Osnabrücker Kult-Eintopf Kalla Wefel klärt endgültig auf: Das sind Ramanken

Von Anne Reinert


Osnabrück. Ramankeneintopf ist eine Osnabrücker Spezialität. Aber was sind Ramanken?! Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Der Künstler Kalla Wefel hat den Meinungsstreit nun aufgegriffen – mit einer kulinarischen Kabarett-Veranstaltung in der Brasserie Saunus. Es gab, natürlich, Ramanken – und einen vermeintlich traditionellen Osnabrücker Nachtisch.

Erst mal sah es aber nach Fleisch aus: Mettwurst und Bauchspeck lag in den Töpfen, die die Mitarbeiter auf die Tische der Brasserie Saunus in der Hasestraße gestellt hatten. „Sie müssen graben“, forderte ein Kellner die Gäste auf. Und siehe da, wer den Löffel eintunkte und rührte, fand unter dem Fleisch die Ramanken: Bohnen, Birnen, Kartoffeln und, ja, auch Steckrüben hatte Koch Helmut Saunus in seinem „Osnabrücker Allerlei“ verarbeitet.

Gerade letztere Zutat hatte allerdings im Vorfeld für heftigen Widerspruch gesorgt, zuletzt nach dem Erscheinen von Kalla Wefels Buch „Kär, Kär, Kär! – Das neue Osnabrücker Möchtegernwörterbuch XXL“ und einem Interview mit unserer Redaktion. In einer Fußnote wurde der Ramankeneintopf darin, Wefels Übersetzung folgend, als „Steckrübeneintopf“ bezeichnet.

Streit um das richtige Rezept

Die Folge waren Anrufe, E-Mails und Briefe zahlreicher älterer Osnabrücker, die das Gericht noch aus ihrer Kindheit oder von ihren Eltern und Großeltern kennen. Der (fast) einhellige Tenor: In einen Ramankeneintopf gehören keine Steckrüben. Für viele handelt sich es vielmehr um einen Bohneneintopf, andere kennen das Gericht auch mit der Hauptzutat Birne.

Auch bei Kalla Wefel liefen zahlreiche Protestnoten auf. Für ihn Anlass genug, zur Veranstaltung „Das endgültige Ramankenessen“ einzuladen. Der dafür gewählte Ort war kein Zufall: Helmut Saunus hatte für das Wörterbuch ein Ramankenrezept beigesteuert.

Historischer Beweis aus Kalkriese?

Nicht ganz ernst gemeint wurde von Wefel geklärt, was ein Ramankeneintopf ist. Vor dem Musiker und Kabarettisten lag der vermeintliche Beweis: Ein in lateinischer Sprache verfasstes antikes Rezept aus der Zeit der Varusschlacht, von einem Römer hinterlassen. Dieser historische Beleg sei auf dem Schlachtfeld in Kalkriese gefunden worden, behauptete der Kabarettist.

Ernster gemeint war dagegen der Beitrag von Koch Ulli Giese. Der war 30 Jahre lang im Heimathof in Melle tätig, in den Neunzigern aber auch eine Weile im Osnabrücker Hotel Walhalla. In seiner Zeit dort produzierte ein ARD-Team einen Beitrag für die Reihe „Bilderbuch Deutschland“ über Osnabrück – und ließ Ulli Giese das bekannte Osnabrücker Ramankengericht kochen.

Und der stellte klar, dass die Übersetzung „Steckrübeneintopf“ tatsächlich nicht stimmt. „Steckrüben können, aber müssen nicht in den Ramankeneintopf.“ Dieser sei nämlich ein „Quer durch den Garten“-Gericht.

Der 1996 gesendete ZDF-Beitrag hatte übrigens ebenfalls Wellen geschlagen. Giese musste seinerzeit 150 Exemplare seines Rezepts nicht nur durch ganz Deutschland verschicken, sondern auch in die Niederlande und nach Belgien. 50 bis 60 Liter Ramanken kochte er an manchen Abenden im Walhalla.

Quatsch mit Heidelbeeren

Zum Nachtisch gab es in der Brasserie Saunus dann noch „Quatsch“. Nein, keinen weiteren kabarettistischen Beitrag von Kalla Wefel, sondern „Bickbeärkram“, das als weitere Osnabrücker Spezialität angekündigt wurde.

Allerdings gibt es dieses vermeintlich traditionelle Dessert erst seit Samstagabend, und es ist eine Eigenkreation von Helmut Saunus. „Bickbeärkram heißt eigentlich Quatsch“, erklärte Kalla Wefel. Er hatte Saunus dazu gebracht, zum Nachtisch eine Speise mit diesem Namen zu servieren. Herausgekommen war nicht „Quatsch mit Soße“, sondern „Quatsch“ in Form vom Crème brûlée mit Heidelbeeren garniert. Künftig soll der „Bickbeärkram“ auch in der Brasserie angeboten werden. Allerdings nicht immer, denn die Karte dort wechselt fast täglich.

Und auch eine Ramankenkönigin kürte Wefel. Die solle es doch künftig analog zum Osnabrücker Grünkohlkönig geben, forderte er. Spontan wählte er Kellnerin Clarissa aus – und musste nach Protesten ihren Kollegen Jens schnell noch zur Ramankenprinzessin ernennen. Denn ihm hatte der Komiker den Ramankenthron eigentlich schon versprochen gehabt.