Was Modellbau-Fans glücklich macht „Welt des Modellbaus XXL“ im Osnabrücker Autohaus Härtel

Von Markus Strothmann


Osnabrück. Mit elf Anlagen, etlichen Dioramen in fast allen Spurweiten, RC-Cars, ferngesteuerten Booten und mehr stieg am Sonntag im Autohaus Härtel die Ausstellung „Welt des Modellbaus XXL“ der Eisenbahnfreunde Osnabrück.

Echte Modelleisenbahner sind versessen auf Details. Eine Lok mit ein paar Waggons aufs Gleis setzen, Strom dran und Abfahrt: Das wäre viel zu einfach. Nein, es geht darum, die Wirklichkeit – oder einen kleinen Ausschnitt davon – möglichst genau abzubilden.

Da muss man für eine Bahn auf einem Miniatur-Fabrikgelände auch mal ein Kopfsteinpflaster von Hand legen, und zwar Steinchen für Steinchen. Oder einen Bürostuhl im Fingerhut-Format komplett selbst anfertigen. „Über 100 Einzelteile“, sagt Helmut Schmidt, der Schöpfer des Minimöbelstücks, „die Rollen sind beweglich, die Höhe ist einstellbar“. Er macht es vor, und es funktioniert tatsächlich. Die Vorrichtung ist allerdings so klein, dass sie mit bloßer Hand kaum zu bedienen ist.

„Welt des Modellbaus XXL“ im Osnabrücker Autohaus Härtel

Der Bürostuhl gehört zu Schmidts Modell des Klosterstollens in seiner Heimatstadt Barsinghausen, einer ehemaligen Steinkohlenzeche, die heute ein Besucherbergwerk ist. Auf Knopfdruck öffnet sich ein Tor, und eine kleine Grubenbahn kommt herausgefahren. Ein kleiner Bildschirm zeigt Szenen aus dem Besucherbergwerk. Die ganze Anlage im Maßstab 1:22,5 ist computergesteuert und passt zusammengepackt in den Kofferraum eines VW Caddy Maxi. „Zehn Jahre habe ich dafür schon gebraucht“, sagt der fast 70-Jährige. Modellbau ist sein Hobby, seit er als Erstklässler sein erstes Taschengeld in eine Laubsäge investierte.

Werkstatt für RC-Cars

Niederländische Modelleisenbahner aus Zwolle mit einer 25 Meter langen Anlage, eine große Straßenbahn komplett mit den dazugehörigen Wohngebäuden, zahlreiche Dioramen – für Eisenbahnfans gab es einiges zu sehen. Aber da hörte es noch längst nicht auf. Im Außenbereich drehten RC-Cars (ferngesteuerte Modellautos) mit Verbrennungsmotoren rasante Runden, die Mitglieder des Mini-Truck-Clubs (MTC) Osnabrück rangierten mit ihren ferngesteuerten Lkw im eigenen, großen Parcours. In einer weiteren Halle gab es eine mobile Werkstatt, damit RC-Car-Besitzer ihre Fahrzeuge gleich vor Ort warten konnten.

Darunter auch die Jungs vom RC Stuntman, einem Freundeskreis mit Liebe zum Modell-Motorsport: „Wir haben Cars, Copter, Boote, alles, was schnell ist und Spaß macht“, sagte Marco Weise. Kollege René Schnettler steuerte einen Nachbau des Filmroboters Wall-E über den Tisch – eine Spielerei zum reinen Zeitvertreib, wie er erklärt. Aber wie die detailverliebten Modelleisenbahner machen auch die RC-Car-Fans es sich nicht unnötig leicht. Der Freizeit-Wall-E ist nämlich kein Bausatzprodukt, sondern gefertigt aus handverlesenen Einzelteilen. „Der Unterbau ist aus China, der Körper war mal eine russische Spardose“, sagte Schnettler. „Es kommt noch ein stärkerer Motor rein, um ihn etwas schneller zu machen.“ Abrunden will er den kleinen Roboter noch mit „Angel Eyes“, Augen mit blauen Leuchtringen.

Eine Anlage kostet viele tausend Euro

Egal, in welcher Nische des Modellbaus die Fans unterwegs sind: Ganz billig ist das Hobby für keinen. „2500 bis 3500 Euro für eine Lok, 250 bis 300 für einen Waggon. So wie sie aus dem Laden kommen“, taxierte Jürgen Wiethäuper, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Osnabrück, die Ausstattung einer großen Bahn, die in kein Wohnzimmer passen würde. Da viele die Teile aber eben nicht so haben wollten, wie sie aus dem Laden kommen, müsse man für Modifikationen noch mal kräftige Aufschläge einplanen.

Die Modellarbeiten von Helmut Schmidt zeichnen sich durch Finesse bis ins kleinste Detail aus. Er fertigte beispielsweise einen Miniatur-Bürostuhl aus circa 100 Einzelteilen an. Foto: Michael Gründel

Nicht jedes Riesenprojekt war im Übrigen von Anfang an als solches gedacht. Aber wenn man einmal wirklich angefangen hat, ist das Aufhören nicht immer ganz leicht. Jürgen Wiethäuper und die Eisenbahnfreunde kennen das Phänomen nur zu gut: „Unsere Vereinsanlage ist mittlerweile stationär, der Transport ist einfach zu aufwendig geworden. Aber wir bauen schon was Kleineres“, so Wiethäuper. Das dauert natürlich auch wieder seine Zeit: „In zwei Jahren müssten wir so weit sein.“