Fachschaftstagung in Osnabrück Studenten diskutieren Reformpläne für Jurastudium

Von Julian Krauskopf

Das Jurastudium gilt in Deutschland teilweise als stark antiquiert. Wie es zeitgemäßer und besser gestaltet werden kann, diskutiert der Dachverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften in dieser Woche in Osnabrück. Foto: Colourbox.deDas Jurastudium gilt in Deutschland teilweise als stark antiquiert. Wie es zeitgemäßer und besser gestaltet werden kann, diskutiert der Dachverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften in dieser Woche in Osnabrück. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Jurastudenten aus ganz Deutschland diskutieren in dieser Woche in Osnabrück über eine geplante Reform des Jurastudiums. Die Justizminister wollen den Studiengang, der noch das Staatsexamen als Abschluss vorsieht, aufgrund bundesweit verschiedener Anforderungen und Schwerpunkte stärker vereinheitlichen. Kritiker fürchten dadurch einen Verlust von Wissenschaftlichkeit.

Unter dem Thema „Jurisprudenz im Wandel – Quo vadis?“ ist die Fachschaft Jura der Universität Osnabrück vom 23. bis 25. Februar 2018 Gastgeber einer Tagung des Bundesverbands rechtswissenschaftlicher Fachschaften. Er vertritt die hochschulpolitischen Interessen von mehr als 110.000 Jurastudenten in Deutschland. Beim Treffen in Osnabrück sollen Möglichkeiten beleuchtet werden, wie das teilweise als stark antiquiert geltende Jurastudium zeitgemäßer und besser gestaltet werden kann. Fragen und Antworten.

Wieso ist das Jurastudium bundesweit eigentlich so verschieden?

Je nach Universität werden im Jurastudium neben dem einheitlichen Pflichtstoff verschiedene Schwerpunkte angeboten, die gewählt werden können. So besteht in Osnabrück zum Beispiel die Möglichkeit, einen Schwerpunkt im Wirtschaftsstrafrecht zu belegen, während in Heidelberg unter anderem eine Vertiefung im Medizinrecht angeboten wird. Der Schwerpunkt im Studium dient der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit speziellen Rechtsgebieten. Viele angehende Juristen suchen sich gerade deswegen eine bestimmte Uni aus. Abgeschlossen wird der Schwerpunkt mit einer universitären Abschlussprüfung. Sie macht neben der sonst rein staatlich geregelten Prüfung momentan 30 Prozent der Gesamtexamensnote aus. Die Modalitäten unterscheiden sich hier: An einigen Unis muss eine Studienarbeit abgelegt werden (vergleichbar mit Bachelor- oder Masterarbeit), an anderen wiederum werden lediglich Klausuren geschrieben.

Und was ist das Problem?

Arbeitgeber im juristischen Bereich achten bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter sehr streng auf die Examensnote. Die Justizminister der Länder sind der Auffassung, dass die unterschiedlichen Schwerpunkte und verschiedenen Prüfungsmodalitäten eine bundesweite Vergleichbarkeit der Examensnote schwierig macht. So sei auch die Notenvergabe, die im Gegensatz zum sonstigen staatlichen Teil des Examens in den Händen der Universität liegt, nicht ausreichend kontrollier- und nachvollziehbar.

Was wollen die Justizminister reformieren?

Die Minister wollen den Universitäten ein Stück weit die Verantwortung für die Gesamtexamensnote entziehen und den Schwerpunktanteil zunächst auf 20 Prozent reduzieren. Auch sollen unabhängig vom Schwerpunkt die sonstigen Prüfungsmodalitäten beim staatlichen Teil bundesweit angepasst werden.

Und was sagen die Jurastudenten dazu?

Die Studentenvertretungen stellen sich strikt gegen die Herabwertung des Schwerpunktes. Ihrer Meinung nach ist es maßgeblich wichtig, sich wissenschaftlich mit dem Recht auseinanderzusetzen. Abseits des Schwerpunktes sei ein wissenschaftliches Arbeiten jedoch nur begrenzt möglich. Das Studium werde so immer mehr seinem eigenen Klischee gerecht, dass im Vordergrund lediglich das Auswendiglernen vorgesetzter Theorien steht, ohne dass sich ein weitergreifendes Verständnis entwickelt.

Gegen Reformen an sich stellt sich aber niemand. Auch die Jurastudenten sind sich einig, dass sich etwas ändern muss. So wird unter anderem die Regelstudienzeit infrage gestellt, die momentan neun Semester beträgt. Der Durchschnitt braucht aber mehr als elf Semester, um das Studium erfolgreich abzuschließen. Generell werde sich zu sehr vor sinnvollen Neuerungen verschlossen.