Kirchenkabarett mit Clajo Herrmann in Osnabrück Urkomische Betrachtungen des alternden Mannes

Von Jan Kampmeier

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Osnabrück. Clajo Herrmann ist am Freitag, 16. Februar, beim neunten Kirchenkabarett des Förderkreises Wohnungslosenhilfe in der katholischen Familienbildungsstätte Osnabrück aufgetreten. Sein Programm stand unter dem Motto: „Älter werden, ohne den Unmut zu verlieren“.

Die vielen garstigen Gemeinheiten sind um so verblüffender, da sie einem Pfarrer in gesetztem Alter über die Lippen kommen. Clajo Herrmann hat seinen Job als Seelsorger allerdings längst an den Nagel gehängt und ist nun als Kabarettist unterwegs. Da ist ein loses und schnelles Mundwerk natürlich nicht zu verachten. Seine Vorstellung leitet er mit den Worten ein: „Es ist alles wahr, aber übertrieben.“

Um kirchliche Themen geht es nur am Rande. So fällt die Aussage, dass in der Bibel nichts zwischen den Zeilen stehe. Wenn man aber das lesen könne, was dort nicht offensichtlich geschrieben sei, so werde das Theologie genannt.

Deftige Worte und urkomische Betrachtungen

Hauptsächlich befasst sich Clajo Herrmann mit seinem eigentlichen Thema „Älter werden, ohne den Unmut zu verlieren“, das ihn immer wieder zu urkomischen Betrachtungen eines alternden Mannes führt. Häufig erlaubt er sich auch mehr oder weniger ausführliche Abschweifungen, und zimperlich ist er dabei nicht gerade: Auf Mallorca habe er sich über eine Gruppe Russen geärgert, „und dann waren‘s Kölner!“ Er sagt: „Die Prozentzahl an Arschlöchern ist eben in jedem Land die selbe.“ Deftige Worte für einen Pfarrer.

Auch sein Publikum warnt Herrmann: „Ihr habt ein Recht darauf, beleidigt zu werden.“ Selbst beim Kirchenkabarett ist man vor einem der abgegriffensten Themen aller Kabarettisten und Comedians nicht sicher: Männer und Frauen.

Dabei kann es allerdings vorkommen, dass Herrmann selbst dem ältesten Klischee eine pfiffige neue Pointe abgewinnt: „Ihr Frauen lebt länger, weil der liebe Gott euch die Einparkzeit anrechnet.“

Begeistertes Publikum

Wenn Clajo Herrmann in einem enormen Tempo und mit dem schönsten „Oxford-hessisch“ die Schönheitschirurgie als „Änderungsfleischerei“ und die Kunstrichtung des Impressionismus als „Migräne in Öl“ bezeichnet, mag man sich eine Predigt von ihm nicht recht vorstellen – doch das Publikum in der Familienbildungsstätte Osnabrück amüsierte sich großartig über diese Eskapaden.


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