnabrück

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Elektromobilität hat in Stadt und Landkreis Osnabrück großes Potenzial. Allerdings will bei der Umsetzung keiner so richtig den Anfang machen. Das haben BWL-Studenten der Hochschule Osnabrück bei der wissenschaftlichen Vorbereitung eines möglichen, regionalen „Masterplans E-Mobilität“ festgestellt.

Ein Semester lang forschten die Betriebswirte von morgen unter der Leitung von Professor Wolfgang Bode zum Osnabrücker Straßenverkehr von morgen. Ihre Aufgabe: auf die Region gemünzte Informationen und Daten über Elektromobilität zu sammeln und so aufzubereiten, dass sie von Politik und Verwaltung aufgegriffen werden könnten. Der Bedarf dafür scheint gegeben: In Umfragen fanden die Hochschulstudenten heraus, dass viele Menschen in Stadt und Landkreis sich vorstellen können, in Zukunft statt eines Verbrenners ein batteriebetriebenes Fahrzeug zu kaufen – vor allem E-Autos und E-Bikes.

Mangel an Vernetzung

Gleichzeitig gebe es jedoch weiterhin großen Informationsbedarf bei den Bürgern. Um E-Mobilität und damit verbundene, bestehende Angebote wie das Teilen von Elektroautos (E-Carsharing) in der Region bekannter zu machen, empfehlen die Studenten eine öffentliche Kommunikationskampagne. Auf übergeordneter Ebene fehle es dagegen an geeigneten Diskussionsplattformen. Ratsam sei deshalb ein Runder Tisch Elektromobilität, an dem Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft regelmäßig über ihre unterschiedlichen Sichtweisen und Ansprüche reden können. „Vernetzung ist wichtig“, sagt Dozent Thorsten Lewandowsky, „im Moment kocht jede Gruppe noch ihr eigenes Süppchen.“

Elektrische Müllabfuhr?

Beispiel Abfallentsorgung und Straßenreinigung: In diesem Bereich wäre schon bald mehr Elektromobilität möglich, meinen die Hochschulstudenten und verweisen auf Müllwagen mit Hybridmotor sowie batteriebetriebene Kehrmaschinen. Diese würden viel weniger Schadstoffe ausstoßen und Krach machen als Dieselfahrzeuge, seien im laufenden Betrieb mitunter auch deutlich wirtschaftlicher, allerdings – und das ist der große Nachteil – in der Anschaffung noch deutlich teurer. Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) und Abfallwirtschaftsgesellschaft Osnabrück (Awigo) als kommunale Entsorger sollten gleichwohl den „Markt beobachten und die Anschaffung elektrisch betriebener Abfallfahrzeuge in Betracht ziehen“, heißt es in einer Abschlusspräsentation des Semesterprojekts. Beim Kauf von E-Kehrmaschinen sei auch eine Kooperation mehrerer Gemeinden denkbar.

Ladestationen am Arbeitsplatz

Um etwa die E-Mobilität von Pendlern zu fördern, könnten Unternehmen in der Region nach Ansicht der BWL-Studenten dazu übergehen, Mitarbeitern das Aufladen von Stromfahrzeugen am Arbeitsplatz zu ermöglichen. Und auch in bestimmten Branchen wie ambulanter Pflege und Handwerk gebe es bei kluger Planung durchaus Möglichkeiten für den Einsatz elektrischer Fahrzeuge, meinen die Studenten. Skepsis schlug ihnen beim Thema E-Mobilität jedoch in der Transportbranche entgegen. Erst wenn etwa Diesel deutlich teurer und E-Lastwagen deutlich billiger würden, könnte sich der Einsatz emissionsfreier Nutzfahrzeuge in dieser Branche lohnen, erklärten ihnen die Osnabrücker Logistikdienstleister Hellmann, Koch und Meyer & Meyer.