Versorgung und Begleitung Hospiz-Fachtagung: Der Wille des Patienten gilt bis zuletzt

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Winfried Hardinghaus, Sabine Weber und Wolfgang Putz auf dem Fachtag des Osnabrücker Hospiz- und Palliativstützpunktes. Foto: Michael GründelWinfried Hardinghaus, Sabine Weber und Wolfgang Putz auf dem Fachtag des Osnabrücker Hospiz- und Palliativstützpunktes. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Welche Rechte hat ein Patient am Ende seines Lebens? Worauf müssen diejenigen achten, die einen Schwerstkranken oder Sterbenden behandeln und pflegen? Diesen Fragen widmeten sich haupt- und ehrenamtliche Fachleute der Hospiz- und Palliativ-Versorgung aus Stadt und Landkreis bei einem spannenden Fachtag. Dabei wurde klar: Der Wille des Patienten ist zentral wichtig, seine Selbstbestimmung muss respektiert werden bis zuletzt.

In einem großen Netzwerk arbeiten in Stadt und Landkreis stationäre und ambulante Hospize, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Palliativstationen und Ärzte schon jetzt zusammen, um Schwerstkranke, Sterbende und deren Angehörigen gut zu versorgen. Darauf wies Sabine Weber, Vorsitzende des Vereins Osnabrücker Hospiz- und Palliativstützpunkt, der dieses Fachtreffen organisiert hatte, deutlich hin.

Einen Blick auf aktuelle politische Entwicklungen warf Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbandes und ärztlicher Leiter der Palliativstation am Marienhospital. Seine Analyse des neuen Koalitionsvertrags: Die Versorgung und Begleitung von schwerstkranken Menschen in Hospizen und Palliativeinrichtungen soll danach finanziell besser ausgestattet werden.

Wann gilt die Patientenverfügung?

Mit Wolfgang Putz, Rechtsanwalt für Medizinrecht und Dozent an der Universität München, hatte man für den Fachtag einen hochkarätigen Referenten eingeladen. Er sprach er über ethische und rechtliche Fragen bei der Formulierung einer Patientenverfügung und wie diese Verfügungen in der Praxis umgesetzt werden. Gleich zu Beginn machte der Experte klar, dass Patientenverfügungen tatsächlich nur in wenigen Fällen zum Tragen kommen. „Eine Patientenverfügung gilt nur dann, wenn der Patient dauerhaft nicht mehr selbst entscheiden kann“ betonte Wolfgang Putz. Dies ist zum Beispiel der Fall bei Patienten im lang anhaltenden Wachkoma und bei fortgeschrittener Demenz. In allen anderen Fällen, in denen der Patient seinen Willen noch mündlich äußern könne, müssten die Ärzte ihn danach fragen und auch bereit sein, mit ihm über das Sterben zu sprechen. Grundsätzlich gelte: „Das ärztliche Handeln ist begrenzt durch die persönlichen Auffassungen des Patienten über Lebensqualität und Lebenswert.“ Dem Willen des Patienten sei zu folgen.

Gespräche führen

„Ein Widerruf gegen seine Patientenverfügung, die man unterschrieben hat, ist auch mündlich möglich, bis zuletzt“ betonte der renommierte Jurist aus München. Wolle man also eine Behandlung, die man möglicherweise Jahre zuvor schriftlich ausgeschlossen hatte, in der konkreten Situation dann doch und äußere diesen Wunsch, so sei diesem zu folgen. Einen wichtigen Tipp für diejenigen, die eine solche Verfügung schon haben oder noch aufsetzen wollen, gab der Experte ebenfalls: „Seine Angehörigen sollte man einbinden in seine Entscheidungen.“ Dies biete die größte Sicherheit, dass die Patientenverfügung im Ernstfall umgesetzt werde. Denn: „Für die Angehörigen ist es oft schwierig, den Vater oder die Mutter, die Ehefrau oder den Ehemann sterben zu lassen.“ Habe es aber zuvor Gespräche gegeben, seien Angehörige auf diese Situation besser vorbereitet und wüssten um die Wünsche des Schwerkranken, wenn dieser nicht mehr in der Lage sei zu sprechen, so der Medizinjurist Wolfgang Putz.


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